Die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz betreut nicht nur fünf Schlösser und die dazugehörenden Parks, sondern ist auch für eine Waldfläche von rund 4.000 Hektar verantwortlich. Foto: KsDW

Die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz betreut nicht nur fünf Schlösser und die dazugehörenden Parks, sondern ist auch für eine Waldfläche von rund 4.000 Hektar verantwortlich. Foto: KsDW

03.11.2020

Dürre und Schädlinge:

Der Wald im Dauerstress

Wörlitz (WiSo). Angesichts der massiven Waldschäden richtet sich das wissenschaftliche Interesse immer mehr auf die sehr arten- und formenreichen Gehölzbestände der historischen Parks und Gärten wie in der Kulturlandschaft Dessau-Wörlitz. Dort sind durch Auslesen in der Vermehrung von der ursprünglichen Gehölzart abweichende Formen entstanden, die eine bessere Verträglichkeit der örtlichen Standortbedingungen als die Ausgangsart aufweisen. 

„Solche Potentiale gilt es zu erkennen und für Anpassungsstrategien an den Klimawandel zu nutzen“, informiert die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. Mit ihrem Auftrag, eine historische Kulturlandschaft und wertvolle Gartendenkmale von Weltrang zu sichern und zu pflegen, könne die Stiftung in der Waldbewirtschaftung zu einem Referenzobjekt für die Zukunft werden. 

Die Hoffnung auf eine spürbare Verbesserung der Situation in den Wäldern der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz hat sich auch in diesem Jahr nicht erfüllt: Der erneut sehr trockene Sommer werde wie in ganz Deutschland Einfluss auf die aktuelle Fällsaison haben müssen. Nachdem sich das Volumen des Schadholzes deutschlandweit allein durch Schädlingsbefall zwischen 2017 und 2019 von sechs auf 32 Millionen Kubikmeter vervielfacht hat, dürfte sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzen. Die sogenannte Kronenverlichtung, also die Ausdünnung der Äste, Blätter und Früchte als wichtiger Indikator für Trockenstress, wurde bei der bundesweiten Waldzustandserhebung bei 78 Prozent der begutachteten Bäume festgestellt, wobei 36 Prozent schwere Schäden aufwiesen. 

„Für die Waldbesitzer verschärft sich die katastrophale Lage dadurch, dass die Nachfrage für Holz am Markt erheblich zurückgegangen ist", meint die Stiftung, „was die notwendige Schadensbeseitigung und Wiederaufforstung mit eigenen Mitteln finanziell fast unmöglich erscheinen lässt.“ Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände schätze allein die Kosten für den Abtransport des Totholzes auf rund zwei Milliarden Euro, hinzu kämen noch einmal rund 640 Millionen für das nötige Nachpflanzen von rund 300 Millionen Bäumen. 

Diese Investitionen seien unverzichtbar, um den bereits vor 30 Jahren begonnenen Waldumbau weiter voranzutreiben und künftig stärker gemischte, besser an die klimatischen Veränderungen angepasste Bestände zu schaffen. Durch diese Verbesserung der Biodiversität soll auch eine höhere Widerstandskraft gegen den grassierenden Käferbefall und andere Schadensereignisse erzeugt werden. Die Politik wolle dies künftig mit einer staatlichen „Waldklimaprämie“ fördern, die Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) im September mit den Ländern diskutiert habe. 

Da eine solche Honorierung des Beitrags zum Klimaschutz aus der CO2-Abgabe bezahlt und in einer dynamisierten Form allen privaten, kommunalen und staatlichen Waldbesitzern zugute kommen soll, zählt auch die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz zu den potenziellen Empfängern: Zumal sie aktiv am Aufbau eines klimaresilienten Mischwaldes arbeitet, der weiterhin bewirtschaftet wird und nachweislich zum Klimaschutz beiträgt. 

So wurde der Wald der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz bereits in der Vergangenheit in vielen Bereichen mit einer zweiten Baumschicht – dem sogenannten Unterstand – versehen, der fast ausschließlich aus Laubbäumen wie Rotbuchen, Eichen, Linden oder Bergahorn besteht. Nach Absterben des Oberstandes übernimmt dieser bereits vorhandene Unterstand dessen Rolle und trägt damit zur Stabilisierung der geschädigten Wälder bei. „Diese Methode“, teilt die Kulturstiftung mit, „wird schon seit Jahrzehnten angewandt und soll in dieser Form auch weiter betrieben werden. Neu hinzu kommen jene Flächen, welche bislang keinen geeigneten Unterstand aufweisen und im Zuge einer baldigen Wiederaufforstung zu standortgerechten Mischwäldern entwickelt werden sollen.“ 

Bei den Maßnahmen des langfristigen Waldumbaus kann die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. So suchten schon frühere Generationen für die ehemals herzoglichen Wälder nach Baumarten, die unter den gegebenen Standortvoraussetzungen bessere Erträge versprachen. Seit dem 18. Jahrhundert wurde beispielsweise die aus Amerika stammende Weymouths-Kiefer in Forstrevieren und noch häufiger als Parkbaum angepflanzt. Diese Neuerung hat sich allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum bewährt: Inzwischen zwingt die Ausbreitung einer artspezifischen Pilzerkrankung (Weymouths-Kiefer-Blasenrost) zu einem Austausch dieser Nadelbaumart.




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