Der Entwurf von Christiane Utsch in einer Fotomontage: Die Form der Predella wird aufgenommen und der Abendmahlstisch findet sich im Bogen wieder. Foto: Stadtkirchengemeinde Wittenberg

Der Entwurf von Christiane Utsch in einer Fotomontage: Die Form der Predella wird aufgenommen und der Abendmahlstisch findet sich im Bogen wieder. Foto: Stadtkirchengemeinde Wittenberg

25.10.2020

Moderne, farbenfrohe Kunst unter Cranachs Reformationsaltar

Zwei neue Textilbehänge für den Stadtkirchen-Altar

Wittenberg (wg). Seit der Generalsanierung und Restaurierung erstrahlt Luthers Predigtkirche St. Marien sehr zur Freude der Stadtkirchengemeinde und der vielen Besucher im neuen Glanz, doch die Altarparamente sind nach mehr als 50 Jahren des Gebrauchs verschlissen und verblasst. Zwei neue Behänge werden derzeit in aufwendiger Handarbeit gefertigt, sie kosten circa 16.000 Euro. „Unterhalb des Cranachschen Reformationsalters entstehen moderne Kunstwerke, die neue Akzente setzen werden“, berichtet Stadtkirchenpfarrer Dr. Johannes Block. 

Seit einem Jahr beschäftige sich die Gemeinde mit dem Thema, denn der Anspruch an die Technik der Bildwirkerei sei in künstlerischer, kunsthandwerklicher und theologischer Hinsicht ein sehr hoher. Paramente seien zusammen mit der Architektur, den Cranach-Kunstwerken und anderen Elementen Teil der Gestaltung des Kirchenraumes und dienten der visuellen Unterstützung der Liturgie. 

Als textile Kunst im Kirchenraum erfüllen Paramente drei Aufgaben: Den Altar als Tisch (lat. „mensa“) des Herrn für das Abendmahl und Ort des Gebetes zu bereiten (lat. „parare“), durch farblichen Wechsel das Kirchenjahr anzuzeigen und den Raum durch einen künstlerischen Akzent mit zu gestalten – im Falle der Stadtkirche am prominenten Ort unterhalb des berühmten Reformationsaltars. 

„Wir haben uns für zwei von den insgesamt fünf liturgischen Farben entschieden“, sagt Block. Dies sei Weiß, die Farbe für die Christfeste Weihnachten, Christi Himmelfahrt und Epiphanias sowie Grün für die Zeit von Pfingsten bis Erntedank. Bevor mit der Arbeit begonnen wurde, fanden mehrere Beratungen in der Stadtkirche statt, um Details mit Blick auf Motiv, Farbe und Gestaltung vor Ort abzustimmen: „Die Altarbehänge sollen schließlich den Geist des Ortes aufnehmen“, betont Pfarrer Block. 

Der grüne Altarbehang wird vom Atelier für Paramentik in Berlin von Christina Utsch gestaltet. Die in Durham, USA, geborene Künstlerin hat Design in Hannover studiert und zuvor die Gesellenprüfung als Paramentikerin und Handstickerin in Darmstadt absolviert. Das Bildweben hat sie in Israel im Atelier von Georg Goldstein erlernt und 2003 in Berlin ihr eigenes Atelier gegründet. 

Der Entwurf von Utsch zeigt verschiedene Abstufungen von Grün sowie einen gelben Bogen, dieser nimmt die runde Form des Tisches vom Mittelbild des Reformationsaltars auf, welches das letzte Abendmahl Christi mit seinen Jüngern zeigt. Die Form des Altarbehanges wiederum korrespondiert zur Predella. „Paramente laden ein, genauer hinzuschauen, zu entdecken, still zu werden“, erklärt Utsch. „Ein Bild kann zu einem Gebet werden. Wo Worte ihre Grenzen haben, können Farben, Formen und Symbole sprechen.“ 

Das weiße Parament gestaltet Sabine Bretschneider vom Magdeburger Atelier „Textil im Raum“, auch sie ist eine erfahrene Textilkünstlerin mit solider Ausbildung, die sowohl für kirchliche als auch private Auftraggeber arbeitet. Sie hat in 2016 für die Schlosskirche in Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum fünf Altarbehänge in Form von Gobelins in den Kirchenfarben Violett, Weiß, Rot, Grün und Rosa gestaltet. Ihr Entwurf für die Stadtkirche verwendet außer der Farbe weiß auch goldene Farbtöne und lässt viel Raum für Interpretation. 

Nur noch wenige Spezialwerkstätten in Deutschland beherrschen die Kunst der Anfertigung von Paramenten und in nicht wenigen Kirchen fristen solche Textilien ein Schattendasein. 

Die Gemeinde hofft auf Spenden 

Die Gesamtkosten für beide Paramente in Höhe von 16.000 Euro kann die Stadtkirchengemeinde nur mit Hilfe von Spenden aufbringen. „Lediglich 15 Prozent des Gemeindehaushaltes werden über Kirchensteuern gedeckt“, berichtet Pfarrer Block. 3.335 Euro seien bereits zusammen gekommen, dafür danke man den Spendern sehr. 

Spendenkonto: Stichwort RT 7254 Parament“, IBAN: DE 91 3506 0190 1551 7480 10, BIC: GENODED1DKD. Bitte Adresse angeben, falls eine Zuwendungsbescheinigung gewünscht wird.




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