10.10.2020

Trotzdem soll Jörg-Peter Pajak in 2021 „Luthers Hochzeit“ organisieren

Der „Hochzeitsmanager“ geht Ende November in Rente

Wittenberg (wg). Am 30. November hat Jörg-Peter Pajak, Projektmanager bei der Lutherstadt Wittenberg Marketing GmbH, seinen letzten Arbeitstag. Geht es nach den rund 30 historischen Vereinen, die sich im Zuge von „Luthers Hochzeit“ gegründet haben, dann wird der „Hochzeitsmanager“ auch 2021 das Wittenberger Fest in bewährter Weise organisieren. Es wäre sein „26,5“, wie Pajak rechnet, denn zweimal musste das Fest abgesagt werden: 2013 wegen des Hochwassers und in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie. 

„Die Planungen für 2021 laufen bereits“, bestätigt Pajak im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, „wir gehen davon aus, dass im Juni 2021 die Corona-Pandemie nicht vorbei sein und dass es noch keinen Impfstoff geben wird, dass Hygiene- und Abstandsregeln zu beachten sein werden.“ Dass auch mit Abstand gefeiert werden könne, habe am Wochenende der Töpfermarkt gezeigt, die Entzerrung der Stände habe sich bewährt, die Besucher seien diszipliniert gewesen. 

Man könne in 2021 auch „Luthers Hochzeit“ entzerren und auf einer großen Fläche feiern oder auf einen kontrollierbaren Bereich konzentrieren und den Besuchern Zeitfenster vorgeben. Man könne alternativ einen Kultursommer in Kooperation mit weiteren Partnern wie dem Kunstverein mit seinen Hofkonzerten und privaten Veranstaltern organisieren, in dem das Wittenberger Fest mit seinen Kernelementen eingebettet werde. 

„Wegen Corona gar nichts machen ist keine Option“, betont Pajak, „wenn die Pandemie zu neuen, innovativen Ideen führt, sollten wir diese umsetzen.“ Atmosphäre und Qualität müssten stimmen, ebenso der Marken-Kern, der „Luthers Hochzeit“ von anderen Stadtfesten unterscheidet: „Wir feiern eine historisch verbürgte Hochzeit als freudigen Anlass, die Vereine tragen mit ihrem Enthusiasmus ganz wesentlich zur Qualität bei, die in dieser Form in Ostdeutschland einmalig ist.“ 

Auch ohne Corona werde sich das Fest immer wieder verändern, „aber die Kernelemente dürfen wir nicht kurzfristigen Zeitgeist-Trends opfern“, betont Pajak, „denn was wäre die Alternaive zu ‚Luthers Hochzeit’?“ Das aus verschiedenen Angeboten bestehende Gesamtpaket müsse stimmen, ebenso müsse die sehr lockere, fröhliche und angenehme Atmosphäre, die für Wittenberg sonst eher untypisch sei, erhalten bleiben. 

Der Diplom-Kulturwissenschaftler begann 1993 im Projektbüro der Stadt zur Vorbereitung der 700 Jahrfeier, absolvierte einen Anpassungslehrgang und wurde nach mehreren ABM-Verträgen in 2000 festangestellt. Von Anfang an habe man „Luthers Hochzeit“ nicht auf das Mittelalter begrenzt, „weil nur Dudelsack und Knoblauchbrot ein Fest nicht tragen.“ 

Sehr beliebt sei die Dixieland-Nacht am Freitag auf dem Markt gewesen, erinnert sich Pajak. Mehr als 2.000 Gäste habe man gezählt, doch nach zehn Jahren habe es am ersten Festtag so viele Angebote gegeben, dass die Besucher ausblieben. Eine weitere große Veränderung sei der Umzug der historischen Vereine auf die Schlosswiese gewesen, weil der Schlosshof baupolizeilich gesperrt werden musste. Auch die vielen Baustellen von 2007 bis 2017 hätten immer wieder Veränderungen erzwungen, die von den Vereinen mitgetragen worden seien. 

Als der Arsenalplatz zur Verfügung stand, wurden die modernen Unterhaltungsformate dorthin verlagert, während der Markt mittelalterlich gestaltet und bespielt wurde. „Diese Trennung hatte sich bewährt, aber als Veranstalter konnten wir zwei große Bühnen finanziell nicht stemmen“, bedauert Pajak. Bis 2017 sei „Luthers Hochzeit“ räumlich gewachsen, ab 2018 konzentriere man sich wieder auf die Kernbereiche, habe sich von der Mittelstraße und der Collegienstraße ab Holzmarkt sowie vom Hof der Leucorea getrennt. Dafür sei 2019 die Wallstraße dazu gekommen, dort wolle man vor allem Angebote für Kinder schaffen, denn „Luthers Hochzeit“ sei auch ein Familienfest. 

Die Einführung eines Eintrittsentgeltes in Form der Plaketten und ab 2019 als Bändchen habe sich bewährt, denn die Erlöse spielten rund zwei Drittel der Stadtfestkosten von circa 300.000 Euro wieder ein. Mit dem Eintrittsgeld für alle habe man auch Ungerechtigkeiten beseitigt: Einige Altstadtbewohner hätten das Stadtfest als attraktive Kulisse für private Feiern genutzt und für ihre Gästen kostenlose Besucherkarten verlangt. „Da mussten wir die Notbremse ebenso ziehen wie beim kostenlosen Eintritt für Gewandträger“, sagt Pajak, „denn aus den Gewändern wurden immer mehr faschingsähnliche Kostüme.“ 

Auf viele Stadtfestkenner wirkt der langjährige „Hochzeitsmanager“ immer wie die Ruhe in Person. „Dieser Eindruck täuscht, denn vor jedem Stadtfest gab es viele schlaflose Nächte, Ruhe und Konzentration treten erst ein, wenn das Fest läuft.“ Richtig schief gelaufen sei in den zweieinhalb Jahrzehnten zum Glück nichts - auch dank der Unterstützung der Kollegen und der vielen an der Logistik beteiligten Firmen: „Ein Fest in dieser Größenordnung funktioniert nur im Team!“ 

Das Stadtfest in 2012 war für Pajak privat ein besonderes, denn da heiratete zu „Luthers Hochzeit“ sein Sohn und fuhr mit der Braut in der Hochzeitskutsche im Festumzug mit, der wie im jeden Jahr vom Cheforganisator kommentiert wurde: „Ich hatte mir einige Sprüche überlegt, aber dann hat es mir doch die Stimme verschlagen.“





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