30.09.2020

Wittenberger Sonntag liest die Berliner Morgenpost

Ein Streik zur falschen Zeit

Berlin (ots) War etwas? Am Dienstagmorgen konnte man fast vergessen, dass bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) über Stunden gestreikt wurde. In vielen S-Bahnen blieb das Gedränge aus. Auf den Straßen waren zwar mehr Autos unterwegs, von dem Verkehrschaos, das frühere Arbeitsniederlegungen der BVG-Mitarbeiter zur Folge hatten, war allerdings nichts zu sehen. Es zeigt, wie stark sich das Leben für viele Menschen in den vergangenen Monaten verändert hat. 

Zeitweise mit reduziertem ÖPNV auszukommen, ist vielen nun möglich: Im Grunde waren die Wochen des Lockdowns ja ein selbstauferlegter Streik der Fahrgäste. Mehr Menschen steigen in solchen Situationen heute selbstverständlicher aufs Fahrrad. Und wer nicht an den Arbeitsplatz muss, bleibt dank Homeoffice einfach zu Hause. Der Druck vonseiten der Streikenden mag da nicht so recht aufkommen. 

Für Gewerkschafter sind es keine leichten Zeiten, um in Tarifverhandlungen zu gehen. Aber längst nicht nur deshalb wirkt der Streik bei der BVG aktuell fehl am Platz. Während andere Branchen ums Überleben kämpfen und der Staat Milliarden aufwendet, um die Wirtschaft zu stabilisieren, fordert Verdi weniger Arbeitszeit und mehr Urlaub für die Mitarbeiter im ÖPNV. Kaum verwunderlich, dass die Unterstützung in der Öffentlichkeit begrenzt ist. 

Die Gewerkschaft hat recht damit, dass die Jobs bei der BVG attraktiv sein müssen, um die künftig nötigen Mitarbeiter zu gewinnen. Nicht übersehen werden darf, dass sie das etwa durch ihre Krisenfestigkeit jetzt schon sind. 

Notwendig ist auch der Blick auf die Kosten: 100 Millionen Euro würde die BVG jährlich aufwenden müssen, wenn alle Forderungen erfüllt werden. Dabei wird für den ÖPNV-Ausbau und die Elektrobusse jetzt schon jeder Euro dreimal umgedreht. Ein großes Plus für die Mitarbeiter ist da aktuell illusorisch.




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