Susanne Göbel (m.), amtierende Fachdienstleiterin Gesundheit sowie die Kinderärztinnen Beate Wetzel (l.) und Britt-Kerstin Bauspieß. Foto: Wolfgang Gorsboth

Susanne Göbel (m.), amtierende Fachdienstleiterin Gesundheit sowie die Kinderärztinnen Beate Wetzel (l.) und Britt-Kerstin Bauspieß. Foto: Wolfgang Gorsboth

28.09.2020

Private Feiern entwickeln sich zum gefährlichen Hotspot:

Zahl der Corona-Infektionen im Landkreis stark gestiegen

Wittenberg (wg). „Jeder kann zur Risiko-Minimierung beitragen, indem er sich an die AHA-Regel hält“, appelliert Vizelandrat Jörg Hartmann (CDU) an die Vernunft die Bürgerinnen und Bürger. „Mit 28 bestätigten Corona-Fällen in nur einer Woche ist unser Landkreis aktuell negativer Spitzenreiter in Sachsen-Anhalt.“ Die AHA-Regel (Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske tragen) leiste einen wirksamen Schutz. 

Zunächst waren es vor allem Reiserückkehrer, die Infektionen auslösten, jetzt sind es private Feiern, die sich zu gefährlichen Hotspots entwickelt haben. „Die Infektionszahlen sind fast so hoch wie im März“, bestätigt Susanne Göbel, amtierende Leiterin des Fachdienstes Gesundheit. Je mehr Menschen an einer Feier teilnähmen, desto logistisch schwieriger und arbeitsaufwändiger werde es für den Fachdienst Gesundheit, potenzielle Infektionsketten zurückzuverfolgen. 

„Unser Fachdienst ist personell gut aufgestellt, aber in Notlagen wie der aktuellen Pandemie stoßen wir schnell an unsere Kapazitätsgrenzen“, erklärt Göbel, die Arbeitsbelastung sei extrem. Bis zu 30 Mitarbeiter aus der Kreisverwaltung habe man in der Vergangenheit zur Verfolgung der Infektionsketten zusätzlich abstellen müssen, verstärkt durch Mitarbeiter aus dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen. Aktuell werde man von zwei Bundeswehrsanitätern unterstützt, die bei Abstrichen in Schulen und Altenpflegeheimen helfen. 

Den Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), deutschlandweit Fieberambulanzen einzurichten, um besser auf das Zusammentreffen von Corona-Pandemie und Grippesaison gerüstet zu sein, begrüßt Göbel, sie stellt aber klar: „Der Fachdienst kann dies personell nicht stemmen.“ Dieses Angebot müsse von den Kassenärztlichen Vereinigungen organisiert werden. 

Der Landkreis werde aufgrund der gestiegenen Infektionszahlen wieder ein Abstrichzentrum in Wittenberg einrichten, bei Bedarf werde auch die mobile Variante zum Einsatz kommen. Der Test obliege grundsätzlich der Entscheidung eines Arztes. Schnelltests würden eine enorme Arbeitserleichterung darstellen, seit Beginn der Corona-Krise werde daran geforscht – bislang mit mäßigem Erfolg. „Wir führen deshalb PCR als sicherste und kostengünstigste Testmethode durch, mit welcher der Erreger direkt nachgewiesen wird“, erläutert Göbel. Allerdings dauere es 24 bis 48 Stunden, bis das Laborergebnis vorliege. 

Ausdrücklich dankt Göbel den niedergelassenen Ärzten für die gute und konstruktive Zusammenarbeit sowie massive Unterstützung. Beim Kampf gegen das Corona-Virus stünden sie an vorderster Front und stellten die Versorgung der Patienten sicher, viele hätten ihr Praxismanagement komplett umstellen müssen. Ebenso hätten sich die Kontakte und die Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern im Kreisgebiet sowie den Kurkliniken in Bad Schmiedeberg verbessert. 

Coronavirus und Grippewelle 

Mit der Influenza-Saison, die im Oktober beginnt und bis Mitte Mai dauern kann, besteht die Gefahr, dass Corona und die Grippewelle aufeinander treffen. Der Fachdienst Gesundheit appelliert deshalb an alle Menschen, die aufgrund ihres Alters und Vorerkrankungen besonders gefährdet sind, ebenso an Schwangere und Mitarbeiter in Medizin und Pflege, sich gegen Grippe impfen zu lassen. 25 Millionen Impfdosen stehen in diesem Jahr in Deutschland zur Verfügung – ein Rekord. 

„Die Impfquote von bislang 30 Prozent pro Grippesaison ist viel zu niedrig“, so Göbel. Dem Fachdienst Gesundheit stehen in diesem Jahr 350 kostenlose Impfdosen zur Verfügung, aber auch Haus- und Kinderärzte impfen. „Für Risikopatienten, die sich doppelt infizieren, ändert sich die Prognose von ‚sehr schlecht’ auf ‚katastrophal’“, warnt Göbel. 

Die AHA-Regel schützt auch vor einer Ansteckung mit dem Grippe-Virus, wie ein Blick auf die Südhalbkugel beweist, dort geht jetzt der Winter zu Ende. In Australien, Chile und Südafrika wurden in 83.000 Proben nur 51 Influenza-Infektionen nachgewiesen, in den Jahren davor waren es im Durchschnitt mehr als 12.000. Für die sehr niedrige Zahl dürften vor allem Maßnahmen wie Maskentragen und Abstandhalten gesorgt haben.




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