Constanze Zepperitz an einem mächtigen Totholzstamm, ein natürliches XXL-Insektenhotel. Foto: Wolfgang Gorsboth

Constanze Zepperitz an einem mächtigen Totholzstamm, ein natürliches XXL-Insektenhotel. Foto: Wolfgang Gorsboth

25.09.2020

Alte Bäume, dichtes Gebüsch, Totholz und renaturierter Heidebach

Der „geheime Park“ in den historischen Kuranlagen

Bad Schmiedeberg (wg). Herbstliche Stimmung legt sich langsam über den Kurpark, noch blüht die Sommerbepflanzung in ihrer abwechslungsreichen Farbenpacht, die wegen Corona noch üppiger ausgefallen ist: „Wir haben rund 10.000 Pflanzen in die Sommerbeete gesetzt, um unseren Kurgästen während der Pandemie etwas Besonderes zu bieten“, berichtet Constanze Zepperitz, seit 2005 Leiterin der Garten- und Parkpflege. Der Aufenthalt in der 6,6 Hektar großen Parkanlage biete Raum für Erholung, Muße und Genesung und sei deshalb wesentlicher Therapiebestandteil. 

Pflege und Gestaltung der Parkanlage mit ihren Blumenbeeten, dem Rosengarten, den Moor- und Kräuterbeeten, Hecken und Bäumen werden mit großem Aufwand betrieben, wobei Hitze und Dürre seit 2018 besondere Herausforderungen an die Leiterin und ihre elf Mitarbeiter stellen. Das automatische Bewässerungssystem, das seit der letzten Kurpark-Sanierung ein- und inzwischen auf rund 5.500 Meter Länge ausgebaut wurde, erleichtert die Arbeit erheblich. 

Während Kurgäste und Einheimische den gepflegten Kurpark kennen und schätzen, gibt es zwischen Schwanenteich, Rehaklinik I, Dommitzscher und Korgauer Straße ein circa 3,5 Hektar großes Areal, welcher die Leiterin der Kurgärtnerei den „geheimen Park“ nennt: Hier dominieren alte Bäume, dichtes Gebüsch und Tothölzer, außerdem schlängelt sich hier der renaturierte Moschwiger Mühlbach durch, es gibt Richtung Korgauer Straße eine 2015 angelegte Streuobstwiese mit alten Obstorten und eine Pferdekoppel. 

„Hier ist ein naturnahes Refugium entstanden mit wertvollen Biotopen für Fauna und Flora“, erläutert Zepperitz. Tote und morsche Bäume würden bewusst liegen gelassen: „Der größte Teil der mehr als heimischen 1.000 Bienen- und Wespenarten ist auf Alt- und Totholz angewiesen. Ebenso Käfer, darunter so imposante Arten wie der Hirschkäfer und der Große Juchtenkäfer.“ 

Von den Insekten und deren Larven würden sich viele Vögel ernähren, Spechte wiederum zimmerten sich im morschen Holz ihre Bruthöhlen. Viele der Tiere stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. „Es ist lobenswert, wenn Menschen in ihren Gärten Insektenhotels aufstellen, aber noch besser ist es, tote und morsche Bäume stehen zu lassen bzw. einen Totholzhaufen anzulegen“, rät die Fachfrau, dies sei kein Zeichen mangelnder Ordnung, vielmehr ein Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt. 

Ein Besuch im „geheimen Park“ lohnt sich für alle, die bei einem Spaziergang die Vielfalt der Fauna und Flora entdecken wollen. Im Bereich des Baches, der sich lebendig zwischen Weiden und Traubenkirschen schlängelt, ist die Ringelnatter zu Hause und auch ein Otter wurde gesichtet. Außer Spechten finden sich Eulen, Hohltauben, Siebenschläfer, Baummarder, Eichhörnchen und Fledermäuse. 

Gehwege erneuert 

Die Erneuerung der Gehwege im Kurpark ist nach zwei Jahren abgeschlossen. Der bisher verwendete Ostrauer Kalksplitt ist witterungsanfällig, so dass die Wege nach mehr als 15 Jahren verschlissen waren. Das Material wurde abgetragen und durch härteren Sabalith ersetzt, welches witterungsbeständiger und deshalb haltbarer ist. Den Austausch, so Zepperitz, habe auch das Landesdenkmalamt empfohlen. Insgesamt seien rund 100 Tonnen Deckschichtmaterial neu aufgetragen worden. Verschoben auf 2021 Die in diesem Jahr im Kurpark geplanten Veranstaltungen zu „20 Jahre Gartenträume in Sachsen-Anhalt“ wie Rosenfest, Musiksommer und Gartenträume-Picknick werden alle in 2021 nachgeholt. Der Kurpark gehört zu den 50 historischen Parkanlagen, die sich im Gartenträume-Netzwerk zusammengeschlossen haben. Corona-bedingt entfallen bis Jahresende auch die von Constanze Zepperitz regelmäßig angebotenen poetischen Gartenspaziergänge.




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