Steffen Rotte, Torsten Narr und Jörg Hartmann schneiden das blaue Band durch, Uwe Prochnow (v.l.n.r.), Bereichsleiter der Arbeitsagentur, darf das Band halten. Foto: Wolfgang Gorsboth

Steffen Rotte, Torsten Narr und Jörg Hartmann schneiden das blaue Band durch, Uwe Prochnow (v.l.n.r.), Bereichsleiter der Arbeitsagentur, darf das Band halten. Foto: Wolfgang Gorsboth

21.09.2020

Landkreis, Jobcenter und Arbeitsagentur beraten gemeinsam

Jugendberufsagentur: Kompetente Hilfe unter einem Dach

Wittenberg (wg). Mit dem Durchschneiden des blauen Bandes wurde am Montag, dem 21. September, die neu gegründete Jugendberufsagentur (JBA) „Job, läuft“ im Gebäude der Agentur für Arbeit und des Jobcenters in der Melanchthonstraße 3a eröffnet. Dritter Partner ist der Fachdienst Jugend und Bildung des Landkreises. Auf ihrem Weg von der Schule in das Berufsleben finden Jugendliche bis 25 Jahren in der JBA Ansprechpartner für die unterschiedlichsten Problemlagen. 

„Nach neun Jahren der Zusammenarbeit zwischen Arbeitsagentur, Jobcenter und unserem Fachdienst sind alle drei Einrichtungen endlich unter einem Dach vereint, um Jugendlichen schnelle Hilfe und kurze Wege anzubieten“, erklärt Vizelandrat Jörg Hartmann (CDU). Mit der JBA sei eine Organisationsstruktur entwickelt worden, die eine aktive Mitwirkung aller drei Partner über ihre jeweiligen Rechtskreise hinaus ermöglicht. Von der engen Kooperation erhoffe man sich mehr Effizienz bei der beruflichen und gesellschaftlichen Integration insbesondere von benachteiligten Jugendlichen. 

Das Projekt der JBA’s startete auf Bundesebene bereits 2011 in ausgesuchten Modellregionen, nachdem die Bundesagentur für Arbeit und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2010 das Bündnis „Jugend und Beruf“ initiierte. Der Landkreis Wittenberg stieg in der zweiten Projektstufe ein. 

„In den vergangenen neun Jahren hat sich an der Notwendigkeit und an den Intentionen, die vorhandenen Beratungs- und Hilfsangebote zu bündeln, nichts geändert“, betont Torsten Narr, Chef der Arbeitsagentur Dessau-Roßlau-Wittenberg. Denn erstens gingen in den nächsten 15 Jahren 40 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Agenturbezirk in Rente. 

Zweitens befänden sich viele Berufe in einem rasanten Wandel, nicht nur wegen der Digitalisierung. Drittens blieben seit drei Jahren in Folge zahlreiche Ausbildungsstellen unbesetzt, weil potenziellen Bewerbern die Ausbildungsreife fehlt. „Der Arbeitsmarkt braucht aber jeden Jugendlichen“, erklärt Narr, „auch junge Leute mit Vermittlungshemmnissen müssen auf den beruflichen Weg gebracht werden. Wenn wir in Zukunft den Fachkräftebedarf decken wollen, darf uns niemand verloren gehen.“ 

Wie komplex die Problemlagen junger Menschen sind, weiß Steffen Rote, Geschäftsführer des Jobcenters im Landkreis Wittenberg, aus Erfahrung: „Konflikte mit den Eltern, Suchterkrankungen, Schulverweigerung und schlechte Schulabschlüsse, frühzeitige Schwangerschaften, Schulden und drohende Obdachlosigkeit.“ Die Suchtproblematik verharre auf einem konstant hohen Niveau, gleichzeitig würden die gesundheitlichen Auswirkungen immer gravierender, bis hin zur Erwerbsunfähigkeit. 

„Viele Jugendliche haben mehrere Probleme, die gelöst werden müssen, bevor überhaupt an eine Ausbildung oder Arbeitsaufnahme zu denken ist“, berichtet Rotte. „Mit der JBA als zentraler Anlaufstelle können wir erstmals alle Angebote unter einem Dach bündeln und die Wege verkürzen.“ Im Unterschied zu den meisten JBA’s in Deutschland verfolgt die Wittenberger Einrichtung einen ganzheitlichen Ansatz und betreut außerdem auch Rehabilitanden. 

32 Räume stehen der JBA zur Verfügung, die in einem separaten Bereich mit jugendgemäßen Ambiente untergebracht ist. Hier arbeiten zehn Mitarbeiter des Jobcenters, sechs vom Fachdienst Jugend und Bildung des Landkreises sowie fünf Berufsberater, drei Berater für Rehabilitation und Teilhabe und zwei Arbeitsvermittler der Arbeitsagentur. 

Genutzt werden die Büros auch von Netzwerkpartnern wie der mobilen Suchtberatungsstelle, Streetworkern, den Familien-Integrationscoaches, dem Jugendmigrationsdienst und der ENTER-Beratungsstelle in Trägerschaft des Internationalen Bundes. Weitere Partner sind die Jugendgerichtshilfe und das Landesschulamt. Allein 1.000 Jugendliche, die bislang vom Jobcenter betreut wurden, erhalten künftig Hilfe und Unterstützung in der JBA. 

Hinweis 

Die Jugendberufsagentur steht allen jungen Menschen zur Verfügung, um Unterstützung zur Berufs- und Studienorientierung, zu Arbeits- und Ausbildungsangeboten und bei Hilfen zu besonderen Lebenslagen zu erhalten. Ebenso richtet sich die JBA an Eltern und Akteure des Ausbildungsmarktes. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation wird um vorherige Terminvereinbarung per Mail an: gebeten.




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