Professor Josef Walch vor dem mit dem Hauptpreis ausgezeichneten Werk von Katerina Belkinas: „Sünderin“, eine fotografische Selbstinszenierung. Foto: Wolfgang Gorsboth

Professor Josef Walch vor dem mit dem Hauptpreis ausgezeichneten Werk von Katerina Belkinas: „Sünderin“, eine fotografische Selbstinszenierung.
Foto: Wolfgang Gorsboth

19.04.2015

Cranach-Preis 2015: Ausstellung in der Exerzierhalle

Hauptpreis für eine „Sünderin“

 Wittenberg (wg). Katerina Belkinas „Sünderin“ ist bei der Eröffnung der Ausstellung „Cranach 2.0“ mit dem 6.000 Euro dotierten Hauptpreis, ausgezeichnet worden. Belkina zeigt sich hochschwanger in der Rolle der Sünderin, umgeben von der lästernden Meute.

Die aus Russland stammende international anerkannte Fotografie-Künstlerin hat das Selbstporträt nicht nur durch technische Präzision in eine neue Dimension gebracht, sondern sie schafft mit dem prämierten Werk auch eine Anmutung zur Malerei des 16. Jahrhunderts.

Die längste Anreise hatte das übergroße Kreuz mit der deutlich sichtbaren Bambusstruktur von Professor Dao Zi aus China, der die traditionelle chinesische Tuchmalerei mit christlichen Inhalten füllt, seit er sich 1997 hat taufen lassen. Das Werk lag vor drei Tagen noch beim Zoll.

In seiner Kunst, die er als „Saintism Art“ bezeichnet, schöpft er aus christlichen Quellen und interpretiert diese vor der Gegenwart in China. Er lehrt westliche Kunstgeschichte an der Tsing Hua University in Peking und ist in China ein sehr bekannter Kunstkritiker.

„In der frühen Neuzeit artikulierte sich im Porträt ein kultur- und geistesgeschichtlicher Wandel, der das Individuum in seiner Eigenverantwortlichkeit stärkte“, erläutert Kunsthistorikerin Dr. Marlies Schmidt von der Cranach-Stiftung, neben Professor Josef Walch (Burg Giebichenstein Halle) und Ingo Caesaro (Kronach) eines der Mitglieder der Jury.

Im 16. Jahrhundert haben die Cranachs vor allem Eliten im Bildnis festgehalten, Goldauflagen unterstrichen deren Anspruch auf Macht und Reichtum. In dieser Tradition stehen auch die Arbeiten von Thomas Straub, der Kopien Cranach’scher Porträts zu zeitlos aktuellen Gesichtern überarbeitete – mit Anklängen an die Niederländische Kunst des 17. Jahrhunderts und an die heutige Berliner Szene. Seine Kopien hinterlegte er mit Gold und stilisierte sie so zu Ikonen.

Gold spielt auch bei der Künstlerin Gundula Schulze Eldowy eine Rolle, sie gab Konstantinopler Ikonen ihre verloren gegangenen Goldhintergründe zurück und bringt sie damit wieder zum Strahlen.

Neben dem Porträt hat auch der Akt über die Jahrhunderte hinweg nichts an Aktualität verloren. „Am unbekleideten menschlichen Körper werden die Fragen zu dessen Versehrtheit und Verletzlichkeit verhandelt, die Geschlechterbeziehungen definiert und wie in den Gemälden von Hill und Cheon die Grenzen zur Pornografie immer wieder neu ausgelotet“, berichtet Dr. Schmidt.

Einen Anerkennungspreis für die Performance „Heilige Jungfrau von Lourdes quergebürstet“ bekommt Susan Donath. Oscar HR greift mit seinem 360-Grad-Selfie die Frage des Seins in der Welt auf. „Madonna im Strahlenkranz“ ist der Titel eines Bildes von Richard Wientzek, wobei die Madonna eine Barbie-Puppe ist und der Strahlenkranz von Nudeln gebildet wird.

Eher an Karikaturen erinnern die DIN-A4-Bleistiftzeichnungen von Gunilla Jähnichen. Hintergrund Welche Bedeutung haben die Werke Lucas Cranach des Jüngeren für die zeitgenössische Kunst? Dieser Frage ging der von Wittenberg, Kronach, Stiftung Christliche Kunst, Cranach-Stiftung und dem Verein „Regionale Kunstförderung Kronach e.V.“ erstmals gemeinsam ausgeschriebene internationale Lucas-Cranach-Preis nach.

Zum Thema „Cranach 2.0“ reichten 639 Künstler ihre Arbeiten ein, die Jury wählte 69 Arbeiten von 64 Künstlern aus. 30 Künstler stammen aus den alten Bundesländern, je 15 aus den neuen Bundesländern sowie Berlin, aus dem Ausland sind Künstler aus China, Niederlande und Österreich vertreten.

Hinweis:

Die Ausstellung, zu der es einen Katalog zum Preis von zehn Euro gibt, ist bis zum 5. Juli 2015 in der Exerzierhalle zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, der Eintritt beträgt einen Euro, ermäßigt 50 Cent.

Öffentliche Ausstellungsrundgänge werden am 2. und am 30. Mai angeboten, Beginn jeweils 14 Uhr. Vom 19. Juli bis zum 31. Oktober 2015 ist eine Auswahl der Ausstellung auf der Kronacher Festung Rosenberg zu sehen. 




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