07.08.2020

Wittenberger Sonntag liest die Rheinische Post

AHA-Ermüdung und Aha-Erlebnis

Düsseldorf (ots) Nun ist sie also da, die Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Der Staat sieht sich zum nächsten Eingriff in die Freiheitsrechte seiner Bürger gezwungen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Die Kosten trägt die Solidargemeinschaft. Der Bundesregierung ist es zu heikel, dass Urlauber einen kleinen Teil ihres Reisebudgets für einen solchen Test ausgeben sollen. 

Spahn verspürt eine gewisse AHA-Ermüdung in der Bevölkerung, die Corona-Maßnahmen "Abstand-Hygiene-Alltagsmaske" zu akzeptieren. Für die vielen, die sich an alles halten, ist es aber genauso ermüdend, dass immer wieder um Verständnis für die ein oder andere kleine Einschränkung geworben werden muss, damit ein großer Schaden ausbleibt. Die einen umarmen vorsichtshalber ihre Eltern und Großeltern nicht mehr, die anderen feiern wilde Partys. Auch das spaltet eine Gesellschaft. 

Ein Wort zum CDU-Politiker Spahn: Sein Auftritt war wieder klar. Und selbstkritisch. Wir werden uns Fehler verzeihen müssen, hatte er früh gemahnt. So zeigt er sich nun zwar beunruhigt, dass erstmals seit Mai wieder die Zahl von 1000 Neuinfektionen an einem Tag überschritten wurde - aber er verweist darauf, dass inzwischen weitaus häufiger getestet wird. Dadurch werden mehr Infektionen registriert. Das ist keine Entwarnung, aber eine Erklärung. 

Derweil hat der offizielle Anwärter auf den CDU-Vorsitz, Armin Laschet, eine Debatte mit der SPD am Hals, ob er sich nach seiner Auslandsreise hat testen lassen. Griechenland ist kein Risikogebiet. Trotzdem hat er sich laut dpa testen lassen - was aber erst spät bekannt wurde. So wird an einem Tag Laschet mit Fragen zu seinem Testverhalten wahrgenommen und Spahn mit Regierungshandeln zu einer Testpflicht. Ein kleines Aha-Erlebnis. Wer CDU-Chef wird, ist noch sehr offen.





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