Vereinsvorsitzender Roland Lück präsentiert einige der Tischbesen, die für eine kleine Ausstellung vorbereitet werden, im Hintergrund ein Bild mit August Reinhard. Foto: Wolfgang Gorsboth

Vereinsvorsitzender Roland Lück präsentiert einige der Tischbesen, die für eine kleine Ausstellung vorbereitet werden, im Hintergrund ein Bild mit August Reinhard. Foto: Wolfgang Gorsboth

31.07.2020

Verein nutzt Corona-Zeit für Aufbau eines Archivs und neue Vorhaben

Historische Erlebniswelt mit Handwerk zum Anfassen wieder offen

Gräfenhainichen (wg). „Wir haben keine Soforthilfen beantragt“, betont Roland Lück, Vorsitzender des Vereins Historische Bauschlosserei und Schmiedewerkstatt August Reinhard e.V., im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. „Unternehmen, Gewerbetreibende und Selbständige benötigen das Geld dringender als wir.“ Das Museum hat wieder von Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Für Schukinder und Familien gibt es auch in den Sommerferien spezielle Themenangebote wie ein Wäschetag um 1900, Einkaufen gestern und heute oder Leben, Spielen und Kochen um 1900. Für Führungen und Themenangebote wird um Anmeldung unter Tel.: 034953/22 477 oder Tel.: 0160/97 47 95 36 gebeten. 

In seinem Museum zeigt der Verein Puppen und eine Puppenstube, Kinderwagen, Schaukelpferd, Dreirad, circa 100 Jahre alte Kinderbücher, einen Puppen-Kaufmannsladen um 1900 sowie alte Gesellschaftsspiele, mit einigen davon spielte Vereinsgründerin Marianne Gölicke als Kind. Von ihr liegen im Kinderzimmer auch Aufsatzhefte aus, in denen sie über ihre Kindheit und die Einschulung berichtet. Gräfenhainicher Bürger haben Stabilbaukästen gespendet, ebenso bemalte Holztiere, mit denen Kinder einen Zoo oder Bauernhof bauen konnten. 

Auch die Historische Bauschlosserei hatte wegen des Corona-Lockdowns schließen müssen. Folge: Die Besucher blieben aus, ebenso Schulklassen, die hier interessante Projekttage erleben können, zudem musste der Verein den traditionellen Tag der offenen Tür am 1. Mai ebenso absagen wie die Teilnahme an der Kultur- und Erlebnisnacht Mitte März. „Damit sind natürlich erhebliche Einnahmeausfälle verbunden“, bestätigt Lück, „aber bei uns arbeiten alle im Ehrenamt, das spart Kosten, außerdem müssen wir keine Miete zahlen, denn das Haus gehört dem Verein.“ Allerdings müsse man wegen der Einnahmeausfälle einige teure Reparaturmaßnahmen zurückstellen. 

Doch die Ausbauarbeiten des Dachbodens können derzeit weiterlaufen: „Wir benötigen dringend Räume für ein Archiv“, erklärt Lück, „denn wir bekommen von Einheimischen sowie auswärtigen Museumsbesuchern auch mal Schenkungen, die erfasst, katalogisiert und angemessen gelagert werden müssen.“ Darunter befinden sich sogar Kuriositäten wie das „electromotorische Zahnhalsband“, das im Kolonialwarenladen in einer Vitrine zu sehen ist: Die Erfindung der Brüder Gehrig aus Berlin sollte Kleinkindern beim Zahnen helfen. Die Behörden warnten vor diesem Unfug und Österreich verbot den Import der völlig wirkungslosen schwarzen Samtbändchen. 

„Zur Zeit bereiten wir eine kleine Ausstellung zum Thema Tischbesen vor“, so Lück. Die knapp 40 Exemplare stammen aus der Zeit zwischen 1850 bis 1930 und dienten dazu, den gedeckten Tisch sauber zu halten, Brotbrösel und andere störende Reste während des Mahles zu entfernen.

„Außerdem haben wir mit den Vorbereitungen einer großen Sonderausstellung zum Thema Spielzeug begonnen, die wir 2023 aus Anlass des 100. Geburtstages von Marianne Gölicke zeigen wollen“, berichtet Lück. „Marianne Gölicke war die Tochter von August Reinhard und betrieb im Kolonialwarenladen ihres Vaters von 1950 bis 2000 ein Spielwarengeschäft.“ Für die Ausstellung sucht der Verein Spielzeug aller Art wie Puppen, Teddys, Kuscheltiere, Baukästen und Spielzeugeisenbahnen aus diesem Zeitraum. 

„Marianne Gölicke konnte zu DDR-Zeiten fast alles besorgen, was Kunden wünschten“, weiß Lück, „wie sie das schaffte, ist heute kaum nachvollziehbar, denn das Geschäft war rein privat und weder der staatlichen Handelsorganisation (HO) noch der ,Konsum’ genannten Konsumgenossenschaft angegliedert.“ 

Traditionspflege im Verein 

Marianne Gölicke hatte in 2008 mit Gleichgesinnten den Verein „Historische Bauschlosserei und Schmiedewerkstatt August Reinhard e.V.“ gegründet und testamentarisch verfügt, dass Haus, Grundstück und Inventar nach ihrem Tod Eigentum des Vereins werden. Bereits 2010 konnte der Kolonial- und Eisenwarenladen in seinem Zustand um 1900 wieder eröffnet werden. 

Nach und nach kamen weitere Bereiche dazu, die den Besuchern eine authentische Zeitreise durch die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Menschen an der Schwelle des 20. Jahrhunderts ermöglichen: Schlosserei, Wohnstube und Kinderzimmer, Schlachthaus, Schneider-, Schuhmacher- und Uhrmacherwerkstatt, die Küche sowie zahlreiche technische Geräte und Alltagsgegenstände. 

Hinweis:

 Für die geplante Spielzeug-Sonderausstellung sucht der Verein noch Spielzeug aus der Zeit von 1950 bis 2000, ob als Leihgabe oder auch geschenkt. Interessenten wenden sich an Roland Lück, Tel.: 0160/97 47 95 36 oder E-Mail: .





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