Prototyp eines neuen, komfortablen und ökologischen Tiny Houses vor dem Stahlgiganten „Medusa“ auf der Halbinsel Ferropolis. Foto: Wolfgang Gorsboth

Prototyp eines neuen, komfortablen und ökologischen Tiny Houses vor dem Stahlgiganten „Medusa“ auf der Halbinsel Ferropolis. Foto: Wolfgang Gorsboth

30.07.2020

Neue Formate für Ferropolis entwickeln: Campen zwischen Baggern

Gräfenhainichen (wg). 450.000 Euro fehlen der Stadt aus Eisen, wäre mit Blick auf die Corona-Pandemie das Insolvenzrecht nicht gelockert worden, hätte Ferropolis-Geschäftsführer Thieß Schröder die Anmeldung zur Insolvenz prüfen lassen müssen. „Wir können in diesem Jahr keine Großveranstaltungen durchführen, auch der traditionelle Bergmannstag im September muss ausfallen“, erklärt Schröder im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, „für uns sichern diese Veranstaltungen die Existenzgrundlage, deshalb haben wir ein großes Liquiditätsproblem.“

Aufgrund der Eigentümerstruktur – 84 Prozent Stadt Gräfenhainichen, 15 Prozent Blauwald GmbH, ein Prozent Privatperson – fällt Ferropolis durch sämtliche Corona-Förderprogramme des Landes und des Bundes, deren Hilfen entweder auf privatwirtschaftliche oder öffentliche Unternehmen ausgerichtet sind. „Wir haben einen kommunalen Eigentümer, wirtschaften aber wie ein privates Unternehmen“, sagt Schröder, „und fallen deshalb durch alle Förderraster. 

Bei Gesprächen in Magdeburg haben Schröder und Gräfenhainichens Bürgermeister Enrico Schilling (CDU) dem Finanz- und dem Kultusministerium den Ernst der Lage geschildert. „Das Problem ist erkannt worden, wir rechnen mit Finanzhilfen zur Überbrückung des Liquiditätsengpasses“, berichtet Bürgermeister Schilling, „wenn dann noch das Veranstaltungsjahr 2021 richtig rund läuft, wird die Ferropolis GmbH die Corona-Krise überstehen.“ Die finanzklamme Stadt allein könne für die Verluste nicht aufkommen, Ferropolis sei schließlich ein landesbedeutsamer Leuchtturm. 

Obwohl der Umsatz aus den Veranstaltungen fehlt, müssen die laufenden Kosten für die Stadt aus Eisen gedeckt, insbesondere muss in den Erhalt der Industriedenkmäler investiert werden. Deshalb werden alternative Einnahmequellen gesucht. „Nichts ist so beständig wie der Wandel und damit hat diese Region Erfahrung“, beschreibt Schröder die Transformation von Wald und Landwirtschaft über Braunkohletagebau bis hin zum europaweit etablierten Kultur- und Veranstaltungsstandort. Jetzt komme mit dem Virus ein weiterer und unvorhergesehener Wandel, der neue Ideen erfordere, „wobei Ferropolis schon immer ein Ort des Experimentierens war.“ 

Camping und Tiny Houses 

Mit Autokino und Autokonzerten hat die Ferropolis GmbH zwei neue Formate kreiert, die vom Publikum gut angenommen wurden. Mit Camping unter Baggern und in unmittelbarer Nähe zum Gremminer See soll nun ein zweites, zusätzliches Standbein zum Veranstaltungsgeschäft entwickelt werden. In Corona-Zeiten machen die Bundesbürger vermehrt Urlaub im eigenen Lande, im Vergleich zum Vorjahr sind 30 Prozent mehr Campingfahrzeuge zugelassen worden, Stellplätze werden knapp. 

Auch ohne Corona könnte sich Camping in Ferropolis dauerhaft bewähren: „See und Uferbereiche stehen kurz vor der Entlassung aus dem Bergrecht, es fehlt nur noch die Unterschrift“, erläutert der Geschäftsführer, „das heißt, wir können endlich mit der wassertouristischen Erschließung des Areals beginnen, sobald die sogenannte Gemeingebrauchsverfügung vorliegt.“ Und dann sei es auch außerhalb der Festival-Saison attraktiv, hier Urlaub zu machen. 

Derzeit stehen an drei Standorten auf dem Ferropolis-Gelände rund 100 Stellplätze für Camper zur Verfügung. 15 sogenannte Tiny-Houses hatte Ferropolis für besondere Festival-Besucher gekauft, sie sollen jetzt für Übernachtungen im Freiluftmuseum eingesetzt werden und eignen sich besonders für Radtouristen. 

Die Green Tiny Houses, eine Firma aus Elmshorn, präsentierte den Prototypen eines neuen Modells, das nicht nur viel Komfort auf engem Raum bietet, sondern auf Nachhaltigkeit setzt: Dank vieler innovativer Extras wie Astronautendusche und Verbrennungstoilette können Energie- und Wasserverbrauch auf ein Minimum reduziert werden – ganz im Sinne eines nachhaltigen und naturverbundenen Tourismus. 

„Tiny Houses spielen im naturnahen Tourismus bereits jetzt schon eine große Rolle und sind deshalb nicht nur für den Gremminer See, sondern für die gesamte Region interessant“, betont Schröder, denkbar seien auch schwimmende Varianten.




Video


Videos


Videos



FIW mbH & Co. KG, Wittenberger Sonntag/Freizeit Magazin, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: