20.07.2020

AWO-Haus „Albatros“ hat nach Corona-Pause wieder geöffnet

Wittenberg (wg). „Die Corona-Pandemie und die zu ihrer Eindämmung erforderlichen Maßnahmen waren für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund nicht förderlich“, erklärt Corinna Reinecke, Geschäftsführerin des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt (AWO), im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Sprachkurse fielen aus und soziale Kontakte mussten stark eingeschränkt werden. Auch das AWO-Haus „Albatros“ in der Lerchenbergstraße 67 hatte Mitte März schließen müssen. 

„Diese Zeit war für alle Beteiligten sehr schwierig“, resümiert Einrichtungsleiter Frank Flemming, „Beratung am Telefon kann oft nicht das persönliche Gespräch ersetzen.“ Vom Lockdown seien aber auch alle Gruppenangebote betroffen gewesen, die durch das gemeinsame Erleben dazu beitrügen, Barrieren abzubauen. 

Nach der langen Corona-Zwangspause hat das Haus „Albatros“ wieder geöffnet, an die Corona-Regeln mit Hände waschen/desinfizieren und Abstand halten haben sich Besucher und Mitarbeiter inzwischen gewöhnt. Alle Angebote stehen wieder zur Verfügung – vom Jugendmigrationsdienst und der Ausländerberatungsstelle über das Kinder- und Jugendhaus, der Seniorenbegegnungsstätte und den Hilfen zur Erziehung bis hin zu den Integrations- und Patenprojekten. 

„Im Haus ‚Albatros’ ist alles unter einem Dach, sowohl bei den Beratungsleistungen als auch bei den lebenspraktischen Hilfen können wir auf unsere eigenen Angebote zurückgreifen“, betont Reinecke. Durch diese Konzentration hätten sich gut funktionierende Netzwerke gebildet, die nicht nur im Neubau-Quartier, sondern in der gesamten Stadt und im Landkreis funktionierten. Im Laufe der Jahre habe sich aus den verschiedenen Diensten ein großes Team gebildet, das gemeinsam arbeite, Räume für Begegnungen schaffe und gezielt die Integration vor Ort unterstütze. 

Bei allen Aktivitäten im Haus „Albatros“ ist die gemeinsame Sprache Deutsch. „Wir achten darauf, dass sich die verschiedenen Nationalitäten sowie die Generationen mischen, so entstehen Kontakte und oft auch Freundschaften“, berichtet Flemming. Vor allem Kinder hätten kein Problem, miteinander zu kommunizieren, selbst wenn sie die deutsche Sprache noch nicht vollständig beherrschten. „Sprache ist der erste Schritt zur Integration“, so Flemming, „unsere Sprachkurse finden wieder statt, Anmeldungen sind noch möglich.“ 

Paten gesucht 

Auch die neun Familienpaten sind wieder voll im Einsatz, sie decken aber nicht den Bedarf. „Wir suchen deshalb dringend Interessierte, die sich als Paten engagieren wollen“, erklärt Jessica Nunez-Calzada, Koordinatorin der Netzwerkstelle, die die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe im Landkreis koordiniert und berät. Die Paten sollten mindestens zweimal in der Woche Zeit für eine Familie haben. Unterstützung wird vielfältig benötigt, ob bei Behördengängen, Arztbesuchen oder beim Spracherwerb, auch Zeit für gemeinsame Unternehmungen sollte vorhanden sein. 

„Es hat sich gezeigt, dass Geflüchtete, die von Paten betreut werden, viel schneller Deutsch lernen und sich besser aufgenommen fühlen“, erläutert Nunez-Calzada. Die Paten übernähmen eine Brückenfunktion zwischen den Geflüchteten und dem gesellschaftlichen Umfeld. Im Rhythmus von zwei Monaten lädt die Koordinatorin alle Paten zum Erfahrungsaustausch ein und organisiert Weiterbildungsangebote für die Ehrenamtlichen. Voraussetzungen, die ein Pate mitbringen sollte: Freude am Kontakt mit Kindern und Eltern, Zuverlässigkeit sowie offener Umgang mit anderen Lebenswelten und Kulturen. Wer Interesse hat, meldet sich bei Jessica Nunez-Calzada, Tel.: 0162/138 64 33, E-Mail:

Haus der Begegnung 

Wieder gestartet sind die Angebote der Bildungspaten: Die Krabbelgruppe mit Ramona Dorn trifft sich dienstags und donnerstags ab 10 Uhr, die Frauengruppe mit Sunny dienstags um 15.30 Uhr und der Sprachtreff mit Mostafa Alaswad mittwochs und freitags um 15.30 Uhr. Die Hausaugabenhilfe mit Stefanie Schubert bietet jeden Mittwoch und Freitag ab 15.30 Uhr Kindern eine intensive Einzelbetreuung, hier wird um Anmeldung unter Tel.: 03491/877 10 84 gebeten. 

Alle Angebote stehen grundsätzlich auch interessierten Deutschen, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, offen: In der Frauengruppe wird gemeinsam gekocht, werden Ausflüge unternommen und neuerdings auch gemeinsam gehäkelt. „Es gibt in dieser Gruppe viele gegenseitige Begegnungen und einen intensiven Austausch der Kulturen“, freut sich Flemming, „ganz im Sinne unseres Ansatzes, dass das Haus ‚Albatros’ ein Haus der Begegnung für Alle ist.“ 

Coronabedingt wurde das „Fest der Begegnung“ in diesem Jahr abgesagt, an der „Interkulturellen Woche“ im September wird sich das Haus „Albatros“ mit Veranstaltungen insbesondere für Jugendliche beteiligen. 

Weiterbildung 

Die AWO-Netzwerkstelle bietet allen in der Flüchtlingshilfe tätigen Ehrenamtlichen am 10. August von 10 bis 13 Uhr eine Weiterbildung zum Thema „Ehrenamtliche Begleitung von Kindern und Erwachsenen mit Trauma-/Fluchterfahrungen“ an. Das Impulsreferat hält Diplom-Psychologe Uwe Kreusel vom Psychosozialen Zentrum für Migranten Sachsen-Anhalt. Wegen der begrenzten Platzkapazität ist eine Anmeldung unter Tel.: 0162/138 64 33, E-Mail: , erforderlich. 

Hinweis 

Wegen der kleinen Wartezimmer werden Interessierte, die die Beratungsdienste im Haus „Albatros“ in Anspruch nehmen wollen, um Anmeldung unter Tel.: 03491/877 10 84 oder E-Mail: gebeten.




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