Bild: Arne Jysch vor Szenen seiner Graphic Novel „Der nasse Fisch“. Foto: Wolfgang Gorsboth

Bild: Arne Jysch vor Szenen seiner Graphic Novel „Der nasse Fisch“. Foto: Wolfgang Gorsboth

06.07.2020

Szenen aus der Graphic Novel „Der nasse Fisch“ von Arne Jysch

„Babylon Berlin“ in der Cranach-Stiftung

Wittenberg (wg). „Babylon Berlin“ ist der Titel der ersten Ausstellung, die die Cranach-Stiftung nach der langen Corona-Pause in ihren Räumlichkeiten am Markt 4 bis zum 27. September zeigt. Zu sehen sind Blätter aus der Graphic Novel „Der nasse Fisch“ von Arne Jysch nach dem Roman von Volker Kutscher, der zudem als Kriminal-Fernsehserie verfilmt wurde. 

Die vermeintlich „Goldenen 1920er Jahre“ waren vor allem eine Zeit des Umbruchs, besonders glamourös war sie in Berlin, der Hauptstadt der jungen Republik. Und in diese Metropole wird der junge Kommissar Gereon Rath versetzt, seine Ermittlungen führen ihn in einen Sumpf aus Drogen, Korruption, Nachtclubs und der politischen Extreme, aber auch der modernen Kunst – in das Babylon Berlin. 

Ein halbes Jahr vor der Erstausstrahlung ist Jyschs Graphic Novel im März 2017 erschienen. „Obwohl ich erhebliche Veränderungen vorgenommen habe, ist dieser Comic werktreuer als die Fernsehserie“, erklärt Jysch. Die Straffung der Handlung erfolgte behutsam und durchdacht und fand ebenso wie die detailreichen Bilder die Zustimmung des Romanautors, denn in ihrer Genauigkeit entsprechen sie den präzisen Beschreibungen Kutschers. Die stilistische Beschränkung auf das Schwarzweiß-Format erweist sich als wirkungsvoller Kontrast zum dekadenten Berlin der 1920er Jahre. 

Jysch erzählt die Geschichte nicht mehr multiperspektivisch wie im Roman, sondern aus der Sicht eines Ich-Erzählers, um schneller und direkter Informationen zu vermitteln, die im Roman mehrere Seiten in Anspruch nehmen: „In Bildern kann ich anders erzählen als im Text. Dabei konzentriere ich mich vor allem auf das Handeln der Hauptfigur, auf den klassischen Krimiplot und auf die politischen Ereignisse.“ In den Bildern lässt er die 1920er Jahre lebendig werden, indem die Figuren in Physiognomie, Körperhaltung, Frisuren und Kleidung so authentisch wie möglich gestaltet wurden, dabei hat sich der Künstler vor allem an Fotos orientiert. 

Die Ausstellung zeigt Szenen aus dem Buch wie dem Blutmai von 1929, auch das Original-Blatt des Buchcovers ist zu sehen mit der Hauptfigur Gereon Rath und der „Roten Burg“, dem Polizeihautquartier in Berlin-Mitte, im Hintergrund, die es längst nicht mehr gibt. Der Betrachter kann mit Hilfe von mehreren Blättern nachvollziehen, wie aus einer Idee erste Skizzen und nach einem langen Arbeitsprozess fertige Bilder entstehen.

Arne Jysch hat mit dem ersten Band der erfolgreichen Krimi-Serie um den Berliner Kommissar Gereon Rath von Volker Kutscher nicht nur einen der bekannteste deutschen Krimis in Bilder gesetzt, sondern auch eine der erfolgreichsten deutschen Graphic Novels geschaffen. Bislang hatte Jysch, der 1973 in Bremen geboren wurde und als Storyboardzeichner, Illustrator und Gastdozent für Filmsprache an der Filmuniversität Babelsberg arbeitet, nur einen größeren Comic 2012 veröffentlicht, der unter dem Titel „Wave and Smile“ die Geschichte eines Bundeswehrsoldaten in Afghanistan erzählt, also von der unmittelbaren Gegenwart handelt. 

„Der nasse Fisch“ spielt aber 1929 und damit Besucher der Ausstellung in diese Zeit eintauchen können, hat Kuratorin Dr. Marlies Schmidt die Zeichnungen von Jysch ergänzt um Originalgraphiken aus der Sammlung des Wittenbergers Gerd Gruber: Zu sehen sind etwa „Berliner Straßenkämpfe“ (Lithografie 1919) des Pressezeichners Fritz Wolf, „Straßenszene“ (Aquarell 1932) von Bruno Voigt oder „Narretei im Fantastischen Kabinett“ (Mischtechnik 1930) von Fritz Nolde. 

Mode wie Abendkleider und Seidenschal, Schmuck, Puderdose und Düfte der damaligen Zeit wie Chanel No 5 und Shalimar sowie Autogrammkarten damaliger (Stummfilm-)Stars wie Marlene Dietrich, Pola Negri und Asta Nielsen aus dem Atelier und Stiftung August Ohm in Hamburg runden die Ausstellung ab. Arne Jysch findet dieses Konzept stimmig, weil es die Intention seiner Graphic Novel aufgreift, ein authentisches Sittengemälde des damaligen Berlins zu zeichnen. 

Hinweis 

Öffentliche Ausstellungsrundgänge finden am 24. Juli und am 14. August, jeweils um 16.30 Uhr, sowie am 5. September um 14 Uhr statt. Treffpunkt ist im Cranach-Hof, Markt 4, an der Kasse.





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