04.07.2020

Wittenberger Sonntag liest die Neue Osnabrücker Zeitung

Missbrauchsbeauftragter Johannes-Wilhelm Rörig: Kampf gegen Kindesmissbrauch zur Chefsache machen

Osnabrück (ots). Der unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, wirft den Landesregierungen schwere Versäumnisse vor und drängt sie, den Kampf gegen den sexuellen Kindesmissbrauch zur Chefsache zu machen. Rörig lobte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) das Reformpaket der Bundesregierung, das unter anderem Strafverschärfungen vorsieht. Zugleich kritisierte er, dass die Politik immer erst Fälle brauche, die zu Skandalen würden, um Konsequenzen zu ziehen. Verwundert und verärgert zeigte er sich zudem darüber, "dass neben Nordrhein-Westfalen nicht alle anderen Bundesländer aktiver geworden sind nach den Fällen in Staufen, Bergisch Gladbach, Lügde und Münster". 

Der Beauftragte der Bundesregierung appellierte an alle Länder, "dass sie endlich eine ordentliche Defizit- und Bestandsanalyse machen" - und zwar bezogen auf alle Ämter, die dem Kindeswohl dienen: Jugendämter, Ermittlungsbehörden, Justiz und Gerichte. "Wir müssen wissen: Wie ist die Arbeitsbelastung? Fehlt Personal? Ist Raum für kritische Reflexion im Team? Wie ist der Qualifizierungsstand?" 

Bisher, so Rörig, erlebe er da eine ärgerliche und fatale Sturheit der Landesregierungen. "Das regt mich richtig auf. Man darf die Dinge nicht einfach so laufen lassen und nur hoffen, dass das eigene Bundesland nicht von einem Skandalfall betroffen ist. Ich finde das unverantwortlich." 

Selbstverständlich wüssten die Länder auch, dass es ein großes Dunkelfeld gebe, das viel, viel größer sei als das Hellfeld, also die angezeigten Fälle. "Es geht folglich um das Schicksal von vielen Tausend Jungen und Mädchen", sagte Rörig der "NOZ". Er forderte: "Ihr Wohl zu schützen, muss sich jedes Land auf die Fahnen schreiben. Und der Schutz der Kinder muss Chefsache werden. Jeder Landesvater und auch jede Regierungschefin muss ehrlich sagen können: Ich tue wirklich in jeder Hinsicht das Maximum, um meine Landeskinder bestmöglich vor sexueller Gewalt zu schützen." 

Das Reformpaket, das Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) vorgelegt hat, bezeichnete Rörig dagegen als sehr beeindruckend. "Viele unserer Forderungen finden sich darin wieder - zum Beispiel, dass sexueller Kindesmissbrauch kein Vergehen ist, sondern ein Verbrechen." Ihn freue auch, dass die Regierung sich nicht aufs Strafrecht beschränke, "sondern das Gesamtbild vor Augen hat, also auch die Prävention, das notwendige Zusammenspiel von Jugendämtern, Ermittlungsbehörden und Familiengerichten, Landesmissbrauchsbeauftragte und vieles mehr".




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