David Begrich von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus des Miteinander e.V. Madgeburg. Foto: Verein Miteinander e.V.

David Begrich von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus des Miteinander e.V. Madgeburg. Foto: Verein Miteinander e.V.

13.06.2020

AfD-Hardliner Tillmann soll in Jessen auftreten

Bündnis „Wittenberg Weltoffen“ kritisiert AfD-Kreisverband

Wittenberg/Jessen (wg). Via Facebook lädt der AfD-Kreisverband am 13. Juni zu einer Kundgebung zum Thema „Der Lockdown und seine wirtschaftlichen Auswirkungen“ auf dem Jessener Marktplatz ein, auf der langen Rednerliste steht auch AfD-Hardliner Hans-Thomas Tillschneider, der vom Bundesamt für Verfassungsschutz überwacht wird. Scharfe Kritik übt das Bündnis „Wittenberg Weltoffen“. 

Der AfD-Kreisverband, der sich gemäßigt gebe, lasse mit der Einladung an Tillschneider seine „gutbürgerliche Maske" fallen, meint das Bündnis, „Menschen, die sich der Kundgebung anzuschließen, sollten sich bewusst sein, dass sie einem Rechtsextremisten Gehör schenken". 

„Tillschneider ist einer der Hauptprotagonisten des ‚Flügels’ in der AfD, er hatte sein Abgeordnetenbüro im Haus der Identitären Bewegung in Halle und er ist im rechtsintellektuellen Milieu bestens vernetzt“, erklärt David Begrich, der Theologe, Sozialwissenschaftler und Autor arbeitet seit 1999 in der Arbeitsstelle Rechtsextremismus des Miteinander e.V. in Magdeburg, „Tillschneider lässt in seinen Reden jedes Maß und jede Mitte vermissen und ist kein national-konservativer Politiker, sondern ein völkisch-nationalistischer Ideologe“. 

Das Bundesamt für Verfassungsschutz, das die AfD insgesamt zu einem „Prüffall“ erklärt hat, widmet in dem mehr als 430 Seiten umfassenden Gutachten dem Abgeordneten Tillschneider ein eigenes Unterkapitel. In diesem wird ihm eine „offenkundige Nähe zur Identitären Bewegung“ bescheinigt, auch seien „weitere Berührungspunkte in das neurechte oder auch rechtsextremistische Spektrum festzustellen.“ Der „Flügel“, der von Tillschneider mitgegründet wurde, wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz wegen seiner „erwiesen extremistischen Bestrebung“ sogar als „Verdachtsfall“ eingestuft. Außerdem war er Berater der islamfeindlichen Leipziger „Legida“-Bewegung, die in der Vergangenheit deutlich radikaler auftrat als ihr Dresdner Vorbild. 

Ob im Landtag, auf Marktplätzen oder in Bierzelten, Tillschneider fällt immer wieder durch Reden auf, die diffamierend, menschenverachtend und rechtsextremistisch sind, ein Beispiel aus dem Verfassungsschutz-Gutachten: „In Westeuropa, in unseren kranken Gesellschaften, kann er (der Islam) sich einnisten, kann seine Parallelgesellschaften bilden, die wie ein Baumpilz am Stamm der deutschen Eiche wuchern, und damit ist der Islam letzten Endes doch nichts anderes als ein Symptom unserer eigenen Schwäche.“ 

Die Kundgebung in Jessen bezeichnet Begrich als „Vorwahlkampf“. Während der Corona-Krise habe die Partei lange gebraucht, um eine Linie zu finden: „Anfangs ging es der AfD mit dem Lockdown nicht schnell genug, dann wurde der rasche Ausstieg gefordert.“ Absicht der Kundgebung sei es, gezielt jene anzusprechen, die mit den Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus unzufrieden seien und zu demonstrieren, nur die AfD kümmere sich ums Volk. 

Das Bündnis „Wittenberg Weltoffen“ wirft in seiner Erklärung Tillschneider vor, dass er auch Gründer und Vorsitzender des deutschnationalen Vereins „Patriotische Plattform“ gewesen sei und er für das „Institut für Staatspolitik“ publiziere, dem ideologischen Zentrum der Neuen Rechten, das vom Verfassungsschutz ebenfalls als „Verdachtsfall“ beobachtet werde. 

Das Bündnis kritisiert den AfD-Kreisverband für die Einladung, dies komme einem klaren Bekenntnis für den „Flügel“ gleich. Menschen, die derart rechtsextremistische Positionen verträten, dürften nicht auf dem Jessener Marktplatz in die „Mitte der Gesellschaft“ rücken.




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