Rainer Gohde hatte eine Vorliebe für historische Persönlichkeiten, die er meist mit viel Humor spielte - wie in dieser Szene den Lucas Cranach, der die Luther-Figur von Ottmar Hörl bepinselt. Foto: Archiv

Rainer Gohde hatte eine Vorliebe für historische Persönlichkeiten, die er meist mit viel Humor spielte - wie in dieser Szene den Lucas Cranach, der die Luther-Figur von Ottmar Hörl bepinselt. Foto: Archiv

29.05.2020

In 55 bewegten Bühnenjahren hat er zahlreiche Rollen verkörpert

Der Kurtheatergründer Rainer Gohde ist tot

Bad Schmiedeberg/Berlin (wg). Am 9. April ist Rainer Gohde in Berlin im Alter von 72 Jahren einem Krebsleiden erlegen, diese traurige Nachricht erreichte die Redaktion des Wittenberger Sonntag in den schwierigen Corona-Zeiten erst jetzt. Der in der Region bekannte und beliebte Schauspieler und Regisseur gründete im März 2001 zusammen mit seiner Lebensgefährtin Ilona Knobbe das Kurtheater Bad Schmiedeberg. „Es war das erste Kurtheater in den neuen Bundesländern, das sich in fast 20 Jahren auch aufgrund seiner vielen Gastspiele in der gesamten Bundesrepublik zu einem wichtigen Werbeträger für die Kurstadt und den Landkreis Wittenberg entwickelt hat“, erklärt Kurdirektor Deddo Lehmann. 

In 55 bewegten Bühnenjahren war Gohde in mehr als 180 Theaterrollen und 40 Filmen zu erleben, er verkörperte markante Figuren, geprägt von Vitalität und Persönlichkeitstiefe. Simone von Ziklidzky, Walter Plathe, Götz George, Harald Juhnke und Günther Pfitzmann waren seine prominenten Filmpartner. In mehr als 200 Stücken führte er Regie, machte Hörspiele und arbeitete als Dozent für Schauspiel. 

Erste Schritte als Schauspieler unternahm der gebürtige Potsdamer 1965 auf der Freilichtbühne in Radebeul als „Wildtöter“, doch die Bühnenkarriere war ihm keineswegs in die Wiege gelegt worden, denn Gohde studierte zunächst Chemie an der TU Dresden. Durch das Amateurtheater animiert, studierte er ab 1975 Schauspiel an der Ernst-Busch-Hochschule in Berlin: Mit seinen damals 27 Jahren hatte er das Immatrikulationsalter bereits überschritten, aber aufgrund seiner besonderen Begabung wurde eine Ausnahme gemacht. 

Über die Bühnen in Freiberg, Quedlinburg und Frankfurt/Oder kam Gohde 1991 an das Mitteldeutsche Landestheater in Wittenberg, wo er sich vor allem als Regisseur zeitkritischer Jugendstücke einen Namen machte – bis das Theater geschlossen wurde. Bereits im Frühjahr 2000 gründete er mit Ilona Knobbe und dem bekannten Berliner Volksschauspieler Jürgen Hilbrecht die Theatergesellschaft Dübener Heide und im März 2001 hatte das Kurtheater mit dem Monolog von Peter Hacks „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ im Festsaal des Kurhauses seine erste Inszenierung – mit Knobbe in der Rolle der Frau von Stein, die Regie führte Gohde. 

In fast 20 Jahren folgten zahlreiche weitere Inszenierungen, die Palette reichte von Kabarett über Chanson bis zum Lesetheater, dazu kamen immer wieder Inszenierungen mit Laiendarstellern, die in der Theatergesellschaft Dübener Heide zusammen gefunden hatten, darunter das Schauspiel „Blütenträume“ von Lutz Hübner. Zu den erfolgreichsten Repertoirestücken gehörte „Irren ist menschlich“, das unzähligen Kurgästen Zerstreuung und heitere Unterhaltung bot, frei nach dem Kurmotto „Lach mal wieder, denn Lachen ist gesund.“

Gohdes Wirken beschränkte sich keineswegs nur auf die Kurstadt, in Wittenberg war er Mitinitiator der „Nacht der Sinne“ 2004 und 2005, er choreographierte den historischen Festumzug zum Stadtfest „Luthers Hochzeit“, er rief verschiedene Schultheaterprojekte ins Leben, tourte ab 2005 mit der „Rollenden Räuberbühne“ durch die Lande und er entwickelte den „Kursächsischen Bilderogen“ als neues Format, um regionale Geschichte in der unterhaltsamen Form einer Revue dem Publikum zu vermitteln. 

Nicht alle Pläne sind in Erfüllung gegangen: Das ehrgeizige Vorhaben, ein Michael Kohlhase-Spektakel in der Dübener Heide mit eigener Naturbühne zu etablieren nach dem Vorbild der Störtebeker-Festspiele auf Rügen, scheiterte am Geld. Dafür hatte sich das Kurtheater um so besser entwickelt: Mindestens einmal im Monat gab es eine Premiere und im Schnitt 60 Aufführungen im Jahr, wobei der Festsaal ebenso bespielt wurde wie der Salon Hauswald, der Kurpark und ab 2015 der restaurierte Pavillon des Kurhauses.





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