Stiftungsdirektor Dr. Stefan Rhein mit Luthers Hund: „Tölpel hat sich zu einer Imagefigur entwickelt, die für das junge Wittenberg steht.“ Foto: Wolfgang Gorsboth

Stiftungsdirektor Dr. Stefan Rhein mit Luthers Hund: „Tölpel hat sich zu einer Imagefigur entwickelt, die für das junge Wittenberg steht.“ Foto: Wolfgang Gorsboth

24.04.2020

Stiftung arbeitet in der Zwangspause an der Substanz für die Zukunft

Trotz Corona: Frischer Wind in den Luthergedenkstätten

Wittenberg (wg). Alle Museen der Stiftung Luthergedenkstätten mussten wegen der Corona-Pandemie schließen. „Wir nutzen diese Zwangspause, um uns Substanz für die Zukunft zu erarbeiten“, erklärt Stiftungsdirektor Dr. Stefan Rhein im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Für Aufbruchstimmung sorge die bereits vor der Krise begonnene Umstrukturierung und zwei neue Museumsleiterinnen: In Wittenberg ist Dr. Ruth Slenczka für das Luther- und Melanchthonhaus zuständig, in Eisleben und Mansfeld Dr. Ulrike Wendt-Sellin für drei Museen.

Verwaltungsdirektorin Astrid Mühlmann berichtet, die Stiftung konzentrierte sich bisher auf ihre historischen Gebäude: „Es gab eine 20-jährige Bauphase und eine zehnjährige Lutherdekade, darauf war die bisherige Stiftungsorganisation ausgerichtet.“ Diese passe nicht mehr zum musealen Leben, außerdem hätten die Museen unterschiedliche Besucherstrukturen und Profile, die es zu schärfen gelte. 

Dr. Rhein weist auf die größten Zukunftsaufgaben des Lutherhaus hin: die energetische Sanierung, die Konzeption einer neuen Dauerausstellung sowie der Umzug des umfangreichen Depots vom Lutherhaus ins Augusteum. Ein Problem:„Leider haben wir noch keine Planungssicherheit und können deshalb fundierten Prognosen noch nicht abgeben, aber an unserem Fernziel, im dann sanierten Lutherhaus die neue Dauerausstellung im Frühjahr 2024 zu eröffnen, halten wir fest.“ Das als Unesco-Welterbe geadelte Lutherhaus werde dann für die Öffentlichkeit vollständig zugänglich sein, „als letzte Etappe eines langen und herausfordernden Weges“, ergänzt der Stiftungsdirektor. 

Weniger Exponate, mehr Vermittlung 

Dr. Ruth Slenczka kündigt eine Reduktion der Exponate für die neue Dauerausstellung an, gleichzeitig solle die Vermittlung von Reformationsgeschichte forciert werden: „Wir bleiben weltweit das zentrale Luther-Museum und die erste Adresse für bildungsbürgerliche Touristen und Wissenschaftler, wir wollen aber als modernes Haus zusätzliche Besuchergruppen ansprechen und Menschen ohne große Vorkenntnisse erreichen.“ 

Eine besondere Zielgruppe seien Kinder und Jugendliche, damit nehme die Stiftung ihren Bildungsauftrag als außerschulischer Lernort wahr. „Es wird erstmals eine Mitmachausstellung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren integriert“, so Slenczka. 

 Luthers Hund Tölpel gehöre dazu, ergänzt Dr. Rhein: „Tölpel war Teil von Luthers Leben und ist es heute von Wittenberg, dieser Hund hat sich mit seinem tintenblauen Fell zur Identifikationsfigur entwickelt.“ 

Die Mitarbeiter planen bereits neue Tagungen zu Themen wie die Wittenberger Unruhen, der Bibeldruck sowie Kirche und Staat im Protestantismus. Außerdem werde der Umzug des Depots vorbereitet sowie Inventarisierungs- und Revisionsarbeiten geleistet. Wegen der Corona-Pandemie sind Zweierteams gebildet worden, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Die Mitarbeiterinnen im Besucherservice sind nicht auf Kurzarbeit gesetzt, sondern in die anstehenden Arbeiten eingebunden worden. 

Die Stiftung hat ihre Website relounched und setzt die traditionsreiche Vortragsreihe „Luther 2020“ erstmals live auf Facebook fort, zusätzliche digitale Angebote sind in Vorbereitung. 

Touristisch ist 2020 gelaufen 

Zu den Aufgaben der Verwaltungsdirektorin Astrid Mühlmann gehört auch, den im Hause bereits keimenden Optimismus ein wenig zu dämpfen: „Trotz der institutionellen Förderung durch Bund und Land müssen wir als Folge der coronabedingten Schließungen bei den Eigeneinnahmen dramatische Ausfälle hinnehmen.“ April und Mai seien stets die besucherstärksten Monate gewesen.“ Hinzu komme im weiteren Verlauf des Jahres eine eher negative Entwicklung im Tourismus: „Die Touristiker meinen, das Jahr 2020 sei abzuschreiben.“ Und weil die Festspiele in Oberammergau und in Bayreuth bereits abgesagt sind, würden auch Touristen aus den USA und Südkorea fehlen, die solche Events in der Vergangenheit mit dem Luthertourismus verbanden.

Positiv: „Die Welterbe-Card des Tourismusverbandes Welterberegion Anhalt-Dessau-Wittenberg ist ein Erfolg und auch die Dachmarke ‚Luther-Bauhaus-Gartenreich’ hat wegen ihrer Vielfalt enormes Potenzial“, betont Dr. Rhein. Wenn nach der Corona-Krise der Tourismus langsam wieder in Gang komme, werde Wittenberg davon profitieren, dass die Landesregierung die Unesco-Welterbestätten als Leuchttürme stärker für die Image-Werbung nutzen wolle: „Das Welterbe als ein Highlight in Sachsen-Anhalt wird uns Rückenwind geben.“ 

Hinweis:  

Den Bestimmungen von Bund und Ländern folgend sowie um die Besucher und Mitarbeiter vor der Ausbreitung des Coronavirus zu schützen, bleiben die Museen der Stiftung Luthergedenkstätten in Wittenberg, Eisleben und Mansfeld vorerst bis einschließlich dem 3. Mai geschlossen. Dennoch ist die Stiftung weiterhin für ihre Besucher da: Auf den digitalen Plattformen stehen Informationen über Angebote für Groß und Klein zur Verfügung.




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