Landrat Jürgen Dannenberg (Linke) appelliert an alle Bürgerinnen und Bürger, auch weiterhin Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten.Foto: Wolfgang Gorsboth

Landrat Jürgen Dannenberg (Linke) appelliert an alle Bürgerinnen und Bürger, auch weiterhin Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten.Foto: Wolfgang Gorsboth

17.04.2020

Landrat Jürgen Dannenberg verkündete erste Lockerungen

Corona: Seit zwei Tagen keine Neuinfektionen im Landkreis

Wittenberg (wg). „Seit zwei Tagen haben wir keine Neuinfektionen mit dem Coronavirus im Landkreis Wittenberg“, erklärte Landrat Jürgen Dannenberg (Linke) im Krisenzentrum in Wittenberg West, „vor allem die Entscheidung, die Ortsteile Jessen und Schweinitz unter Quarantäne zu stellen und diese nicht vorzeitig aufzuheben, hat sich als richtig erwiesen.“

Seit Ostern habe es nur sechs neue Infektionsfälle gegeben, bestätigte Susanne Göbel, stellvertretende Amtsärztin. Von den aktuell 146 Infizierten (Stand: 17. April, 14.30 Uhr) stammen 58 aus der Stadt Jessen, die damit immer noch einen Infektionsschwerpunkt darstellt. „Bei einem Bewohner aus dem Jessener Pflegeheim, der aus dem Krankenhaus Paul-Gerhardt-Stift entlassen werden sollte, wurde beim zweiten Test ein positives Ergebnis festgestellt“, berichtete Göbel, „daraufhin wurde alle 26 Personen aus diesem Wohnbereich ebenfalls getestet, die Ergebnisse sind negativ.“ 

Man werde das gesamte Personal des Pflegeheimes auf das Coronavirus testen und je nach Ergebnis dann auch weitere Wohnbereiche. „Zusätzlich werden wir ab sofort besonders gefährdete Risikogruppen in allen Pflegeheimen testen“, kündigte Göbel an, dies betreffe vor allem Dialyse-Patienten und Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen oder mussten. Göbel dankte dem Augustinuswerk, welches das Jessener Pflegeheim mit zwei Mitarbeitern unterstützt. 

Deutschlandweit ist nach Auskunft des Robert-Koch-Instituts die Ansteckungsrate auf 0,7 pro Infiziertem gesunken, in Wittenberg liegt sie seit zwei Tagen bei null Prozent: „Es ist uns gelungen, bei positiv getesteten Patienten nahezu nahtlos alle Kontaktpersonen zu ermitteln“, freute sich die Amtsärztin, „und dadurch die Infektionsketten sehr kurz zu halten.“ In Jessen und Schweinitz sei dies anfänglich nicht gelungen. Das Gesundheitsamt könne mit Unterstützung von Mitarbeitern aus der Kreisverwaltung binnen eines Tages mehr als 100 potenzielle Kontaktpersonen ermitteln und befragen, dazu seien zur Zeit 16 „Ermittler“ tätig. 

Landrat Dannenberg benannte auch Veränderungen, die sich aus der neuen vierten Verordnung des Landes Sachsen-Anhalt zur Eindämmung des Corona-Virus ergeben, die am Montag, dem 20. April, in Kraft tritt. So dürfen ab Montag alle Ladengeschäfte mit bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche unter Auflagen öffnen. 

„Bei der Quadratmeterzahl sind die Angaben im Bauantrag entscheidend, selbsttätig vorgenommene Verkleinerungen werden nicht akzeptiert“, betonte der Landrat. Man habe die Ordnungsämter aller neun Städte um Amtshilfe bei Kontrollen gebeten, diese würden auch darauf achten, ob alle Maßnahmen zum Schutz der Verkäuferinnen eingehalten würden. Kundinnen und Kunden werde empfohlen, eine Maske zu tragen, eine Maskenpflicht gebe es nicht. 

„Schülerinnen und Schüler, die ab Donnerstag, dem 23. April, wieder in die Schule dürfen, sollten im Schulbus unbedingt eine Maske tragen“, appellierte der Landrat. Als erstes startet die Beschulung für die Abschlussklassen der Gymnasien, Sekundarschulen, Berufsbildenden Schulen sowie Schulen für Behinderte. Ab dem 4. Mai, so Dannenberg, könnten auch die neunten und elften Klassen der allgemeinbildenden Schulen sowie weitere Klassen an den Berufsschulen wieder mit dem Unterricht beginnen. 

Während Kitas und Grundschulen geschlossen bleiben, wurde die Notbetreuung für Kinder bis 12 Jahren ausgeweitet: Zu den systemrelevanten Personen zählen ab sofort auch all jene Verkäuferinnen und Verkäufer, die nicht im Lebensmittelhandel arbeiten sowie alle Lehrerinnen und Lehrer. 

Entsprechende Formulare können auf der Homepage des Landkreises abgerufen werden. Ab Donnerstag gilt im ÖPNV wieder der normale Schülerverkehrsfahrplan. „Es werden wegen der Notbetreuung auch wieder die Grundschulen angefahren, für die bis dato der Anrufbus bestellt werden musste“, so Dannenberg. 

Alle Maßnahmen zur Kontaktminimierung sowie die Abstandsregelungen gelten auch für den Schulunterricht, Hygienepläne des Landes liegen den Schulleitungen vor. Der Fachdienst Jugend und Schule des Landkreises stellt den Schulen zusätzliche Reinigungs- und Desinfektionsmittel zur Verfügung. Ebenso wurden Ärzte, Zahnärzte, Pflegedienste und einige Feuerwehren erneut mit Schutzausrüstungen beliefert. 

„Die Entwicklung in den Nachbarkreisen Nordsachsen und Potsdam-Mittelmark bereitet uns Sorgen“, erklärten Dannenberg und Göbel. Dort hätten die Infektionszahlen zugenommen: „Wir appellieren deshalb dringend an alle Ein- und Auspendler, auf die Einhaltung der Schutzmaßnahmen in den Betrieben zu achten!“ Die Mehrzahl der sechs Personen, die sich seit Ostern neu mit dem Coronavirus infiziert hätten, habe sich in Nordsachsen angesteckt.





Videos


Videos Kultur



FIW mbH & Co. KG, Wittenberger Sonntag/Freizeit Magazin, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: