Sie kämpfen sich mit ihren Mitarbeiterinnen durch die Corona-Krise: Torina Thomas (r.), Pflegedienstleiterin ambulante Pflege und Britta Lange, Pflegedienstleiterin Tagespflege. Foto: Wolfgang Gorsboth

Sie kämpfen sich mit ihren Mitarbeiterinnen durch die Corona-Krise: Torina Thomas (r.), Pflegedienstleiterin ambulante Pflege und Britta Lange, Pflegedienstleiterin Tagespflege. Foto: Wolfgang Gorsboth

17.04.2020

Angehörige akzeptieren den Besuchsstopp in der stationären Pflege

Altenpflege bei der AWO: Schutz für Risikogruppen in der Corona-Krise

Wittenberg (wg). „Die Pandemie-Krise stellt im Bereich der Pflege eine neue, große Herausforderung dar, auf die unsere Mitarbeiterinnen mit großer Professionalität reagieren“, erklärt Corinna Reinecke, Geschäftsführerin des Wittenberger Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Man habe sich frühzeitig auf die neue Situation vorbereitet, „aber als Bewohner und Mitarbeiter des Pflegeheims in Jessen am Corona-Virus erkrankten, war das für alle anderen Heime ein Wendepunkt, seitdem gilt überall einen Besuchsstopp.“ 

Pflegebedürftige zählten aufgrund ihres Alters und mancher Vorerkrankung zu den Risikogruppen. „Der medizinische Schutz steht daher im Vordergrund“, betont Reinecke, „dass darunter die Lebensqualität leidet, weil die Oma ihre Kinder und Enkel nicht empfangen darf, lässt sich nicht vermeiden.“ Die Mehrzahl der Bewohner und deren Angehörige akzeptierten die Einschränkungen.

Krankheit und Tod gehören in einem Pflegeheim zum Alltag, auch deshalb reagierten die meisten Bewohner in der Kemberger Seniorenresidenz „Maria Juchacz“ auf die Corona-Krise gelassen und einsichtig. Bei schwerstkranken und sterbenden Menschen glte das Besuchsverbot nicht: „Niemand muss ohne Beistand der Angehörigen oder eines Seelsorgers sterben.“ Mögliche negativen Folgen des Besuchsstopps möchten die Mitarbeiterinnen kompensieren. 

Die Begegnungsstätte in Wittenberg musste wegen des hohen Infektionsrisikos geschlossen werden, den stationären Mittagstisch gibt es aber weiterhin von Montag bis Sonntag. Leider können die Senioren das Essen nicht gemeinsam einnehmen und anschließend klönen. „Wir haben einen Briefkasten eingerichtet, in dem die Senioren im betreuten Wohnen mitteilen können, ob sie Hilfe benötigen, zum Beispiel beim Einkaufen“, so Reinecke. Gemeinsame Aktivitäten fänden bei angenehmen Frühlingstemperaturen und unter Beachtung der Schutzbestimmungen im Freien statt. 

„Im Bereich der ambulanten Pflege werden alle Angebote aufrechterhalten“, berichtet Leiterin Torina Thomas, „neue hauswirtschaftliche Angebote unterbreiten wir derzeit nicht und konzentrieren uns auf die Pflege, dabei strahlen unsere Kolleginnen die nötige Ruhe aus und ziehen voll mit.“ 

In der ambulanten häuslichen Pflege werde mit Mundschutz gearbeitet. Sollte einer der Patienten an Covid-19 erkranken, versorgt ihn ein kleines Team von Mitarbeiterinnen in Vollschutz-Ausrüstung weiter. „Leider sind die Preise enorm gestiegen“, bedauert Thomas, „für 50 Mundschutzmasken bezahlten wir bislang fünf Euro, jetzt werden zwischen 34 und 68 Euro verlangt.“ Und die Preise für Desinfektionsmittel seien um mindesten 20 Prozent gestiegen. 

Bei der Ausstattung mit Mundschutz habe die AWO dank guter Kooperation mit örtlichen Apotheken und anderen Vertragspartnern rechtzeitig vorgesorgt und erwarte zudem eine Lieferung vom Gesundheitsamt der Kreisverwaltung. Besonders dankt die Pflegedienstleiterin den ehrenamtlichen Helferinnen, die für die AWO Mundschutzmasken genäht hätten - kostenfrei.

„Die Tagespflege in Wittenberg ist zur Reduzierung des Infektionsrisikos sgeschlossen“, berichtet Leiterin Britta Lange deshalb könnten die Mitarbeiterinnen die Teams der ambulanten und vollstationären Pflegeeinrichtungen verstärken. „Zu den Gästen unserer Tagespflege gehören auch hochdemente Menschen, die in der Krise von ihren Angehörigen gepflegt werden müssen“, so Lange, „wir stehen mit ihnen telefonisch im Kontakt und geben bei Bedarf gerne Tipps, wie zum Beispiel zur Sturzprophylaxe.“ Den im Berufsleben stehenden Angehörigen, von denen manche auch Kinder haben, gebühre ob dieser Mehrfachbelastung höchsten Respekt. 

Einen Pandemie-Krisenstab gibt es im AWO-Kreisverband nicht, aber enge Abstimmungen zwischen den Fachbereichsleiterinnen. „Bisher ist keine Kollegin an Covid-19 erkrankt“, atman Lange und Thomas auf, „wer von ihnen Kinder hat, kann die Notbetreuung in Kitas oder Schulen in Anspruch nehmen, denn Pflegekräfte gehören zu den systemrelevanten Berufsgruppen.“




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