Dr. Gabriele Metzner, Superintendentin des Kirchenkreises Wittenberg, weist interessierte Bürgerinnen und Bürger darauf hin, das viele Kirchen für ein stilles Gebet einzelner Menschen regelmäßig geöffnet sind. Foto: Wolfgang Marchewka

Dr. Gabriele Metzner, Superintendentin des Kirchenkreises Wittenberg, weist interessierte Bürgerinnen und Bürger darauf hin, das viele Kirchen für ein stilles Gebet einzelner Menschen regelmäßig geöffnet sind. Foto: Wolfgang Marchewka

10.04.2020

Superintendentin Gabriele Metzner: Mit Kreativität neue Wege gehen

Gottesdienstabsagen in der Corona-Krise: „Leben retten geht vor!"

- Ein Leitartikel von Wolfgang Marchewka -

Der Würzburger Staatsrechtler Horst Dreier kritisierte das Verbot von Gottesdiensten „scharf", der ehemalige ZDF-Moderator und Theologe Peter Hahne sprach sogar von „einem Angriff auf die Religionsfreiheit": Prominente Bedenkenträger nutzten die Corona-Krise auf fragwürdige Weise. Doch sowohl Kirchenvertreter aus der Region als auch aus den Spitzengremien der deutschen Kirchen bewerteten die Lage wesentlich entspannter: Dr. Gabriele Metzner, Superintendentin des Kirchenkreises Wittenberg, hält die Absage auch aus theologischen Gründen für richtig und sieht außerdem für die Gemeinden gute Möglichkeiten, durch einen Mix aus neuer Technik und Kreativität mehr Menschen für die Kirchen zu begeistern: „Das Christentum ist auch ein Ideenreich!“ 

 „Die Absage der Gottesdienstveranstaltungen in den Kirchen stellt keineswegs einen Angriff auf die Religionsfreiheit dar, sondern ist ein Akt der Vernunft, denn es geht dabei um Gesundheit und Leben der Bürgerinnen und Bürger in der Corona-Pandemie mit ihrer extremen Ansteckungsgefahr“, stellt Gabriele Metzner klar. Ostern falle auch nicht aus, sondern finde immer statt - diesmal lediglich in anderer Form. 

 Auch Gottesdienste gebe es, nur anders als gewohnt, wobei das für manche Menschen zu „moderne Gewand“ bei näherer Betrachtung fast unendlich scheinende Möglichkeiten der Kommunikation biete - und das bei Bedarf rund um den ganzen Erdball mit entfernt wohnenden Menschen, mit denen man sich nur ganz selten treffen kann und in den klassischen Gottesdiensten gar nicht. 

„Es geht schon lange nicht mehr nur um die bloße Verkündigung der christlichen Werte, sondern um Kommunikation, wie sie zum Beispiel auch von der Wittenberger Schlosskirchengemeinde gefördert wird“, berichtet die Superintendentin, „die Digitalisierung schreitet sowohl in den Berufen als auch im Privatleben voran, schafft eine neue Wirklichkeit und bietet dadurch auch den Kirchen die attraktive Möglichkeit, auf neue Weise kreativ zu werden, neue Wege zu gehen.“

Und dann wird Gabriele Metzner ernst, zieht eine Parallele von den ersten Christen zur heutigen Zeit: „Bei der Kreuzigung hat Jesus keine Luft bekommen, ist jämmerlich erstickt - und heute bekommen viele der mit Corona-Viren infizierten Menschen auch keine Luft mehr und müssen in den schlimmsten Fällen an einer Lungenkrankheit sterben, wenn sogar die Beatmungsgeräte keine Wirkung mehr zeigen.“ 

Doch aus dem Leiden Jesu wachse wieder fröhlicher Optimismus: Dem Tod am Kreuz folge die Auferstehung, und das sei für die Christenheit wahrlich ein Grund, Ostern zu feiern - diesmal in erster Linie zu Hause. „Wer sich von christlichem Gedankengut inspirieren lassen möchte, erhält via Radio, Fernsehen und Internet zahlreiche Angebote“, weist Gabriele Metzner auf die enorme Vielfalt der Angebote hin, „natürlich sind heimische Gemeinden mit kreativen Video-Angeboten aktiv dabei.“

So enthält die Internetseite des Kirchenkreises unter www.kirchenkreis-wittenberg.de/kontakt-und-service/nachrichten/andachten-gebete-gottesdienste-fuer-zu-hause.html mehrere Videoproduktionen, darunter auch das originell gestaltete Werk der Wittenberger Stadtkirche mit der Titelfrage: „Wer ist Jesus?“ Darin beschäftigt sich Vikar Fabian Mederacke nicht nur mit der Kreuzigung Jesu, sondern zeigt auch ein weltbewegendes Beispiel aus der Kirchengeschichte auf besonders anschauliche Weise: Aus einem völlig zerbeulten Hut macht der Akteur durch „Reformation“ wieder ein gut tragbares Exemplar der Kopfbedeckung. Ein weiterer Höhepunkt ist der musikalische Klassiker „Amazing Grace“ (deutsch: „Erstaunliche Gnade“), vorgetragen von Frank& Alex, alias Jugendpastor Frank Koine (Gesang) und Pfarrer Alexander Garth (Gitarre). 

Natürlich sind dieses Video und dazu zwei weitere Ansprachen von Pfarrer Alexander Garth auch auf der Internetseite der Stadtkirchengemeinde enthalten, und zwar hier: https://www.stadtkirchengemeinde-wittenberg.de/index.php/de/2-uncategorised/206-video 

Dass im digitalen Zeitalter auch für Kirchen mehr Kreativität möglich ist, will der Kirchenkreis Wittenberg am Ostersonntag auf seiner Internetstartseite (www.kirchenkreis-wittenberg.de) mit einem ganz besonderen Gottesdienst beweisen: Ein neues Video präsentiert geistliche Texte und Orgelmusik aus vier Orten der Region: aus der Kirche in Krina, in Holzweißig, in Zahna und in Wittenberg. 

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, verteidigt die Absage der traditionellen Ostergottesdienste: „Leben zu retten geht auch für die Kirchen vor. Dennoch können wir miteinander Ostern feiern: Ob über Fernsehgottesdienste, Livestreams oder Telefonandachten, die Osterbotschaft lässt sich nicht aufhalten.“ 

Was in Zeiten der Corona-Krise die aktuelle Technik plus ein in Kirchenkreisen enthaltener guter Wille möglich macht, können interessierte Bürgerinnen und Bürger am späten Ostersamstag um 23:50 Uhr via TV verfolgen: Zum ersten Mal in der deutschen Fernsehgeschichte werden der Limburger Bischof Georg Bätzing als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) das „Wort zum Sonntag“ der ARD gemeinsam sprechen. Bahnt sich da in Zeiten des Abstandhaltens eine neue Nähe zwischen der Katholischen und der Evangelischen Kirche an?




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