Der Bad Schmiedeberger Pfarrer i.R. Christoph Krause meint beim Besuch in Wittenberg: „Jede Krise bietet auch Chancen." Foto: Wolfgang Gorsboth

Der Bad Schmiedeberger Pfarrer i.R. Christoph Krause meint beim Besuch in Wittenberg: „Jede Krise bietet auch Chancen." Foto: Wolfgang Gorsboth

10.04.2020

Kein Ostern ohne Karfreitag, keine Versöhnung ohne Leid

Pfarrer Christoph Krause: Ostern trotz Corona mit Gelassenheit feiern

Bad Schmiedeberg / Wittenberg (wg). „Die Zeit ist aus den Fugen“, lässt Shakespeare seinen Helden Hamlet ausrufen: „Diese archetypische Klage scheint in Zeiten von Corona besonders aktuell“, meint Pfarrer i.R. Christoph Krause. Der „Bad Schmiedeberger Urtyp“ nutzte einen Termin in der Lutherstadt im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag und erinnerte dabei an den 42. Psalm der Bibel, in dem es heißt: „Abgrund ruft nach Abgrund.“ 

„Frohe Ostern“ – nur ein frommer und derzeit eher unpassender, fast anmaßender Wunsch? „Die Osterbotschaft ist eine Anmaßung“, betont Krause, „Tod und Leben, Leid und Erlösung sind ineinander verwoben.“ Wenn Jesus von Nazareth verkünde „Friede sei mit euch“ (Joh. 20,21), dann sei dies eben kein Trostpflaster für eine aus den Fugen geratene Zeit, kein frommer Wunsch, der den Abgrund zudecke. Vielmehr entlarve die Osterbotschaft „den falschen Optimismus jener, die glauben, immer alles im Griff zu haben.“ 

Ostern ist das älteste Fest der christlichen Geschichte: „Das allererste Ostern begann mit Schrecken und Angst, überschattet vom Kreuzestod des Herrn, der gottverlassen und unter großen Schmerzen am Karfreitag starb“, erinnert Krause an die Situation der ersten Christen. 

Ohne Karfreitag kein Ostern: „Heute blicken wir von der Auferstehung her auf Karfreitag, was uns den tieferen Sinn der Ereignisse erschließt, das konnten die Anhänger Jesu damals nicht“, so Krause, „vielmehr mussten sie 40 Tage bis Christi Himmelfahrt warten, gleichsam 40 Tage in Quarantäne, denn dieses Wort leitet sich aus dem Lateinischen quadraginta ab.“ 

Das Neue Testament biete hier keinerlei Hilfe, denn alle Evangelisten würden sich über die Auferstehung des Gekreuzigten ausschweigen, erklärt Krause: „Die Auferstehung wird entweder nur angekündigt oder als vollzogen gemeldet und bleibt damit faktisch unsichtbar.“ Im Johannes-Evangelium ist es Maria Magdalena, die dem Herrn begegnet, ihn zunächst nicht erkennt und für den Gärtner hält. Als Jesus sie aber anspricht, erkennt sie ihn und will ihn berühren. Krause: „Darauf entzieht sich Jesus ihr mit einem Abwehrgestus und sagt Worte die heute auch für die Corona-Krise gelten: ‚Berühre mich nicht!’ Das klingt, als wäre die Berührung schon damals wie auch heute in Zeiten sozialer Distanz ein Tabu.“ 

Ostern sei ein geheimnisvolles, fragiles Fest, dessen Botschaft von Ängsten befreie und helfe, Unsicherheiten wie in diesen Zeiten zu ertragen. „Dass mit der Corona-Pandemie eine derart schreckliche Krise in unsere Wohlstandsgesellschaft hereinbrechen würde, damit hat keiner gerechnet“, sagt Krause. Vielleicht könnten die Menschen diese Krise im Nachhinein auch deuten und ihr einen Sinn geben: „Die Erkenntnis, dass das Leben stärker ist als der Tod, dass die menschliche Gemeinschaft aus der Quarantäne gestärkt hervor geht, dass wir in der reichen Welt über unsere Verhältnisse gelebt haben und die jetzt erzwungene Reduzierung auf das Wesentliche als Bereicherung empfinden, dass wir dem Sterben einen würdigen Platz im Leben einräumen und Sterbende nicht allein lassen, dass wir Berufsgruppen, die wir bis dato nicht wertgeschätzt haben. über die Corona-Krise hinaus achten.“ 

Ostern fällt auch in 2020 nicht aus, nur weil sich die Gläubigen nicht zur Feier der Liturgie versammeln können. „Wir feiern anders, kleiner, bescheidener zu Hause, indem wir entweder „analoge" Hausandachten halten, Gottesdienste im Radio oder Fernsehen verfolgen oder die neuen digitalen Angebote nutzen“, so Krause. „Wo Jesus in unsere Mitte kommt, da kehrt Friede ein und das ist keine Frage des Ortes und der Zahl derer, die in der Kirche zum Gottesdienst zusammenkommen.“ Er selbst werde Karfreitag in der Friedhofskappelle in Bad Schmiedeberg Kerzen anzünden.





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