Michael Harmuth, Regionalstellenleiter der Caritas in Wittenberg. Foto: Wolfgang Gorsboth/A

Michael Harmuth, Regionalstellenleiter der Caritas in Wittenberg. Foto: Wolfgang Gorsboth/A

04.04.2020

Caritas-Beratungsstelle bietet kostenfreien Schuldnerschutz

Corona und Schulden: Zahl der Ratsuchenden wird steigen

Wittenberg (wg). Auf EU-Ebene wurde ein neues Insolvenzrecht beschlossen, es sieht vor, dass die Entschuldungsdauer von bisher sechs auf drei Jahre halbiert wird. Das EU-Recht muss nun in nationales Recht umgesetzt werden: „Ein erster Referentenentwurf des Bundesjustizministerium liegt vor“, erklärt Michael Harmuth, Regionalstellenleiter der Caritas in Wittenberg, der mit seinem fünfköpfigen Team verschuldeten Menschen hilft. 

Harmuth richtet sich darauf ein, dass aufgrund der Corona-Krise die Zahl der Ratsuchenden in den nächsten Wochen stark ansteigen wird: „Dabei geht es vor allem um Menschen, die finanzielle Verpflichtungen eingegangen sind, denen jetzt das reguläre Einkommen wegbricht und die auf Kurzarbeitergeld angewiesen sind.“ Auch deshalb sei es wichtig, dass das auf EU-Ebene beschlossene neue Insolvenzrecht schnell in nationales Recht umgesetzt werde. 

„Wir hoffen, dass der Gesetzentwurf schneller verabschiedet wird, als ursprünglich geplant“, betont Harmuth, „denn die Halbierung der Entschuldungsdauer sorgt dafür, dass Betroffene schneller auf die Füße kommen und den Kopf wieder frei haben für Kinder, Familie und Beruf.“ Die Überschuldung sei für die Betroffenen ein tiefer Einschnitt, sie fühlten sich abgestempelt und abgeschnitten vom normale Leben. 

In den Gesprächen geht es deshalb nicht nur um konkrete Schritte zur Existenzsicherung, um den Schutz der Schuldner vor unberechtigten Gläubigerforderungen und um mögliche Wege, die Schulden zurückzuzahlen: „Vielfach ist die Schuldnerberatung auch eine umfassende Lebensberatung“, erläutert Harmuth, denn der große Druck der Schulden könne eine Chance sein zum Umdenken und zur Veränderung. 

Harmuth erinnert an die Hochwasserkatastrophen in den Jahren 2002 und 2013: „Wir haben Betroffene bei Fördermittelanträgen unterstützt und auch Hilfsprojekte mit Caritas international durchgeführt, aber die jetzige Lage ist deutlich unkalkulierbarer und es werden viel mehr Menschen betroffen sein.“ 

Kostenfreie Beratung

Circa 600 Menschen nehmen pro Jahr die Schuldner- und Insolvenzberatung der Caritas Wittenberg in Anspruch. Was tun, wenn am Ende des Geldes noch viel Monat übrig und der Dispo überzogen ist, viele letzte Mahnungen im Briefkaten sind und die Kündigung der Wohnung droht? Hier bietet die Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle der Caritas Unterstützung: „Unsere Beratung ist freiwillig und kostenfrei, selbstverständlich behandeln wir alle Angaben streng vertraulich.“ 

Die Gründe für eine Verschuldung sind vielfältig: Arbeitslosigkeit und prekäre Arbeitsverhältnisse mit niedrigen Einkommen und befristeten Arbeitsverträgen, familiäre Konflikte sowie Erkrankungen einschließlich Abhängigkeitserkrankungen. Scheidungen führen zu Problemen bei der weiteren Finanzierung des auf Kredit gebauten Hauses. Anderen werden Bürgschaften zum Verhängnis, die sie vor Jahren für ihren Ehepartner geleistet haben. 

„Oftmals könnten wir besser helfen, wenn die Betroffenen zu uns kommen würden, sobald sich das Problem anbahnt“, sagt der Regionalstellenleiter der Caritas. Meist kämen die Klienten aber erst, wenn sie eine Pfändungs- oder Räumungsklage in den Händen halten. Dann bleibe nur noch wenig Zeit, fristgerecht Einspruch einzulegen und mit den Gläubigern zu verhandeln. Gelingt keine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern, bleibt das Privat- bzw. Verbraucherinsolvenzverfahren. 

„In die Beratungsstelle kommen Menschen aus allen sozialen Schichten, immer mehr Jüngere, vermittelt vom Jobcenter, aber auch Ältere, denen nach dem Eintritt in die Rente das Geld fehlt, Altersarmut eben“, so Harmuth. Vielen koste es Überwindung, die Beratungsstelle aufzusuchen, die rund 600 Fälle pro Jahr seien nur die Spitze des Eisbergs. 

Auf Grund der Pandemie wird zur Zeit vor allem über Telefon und per Mail beraten, das heißt, es fehlt der persönliche Kontakt: „Ohne diesen können wir aber keine Beratungsabschlüsse machen, die wiederum wichtig für die Finanzierung unserer Beratungsstelle sind“, erklärt der Regionalstellenleiter, „ich hoffe, der Gesetzgeber findet hier eine schnelle und gute Lösung.“ 

Hinweis:  

Die Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle der Caritas ist erreichbar unter Tel.: 03491/41 10 40 und E-Mail:





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