Henrike Heierberg ist die Sprecherin der lokalen Steuerungsgruppe. Foto: Elbetal Fotografie

Henrike Heierberg ist die Sprecherin der lokalen Steuerungsgruppe. Foto: Elbetal Fotografie

30.03.2020

Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen im Globalen Süden verbessern

Wittenberg ist auf gutem Weg zur Fairtrade-Town

Wittenberg (wg). „Wir erfüllen fast alle Kriterien, noch in diesem Jahr wird die Lutherstadt Wittenberg den Titel Fairtrade-Town tragen“, erklärt Henrike Heierberg im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Die junge Sozialdemokratin ist Sprecherin der im Oktober 2019 gegründeten Steuerungsgruppe. Die Gründung einer lokalen Steuerungsgruppe, welche die Aktivitäten vor Ort koordiniert, ist eine von fünf Kriterien, die auf dem Weg zur Fairtrade-Town erfüllt werden müssen. 

„Das Netzwerk mit Vertretern aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik bildet die Breite der Stadtgesellschaft ab“, berichtet Heierberg, „die Idee, Wittenberg fairer zu machen, muss sich entwickeln.“ Dieser Weg begann bereits im April 2018, damals berichtete Friedemann Ehrig (SPD) im Stadtrat von dem Vorhaben, einen Tag zuvor gab es gemeinsam mit der Evangelischen Akademie in Sachsen-Anhalt eine Auftaktveranstaltung zum Thema „Fairer Handel in Wittenberg“. Mehr als 40 Bürgerinnen und Bürger sowie Gewerbetreibende nahmen daran teil und zeigten damit, dass es bereits eine breite Akzeptanz zum Thema gibt und etliche Geschäfte faire Produkte in ihr Sortiment aufgenommen haben. 

„Im Januar 2019 hatte der Stadtrat beschlossen, sich um den Titel Fairtrade-Town zu bewerben, damit konnte ein weiteres Kriterium erfüllt werden“, so Heierberg. Dazu gehöre auch, dass bei allen Sitzungen des Stadtrates und seiner Ausschüsse sowie in den Büros von Oberbürgermeister und Bürgermeister und bei entsprechenden Anlässen fair gehandelter Kaffee und ein weiteres Fairtrade-Produkt ausgeschenkt werden. 

Die Fairtrade-Grundsätze sind Teil der Selbstverpflichtung der Stadt, ihren Beitrag zur Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN („Sustainable Development Goals“ – SDG’s) zu leisten, dazu gehören keine Armut, kein Hunger, menschenwürdige Arbeit, nachhaltiger Konsum und Produktion sowie Maßnahmen zum Klimaschutz. „Fairer Handel dient der Armutsbekämpfung, es muss den Verbrauchern bewusst werden, dass sie mit ihren Kaufentscheidungen dazu beitragen können“, erklärt Heierberg. Es gehe darum, dass im Welthandel soziale Wertmaßstäbe beachtet würden, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen jener zu verbessern, die am Anfang der Lieferkette stehen – die Produzenten wie Bauern und Arbeiter. 

Auf dem Weg zur Faitrade-Town müssen Kommunen unter 200.000 Einwohner je eine Schule, eine Kirchengemeinde und einen Verein für den fairen Handel gewinnen. In Wittenberg beteiligt sich das Lucas-Cranach-Gymnasium, hier gibt es mit Beginn des Schuljahres 2019/20 einen Schulweltladen, der zweimal pro Woche öffnet und den Mitschülern fair gehandelte Produkte wie Nussriegel, Maniok-Chips und Mangofruchtgummi verkauft. Die Schüler wollen auch einen Stadtplan erstellen mit allen Geschäften, in denen Fairtrade-Produkte gehandelt werden. 

Von den Kirchengemeinden beteiligt sich das Kirchspiel Dobien (Reinsdorf-Dobien, Straach, Weddin, Apollensdorf, Piesteritz und Wittenberg-West), das den diesjährigen Weltgebetstag der Frauen in das Thema eingebracht hat und auch die Wittenberger Hoffnungskirche zeigt Interesse. Bei den Vereinen bringen sich unter anderem der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO), der Eine-Welt-Laden e.V. und die Wirtschaftsjunioren Wittenberg e.V. ein. Zudem müssen sich in Wittenberg mindestens zehn Geschäfte des lokalen Einzelhandels, Floristen sowie vier Gastronomiebetriebe beteiligen, auch größere Unternehmen sind willkommen, Wikana ist zum Beispiel schon dabei. Voraussetzung ist, dass mindestens zwei Produkte aus fairem Handel angeboten werden. Das fünfte Kriterium betrifft die Öffentlichkeitsarbeit, lokale Medien müssen über die Aktivitäten auf dem Weg zur Fairtrade-Town berichten. 

„Die Steuerungsgruppe ist keine geschlossene Veranstaltung, weitere Interessenten, Mitstreiter und Unterstützer sind jederzeit willkommen“, betont die Sprecherin. Mit der Fairtrade-Kampagne sei auch die Hoffnung verbunden, die Attraktivität der Altstadt zu steigern ähnlich wie mit der Initiative „kauf lokal“, Ziel sei es, den lokalen Handel mit dem fairen Handel zusammenzubringen. 

„Je mehr sich beteiligen, desto besser ist es für die Sache“, sagt Heierberg. Wegen der Corinavirus-Pandemie ist derzeit offen, wann sich die Steuerungsgruppe das nächste Mal trifft. Geplant ist, die Zusammenkünfte in Zukunft mit einem fachlichen Inputvortrag und anschließender Diskussion zu eröffnen. Dabei kann die Steuerungsgruppe auf die Expertise von Anke Scholz zurückgreifen, Projektkoordinatorin vom „Eine Welt Netzwerk Sachsen-Anhalt“. 

„In Kürze werden wir alle Kriterien erfüllt haben und die Unterlagen bei der Zertifizierungsstelle einreichen“, kündigt Heierberg an, „leider haben sich wegen der Corona-Krise viele geplante Aktivitäten zerschlagen, aber wir lassen uns nicht unterkriegen, wir sind auf einem guten Weg.“ 

Hintergrund 

Mit fairem Handel sollen die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen im Globalen Süden verbessert werden, die am Anfang der Lieferkette vieler alltäglicher Produkte wie Kaffee, Tee, Kakao, Bananen, exotische Südfrüchte, Textilien und Handwerksartikel stehen, es geht also um soziale Nachhaltigkeit Die Lutherstadt hat sich selbstverpflichtet, bei der Umsetzung entwicklungspolitischer Nachhaltigkeitsziele (SDG’s) als zentraler Akteur aufzutreten. Aktuell tragen 674 Städte in Deutschland den Titel „Fairtrade-Town“, in Sachsen-Anhalt sind es bislang Halle, Magdeburg und Wernigerode. 

Hinweis 

Interessenten können sich an die Sprecherin der Steuerungsgruppe wenden: .





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