Das Asisi-Panorama ist wegen der Corona-Krise geschlossen. Ob es über 2021 hinaus weiter betrieben werden kann, muss aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation offen bleiben. Foto: Tom Schulze/Asisi

 Das Asisi-Panorama ist wegen der Corona-Krise geschlossen. Ob es über 2021 hinaus weiter betrieben werden kann, muss aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation offen bleiben. Foto: Tom Schulze/Asisi

25.03.2020

Niemand weiß, wie es nach Corona im Tourismus weiter geht

Stadtrat lehnt Übernahme des Asisi-Panoramas ab

Wittenberg (wg). Gerade einmal 20 Minuten dauerte die außerordentliche Stadtratssitzung am Mittwoch im Stadthaus, die aufgrund der Coronavirus-Pandemie unter besonderen Hygiene-Schutzmaßnahmen stattfand. Dem Virus geschuldet war das Abstimmungsergebnis klar, die Statements entsprechend kurz: Mehrheitlich ohne Gegenstimme bei zwei Enthaltungen lehnte der Stadtrat die Übernahme des Asisi-Panoramas „Luther 1517“ durch die Lutherstadt Wittenberg Marketing GmbH ab. 

Die Erklärung liefert die am 23. März aktualisierte Beschlussvorlage im letzten, neu aufgenommenen Punkt 6: „Die aktuellen Entwicklungen in Sachen Covid-19 wirken sich massiv auf die touristische Lage, resp. in unserer Stadt aus. Aktuell findet kein Tourismus statt. Das Panorama „Luther 1517“ ist geschlossen. Die positive Fortführungsprognose der Luther 1517 gGmbH kann nicht aufrechterhalten werden.“ 

Er würde gerne mit wehenden Fahnen für eine Übernahme des Kunstwerks von Yadegar Asisi werben, betonte Oberbürgermeister Zugehör (parteilos). Man habe lange um eine Entscheidung gerungen, an dem Prozess seien Rando Gießmann als Geschäftsführer der kommunalen Wigewe, Bauherr und Vermieter des Panoramas, sowie Stadtwerke-Geschäftsführer Hans-Joachim Herrmann als Mitgesellschafter der Wittenberg Marketing GmbH intensiv beteiligt gewesen. 

„Die Stadt hat ein großes Interesse, dass dieser Leuchtturm aus dem Jahr 2017 weiterleuchtet“, erklärte Zugehör, „aber durch die Coronavirus-Pandemie hat sich die Situation schlagartig verändert.“ Die Pandemie sei mit einem hohen wirtschaftlichen Risiko verbunden. Durch die Anweisungen der Landesregierung sei der Tourismus auf Null gesetzt worden und es sei damit zu rechnen, dass die Anordnungen über den 19. April hinaus verlängert würden mit der Konsequenz, dass „wir uns auch für den gesamten Sommer vom Tourismusgeschäft verabschieden müssen.“

Selbst wenn ab Juli oder August Reisen wieder möglich seien, würden die Gäste nicht alle in die Lutherstadt strömen. Vielmehr werde es für die Touristiker eine große Herausforderung, das Geschäft wieder anzukurbeln. Die Prognose zur Fortführung des Asisi-Panoramas bis Ende 2024 sei sehr wohlwollend gewesen, habe aber durch Corona deutlich an Kraft verloren. Eine Übernahme wäre mit weiteren Verlusten, die bereits ab 2018 aufgelaufen sind, verbunden. 

Auch mit Blick auf den Haushalt sei es deshalb legitim, die Interessen der Stadt in den Vordergrund zu stellen. Da derzeit niemand wisse, welche Hilfen des Landes und Bundes es für den Tourismus gebe, befände man sich in einer schwierigen Entscheidungssituation: „Ich bin überzeugt, dass sie zum Wohle der Stadt eine kluge Entscheidung treffen werden“, wandte sich der OB an die Stadträte. 

Horst Dübner, Fraktionsvorsitzender der Linken, bemühte das sportliche Bild eines Staffellaufes, bei dem es um die solide Übergabe des Stabes gehe und darum, dass der Schlussläufer diesen sicher ins Ziel bringe. „Das war der Stand, der noch am 13. März galt, aber dieses Bild stimmt nicht mehr, niemand kann heute seriös der Folgen der Corona-Krise für den Betreiber des Panoramas abschätzen.“ 

Durch die Entwicklung sei der Beschlussvorlage faktisch die Geschäftsgrundlage entzogen worden und damit auch einer Zustimmung. Dabei gehe es darum, die Wittenberg Marketing GmbH als neue Betreiberin davor zu bewahren, in schweres Fahrwasser zu geraten. Die Frage nach Übernahme und Fortführung des Panoramas bedürfe einer grundlegend neuen Prüfung und Beratung, denn „nach Corona wird nicht vor Corona sein.“ 

Man habe die Beschlussvorlage mit Wehmut in der Fraktion diskutiert, berichte Bettina Lange, Fraktionschefin der CDU, der Tourismus sei völlig zum Erliegen gekommen und diese Situation werde über den 19. April hinaus andauern. Deshalb könne man nicht zustimmen, ähnlich argumentierten auch die Vorsitzender der anderen Ratsfraktionen.

Hintergrund 

Bislang wird das Asisi-Panorama von der Luther 1517 gGmbH betrieben mit dem Verein Reformationsjubiläum 2017 e.V. als alleinigen Gesellschafter. Der Verein hat seine Aufgaben erfüllt und befindet sich in der Abwicklung, deshalb hatte er der Stadt den Vorschlag unterbreitet, die gGmbH zum symbolischen Preis von einem Euro zu übernehmen und das Panorama selbst oder durch eines ihrer kommunalen Unternehmen zu betreiben. Ohne Coronavirus wäre der entsprechenden Beschlussvorlage eine deutliche Mehrheit im Stadtrat sicher gewesen.




Video


Videos


Videos



FIW mbH & Co. KG, Wittenberger Sonntag/Freizeit Magazin, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: