Landrat Jürgen Dannenberg im Krisenzentrum des Landkreises. Foto: Wolfgang Gorsboth

Landrat Jürgen Dannenberg im Krisenzentrum des Landkreises. Foto: Wolfgang Gorsboth

20.03.2020

Alle Touristen müssen Sachsen-Anhalt verlassen, keine Kuren mehr

Zwei neue Eilverfügungen des Landesverwaltungsamtes

Wittenberg (wg). Landrat Jürgen Dannenberg (Linke) informierte am Freitag im Krisenzentrum des Landkreises in der Erich-Weinert-Straße über zwei neue Eilverfügungen des Landesverwaltungsamtes: Verkaufseinrichtungen, die wie Lebensmittel- und Getränkegeschäfte, Drogerien, Apotheken, Sanitätshäuser, Filialen der Deutschen Post, Banken und Sparkassen sowie Zeitungs- und Zeitschriftenläden, der Grundversorgung dienen, dürfen ab sofort an Sonn- und Feiertagen von 12 bis 18 Uhr öffnen. Davon ausgenommen sind Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag. 

„In der zweiten Verfügung wird mit sofortiger Wirkung angeordnet, dass alle Beherbergungsstätten wie Hotels, Pensionen, Hostels, Jugendherbergen, Ferienwohnungen sowie Campingplätze und Wohnmobilstellplätze für Touristen zu schließen sind, für Monteure gilt die Verfügung nicht“, erklärte Dannenberg. Touristen müssen bis Samstag, dem 21. März, ihre Unterkünfte verlassen. 

Außerdem untersagt das Land alle Reisen aus touristischen Anlässen nach Sachsen-Anhalt, dies gilt auch für Reisen zu Fortbildungszwecken. Ebenso untersagt sind ab sofort Kuren und Heilbehandlungen in den Reha-und Kur-Einrichtungen des Landes, ausgenommen sind Anschlussheilbehandlungen (AHB) nach einem Klinikaufenthalt. Verboten sind ab sofort auch alle touristischen Busreisen. 

Ferner sollen alle Spätverkaufsstellen um 20 Uhr schließen und auch bei Veranstaltungen unter 50 Personen sollen künftig sehr strenge Maßstäbe angelegt werden. „Es handelt sich hierbei um Maßnahmen, mit denen eine Ausgangssperre vermieden werden soll“, so Dannenberg. Darüber werde am Sonntagabend in einer Telefonkonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten entschieden.

„Leider halten sich auch bei uns nicht alle Menschen an die Regeln“, kritisierte der Landrat und nennt als Beispiele Eltern, die mit ihren Kindern trotz Verbots Spielplätze aufsuchen sowie Jugendliche, die sich bei frühlingshaften Temperaturen am Bergwitzsee zur Party versammelten. Hier werde es, so Dannenberg, rigorose Kontrollen durch die Polizei bzw. den Ordnungsbehörden geben. Ansammlungen auf öffentlichen Plätzen sind untersagt. „Die meisten Bürger halten sich an die Anordnungen“, bestätigte der Landrat. 

Beim Runden Tisch des Landrates mit den Bürgermeistern am Donnerstag in Coswig wurden auch Entscheidungen getroffen, die die Allgemeinverfügung des Landes bezüglich der Geschäfte, die öffnen dürfen, betreffen: „Wir haben einige Ungenauigkeiten nachjustiert.“ Ab sofort gilt:

* Eiscafés, Nagel- und Tattoostudios müssen schließen; 

* Teekontore und Süßwarengeschäfte dürfen öffnen; 

* Autohäuser müssen schließen, dürfen aber ihre Werkstätten öffnen; 

* Friseure dürfen öffnen; 

* Blumenläden dürfen öffnen: Beerdigungen sind erlaubt, dafür benötigen die Hinterbliebenen Grabschmuck, auch Hochzeiten sind zulässig, für Hochzeitsfeiern gelten indes strenge Auflagen; 

* alle Mehrsortimenten-Geschäfte mit einem Lebensmittelanteil unter 20 Prozent müssen schließen. 

„Die Versorgung mit Lebensmitteln und allem, was lebensnotwendig ist, ist vollumfänglich gewährleistet“, betonte Dannenberg. Die Leistungsfähigkeit der Kreisverwaltung sei gesichert, ebenso alle Geldauszahlungen. Den Städten habe Amtshilfe und Unterstützung zugesagt. Inzwischen gibt es elf bestätigte Corona-Fälle, zwei davon sind Mitarbeiter der Kreisverwaltung. Letztere wurden wie auch Kontaktpersonen in der Verwaltung unter Quarantäne gestellt. 

Circa zehn Prozent der Schüler nehmen eine Notbetreuung war, bis Mittwoch, dem 25. März, wird es im Schülerverkehr keine Veränderungen geben, ab Donnerstag soll es aber Neuregelungen geben, die rechtzeitig bekannt gegeben werden. 

Ab Montag, dem 23. März, übernimmt die Kassenärztliche Vereinigung das Abstrichzentrum am Berufsschulzentrum im Mittelfeld, Termine können nur über den Fachdienst Gesundheit oder dem Hausarzt vereinbart werden. Der Landkreis ist außerdem im ständigen Kontakt mit den Kliniken und hat mit dem Krankenhaus in Bad Düben in Sachsen eine Kooperation vereinbart. Das Bürgertelefon beim Landkreis (03491/479-479) ist auch samstags und sonntags von 10 bis 15 Uhr besetzt. 

Landrat und Kreistag appellieren an die Bürger

Landrat Jürgen Dannenberg, der Vorsitzende der Kreistagsfraktion Enrico Schilling sowie alle Vorsitzenden der Kreistagsfraktionen wenden sich in einem Appell an die Bürgerinnen und Bürger, darin heißt es unter anderem: „Jeder kann seinen ganz persönlichen und wichtigen Beitrag dazu leisten, die hohe Leistungsfähigkeit unseres Gesundheitssystems zu unterstützen. Es liegt auch an jedem Einzelnen, zur Eindämmung des Virus beizutragen. Egoistisches und unverantwortliches Handeln schaden Ihnen, aber vor allem auch allen anderen.“ 

Niemand wisse, wie lange die notwendigen Maßnahmen dauerten, auch die Folgen der Corona-Krise seien noch nicht abschätzbar, trotzdem müsse sich jeder an die Regeln halten. Der Kreistag danke ausdrücklich allen Ärztinnen und Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern in den Klinken, Praxen und Heimen. Man denke den Mitarbeitern im Fachdienst Gesundheit, in den Laboren, öffentlichen Verwaltungen, den Rettungsdiensten, der Polizei und den Feuerwehren, den Lehrern und Erziehern, die eine Betreuung im Notdienst sicherstellten sowie den Mitarbeitern in den Unternehmen, die die Versorgung mit Lebensmitteln, Strom und Wasser sicherstellten: „Sie alle leisten in diesen Tagen Unglaubliches.“ 

An die Bürgerinnen und Bürger wird appelliert, besonnen zu bleiben, soziale Kontakte zu meiden und Abstand zu halten. „Wo immer es notwendig ist, helfen Sie anderen Menschen, aber achten sie zugleich auf Ihren Schutz“, heißt es, „und scheuen Sie nicht davor zurück, andere Bürger auf die Einhaltung der Regeln hinzuweisen, wann immer es notwendig ist. Wir werden lange gefordert bleiben, mit Verantortung, Augenmaß und Solidarität füreinander da zu sein.“




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