Landrat Jürgen Dannenberg informierte am 16. März im Krisenzentrum des Landkreises die Presse. Foto: Wolfgang Gorsboth

Landrat Jürgen Dannenberg informierte am 16. März im Krisenzentrum des Landkreises die Presse. Foto: Wolfgang Gorsboth

16.03.2020

Krisenstab des Landkreises tagt ab sofort täglich

Allgemeinverfügung regelt Notfallbetreuung in Kitas und Horten

Wittenberg (wg). „Am Dienstag, 17. März, bekommen alle Städte im Landkreis eine Allgemeinverfügung, die regelt, wie ab Mittwochfrüh mit dem Besuch von kommunalen Kitas und Horten zu verfahren ist“, kündigte Landrat Jürgen Dannenberg (Linke) beim Pressegespräch im Krisenzentrum des Landkreises in der Erich-Weinert-Straße die weitere Vorgehensweise zur Sicherstellung der Notbetreuung bei gleichzeitiger Eindämmung des Coronavirus an. Der Stab für besondere Ereignisse tagt ab sofort täglich. 

Wenn beide Elternteile oder ein alleinerziehender Elternteil in Unternehmen beschäftigt sind, die zur sogenannten kritischen Infrastruktur zählen und die eine häusliche bzw. private Betreuung ihrer Kinder bis 12 Jahren nicht organisieren können, dürfen ihren Nachwuchs in die Kita bzw. den Hort schicken. 

Diese Notbetreuung ist für Kinder von Beschäftigten aus folgenden Bereichen vorgesehen: 

* Gesundheitsbereich – dazu zählen medizinische und pflegerische Berufe, gesundheitstechnische und pharmazeutische Bereiche, stationäre und teilstationäre Erziehungshilfen sowie die Behindertenhilfe; 

* Polizei, Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Feuerwehr sowie alle Bereiche des Gesundheits- und Verbraucherschutzes; 

* Energie, Abfall, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, Öffentlicher Personennahverkehr, Telekommunikation; 

* Justiz- und Maßregelvollzug; 

* Aufrechterhaltung der Verwaltung; 

* Lebensmittelversorgung – dazu zählen Fleischer, Bäcker, Lebensmitteleinzelhandel, Molkereien sowie die gesamte Land- und Ernährungswirtschaft; 

* öffentliche Infrastruktur, Geldinstitute, Hygieneartikelversorgung sowie Störfallunternehmen wie Skw. „Dazu gibt es ein Formblatt, das die Eltern bzw. Alleinerziehende vom Arbeitgeber bestätigen lassen müssen“, erklärte Dannenberg. 

Mit der Allgemeinverfügung würden auch der Oberbürgermeister der Stadt Wittenberg sowie die Bürgermeister der anderen Städte ermächtigt, konkrete Einzelfallentscheidungen zu treffen, „denn das wirkliche Leben ist vielfältiger, als es zentrale Verfügungen abbilden können“, sagte Pressesprecher Ronald Gauert. Den freien Trägern von Kitas und Horten empfehle man eine ähnliche Vorgehensweise. 

Am Montag hatten nur circa zehn Prozent der Eltern ihre Kinder in Kitas, Grundschulen und Horte geschickt, dies zeigt nach Ansicht des Landrates, dass die Mehrzahl der Eltern verantwortungsbewusst handelt und die Notwendigkeit erkennt, das Tempo der Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Alle Schulen, Kitas und Horte bleiben, wie angekündigt, bis zum Ende der Osterferien am 19. April geschlossen. 

Angesichts des steigenden Bedarfs nach Labortests wird am Mittwoch an der Sporthalle des Berufsschulzentrum im Mittelfeld ein Abstrich-Zentrum seine Tätigkeit aufnehmen, dies ist das Ergebnis einer Beratung mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Betrieben wird das Zentrum von Medizinstudenten, die ein Praktikum am Paul-Gerhardt-Stift absolvieren, bei Bedarf stellen die allgemeinmedizinischen Praxen zusätzliches Personal bereit. 

Damit werden die Mitarbeiter des kreislichen Fachdienstes Gesundheit entlastet, die bislang auf dem Parkplatz an der Kreisverwaltung durchschnittlich acht bis zwölf Abstriche pro Tag durchführten. Ebenfalls der Entlastung dient ein Formular, das jeder, der glaubt, am Coronavirus erkrankt zu sein, ausfüllen muss. Anhand der Daten nimmt einer der drei Ärzte des Fachdienstes Gesundheit die Konsultation auf und bespricht die weitere Vorgehensweise. Gut angelaufen ist das am Montag um 10 Uhr freigeschaltete Bürgertelefon (03491/479-479). 

„Aktuell gibt es einen dritten bestätigen Fall, der Patient befindet sich im Paul-Gerhardt-Stift, dort werden jetzt die Kontaktpersonen ermittelt“, so Dannenberg. Der Patient sei am 8. März aus Tirol zurückgekehrt und vom Notarzt Sonntagabend in die Klinik eingewiesen worden. Derzeit befänden sich 50 Personen in einer 14-tägigen Quarantäne. Ab sofort werden alle Seniorenbegegnungsstätten, darunter auch der Nachbarschaftstreff Wittenberg West geschlossen, da Senioren zu den besonders gefährdeten Gruppen gehören. 

Am Dienstag werden alle Einwohner der Stadt in ihren Briefkästen eine Allgemeinverfügung des Landkreises zur Durchführung von Veranstaltungen vorfinden. Demnach sind alle Veranstaltungen mit 500 und mehr Personen untersagt. Gleichzeitig empfiehlt der Kreis den Bürgermeistern, alle öffentlichen Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen, die in geschlossenen Räumen stattfinden, ebenfalls zu untersagen. Bis Freitag, kündigte der Landrat an, werde der ÖPNV vollumfänglich nach Fahrplan verkehren, danach seien Einschränkungen nicht auszuschließen.




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