13.03.2020

Auch die Kreisverwaltung schließt für den Publikumsverkehr

Wegen Corona: Ab Montag bleiben alle Kitas und Schulen zu

Wittenberg (wg). Ab Montag, dem 16. März, bleiben in ganz Sachsen-Anhalt alle Schulen und Kitas geschlossen, dies hat die Landesregierung am Freitag, dem 13. März, entschieden, um die Infektionsdynamik des Coronavirus einzudämmen. Landrat Jürgen Dannenberg (Linke) hatte vor der Anordnung der Landesregierung noch versichert, dass der Kreis Wittenberg nicht beabsichtige, Kitas und Schulen zu schließen, weil dies nach dem derzeitigen Stand – im Kreis gibt es bislang nur zwei Infizierte aus einer Familie – unangemessen sei und die Folgen für die arbeitenden Eltern berücksichtigt werden müssten. 

Der Lehrbetrieb an Schulen ab Klasse 7 bis Klasse 13 wird vom 16. März ausgesetzt bis zum Ende der Osterferien am 19. April. Schülerinnen und Schüler haben keinen Unterricht an den Schulen. Alle Abschlussprüfungen, insbesondere die Abiturprüfungen, werden auf die vorgesehen Alternativtermine (Nachprüfungen) nach den Osterferien verlegt. Der Lehrbetrieb an Schulen von Klasse 1 bis 6 wird ebenfalls vom 16. März bis zum Ende der Osterferien ausgesetzt. Für diese Kinder wird zunächst bis Mittwoch, dem 18. März, weiterhin eine Betreuung in den Schulen ermöglicht, wenn folgende Voraussetzungen zutreffen: Beide Eltern oder ein alleinerziehender Elternteil arbeitet in einem Bereich, der für die Aufrechterhaltung der wichtigen Infrastrukturen notwendig ist und diese Eltern keine Alternativ-Betreuung ihrer Kinder organisieren können. Zu den Arbeitsbereichen gehört beispielsweise die Infrastruktur des Gesundheitsbereiches (Kliniken, Pflege, Unternehmen für Medizinprodukte), Versorgung (Energie, Wasser, Lebensmittel, Arznei), Justiz, Polizei, Feuerwehr, Erzieherinnen/er, Lehrerinnen/er. Das Land wird in Abstimmung mit den Schulen das weiterer Verfahren und eventuell weiterhin bestehende Bedarfe prüfen. 

Die Kinderbetreuung an Kitas wird ebenfalls ab Montag ausgesetzt bis zum Ende der Osterschulferien. Für diese Kinder wird zunächst bis Freitag, dem 20. März, weiterhin eine Betreuung in den Einrichtungen ermöglicht, wenn die bereits oben genannten Voraussetzungen zutreffen. 

Wegen der Coronavirus-Epidemie bleibt auch die Kreisverwaltung ab Montag für den öffentlichen Publikumsverkehr geschlossen. „Wir wollen damit den unkontrollierten Besucherverkehr unterbinden und das Infektionsrisiko reduzieren“, erklärt Landrat Dannenberg. Es gehe darum, die Dynamik bei Neuinfektionen zu verlangsamen, um eine Überforderung des Gesundheitssystems und insbesondere der Kliniken zu verhindern. 

Mit der Schließung sollen zudem die eigenen Mitarbeiter geschützt werden, um die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung aufrechtzuerhalten. Wer Anliegen hat, soll sich mit dem zuständigen Sachbearbeiter in Verbindung setzen und die weitere Vorgehensweise absprechen. Auch wer bereits einen Termin vereinbart hat, muss vorher anrufen. Wird ein Termin vereinbart, wird der Bürger oder die Bürgerin an der verschlossenen Tür abgeholt. „Jedem, der Hilfe braucht, wird geholfen“, versichert Pressesprecher Ronald Gauert. 

„Ich bin mit Blick auf die aktuelle Entwicklung sehr besorgt, aber auch optimistisch, dass die Bevölkerung Verständnis für unsere Maßnahmen hat und hoffe, dass die Epidemie glimpflich verläuft“, berichtet Dannenberg. Bis jetzt gebe es nur zwei bestätigte Infektionsfälle im Landkreis, aber keinen Todesfall. Die Anzahl der an der „normalen“ Grippe Erkrankten liege ungleich höher, außerdem gebe es einen bestätigten Todesfall. 

„Gegen Grippe kann man sich Impfen lassen, außerdem gibt es Medikamente, beim SARS-CoV-2 weder einen Impfstoff, noch wirksame Medikamente, und das bereitet uns Sorgen“, sagt Dannenberg. Innerhalb weniger Jahre habe man zwei Jahrhundert-Hochwasserkatastrophen händeln müssen und entsprechende Erfahrungen sammeln können, aber eine derartige Epidemie habe es in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gegeben. 

Seit dem 11. März liegt ein Erlass des Landes zum Umgang mit Veranstaltungen vor. „Auf dieser Basis erlassen wir eine Allgemeinverfügung, die am Dienstag, dem 17. März, an alle Haushalte verteilt wird und damit sofort in Kraft tritt“, erläutert Dannenberg. „Wir untersagen alle Veranstaltungen mit mehr als 500 Besuchern, ob indoor oder outdoor.“ Davon betroffen seien alle Sport- und Kulturveranstaltungen, ebenso Messen und religiöse Veranstaltungen. 

„Wir empfehlen, alle Veranstaltungen, die nicht notwendig sind, abzusagen bzw. zu verschieben“, bekräftigt Vizelandrat Jörg Hartmann (CDU). Mit der Allgemeinverfügung treffe man eine Regelung für alle, dies sei effektiver als Einzelverfügungen auszusprechen. Überdies stehe der Landkreis im engen Kontakt mit allen Bürgermeistern. Das „Frühlingserwachen“ in Wörlitz zur Eröffnung der Tourismussaison am 21. und 22. März sei ebenso abgesagt wie die Kultur- und Erlebnisnacht in Gräfenhainichen am 14. März. 

Außerdem werden Gespräche mit den Klinikleitungen geführt: Alle nicht notwendigen Operationen sollen verschoben und die Patientenbesuche auf ein Mindestmaß reduziert werden. Die Zahl der Betten soll erhöht werden, um auf jedweden Verlauf der Epidemie gut vorbereitet zu sein. „Wir haben gegenüber Italien einen zeitlichen Vorlauf und den wollen wir nutzen“, betont Vizelandrat Hartmann. Auch den Altenpflegereinrichtungen habe man die Empfehlung ausgesprochen, Besuche einzuschränken, um die betagten Bewohner besser zu schützen, Entscheidungen träfen aber die Träger. 

„Alle Aussagen sind vorläufig, weil sich die Situation sehr schnell ändern kann“, resümiert Dannenberg. Überdies sei die Krankheit noch zu neu, um alle ebenso wichtigen wie drängenden Fragen solide beantworten zu können, kein Experte könne verlässliche Prognosen treffen. 

Hinweis 

Montagmittag schaltet die Kreisverwaltung unter der Nummer 03491/479-479 das Bürgertelefon frei, dort können alle Fragen rund um die Coronavirus-Epidemie gestellt werden. Die Nummer ist von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr erreichbar. Damit sollen die Mitarbeiter des Fachdienstes Gesundheit entlastet werden, die derzeit besonders stark gefordert sind, unter anderem führen sie täglich circa 20 Abstriche für den Labortest durch. Alle wichtigen Informationen zum Thema finden sich auch auf der Homepage des Landkreises, die mehrmals täglich aktualisiert wird.




Video

Oberbürgermeister Zugehör

mehr Videos

Videos Stimmen aus der Region

Oberbürgermeister Zugehör
Keine Angst – uns geht es gut
Kommunaler Bildungsbericht im Kreistag vorgestellt
Kreistag beschließt mehr Geld für die Sporthalle im Volkspark

Videos Kultur

Neue Liedertour mit Karl Neukauf
75 Jahre Saxophone Joe
Alaris Schmetterlingspark.m4v
Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter
Jukebox im Clack Theater Wittenberg


FIW mbH & Co. KG, Wittenberger Sonntag/Freizeit Magazin, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: