Dieser kleine rote Nistkasten befindet sich noch auf einem Verkehrsschild am Schlossplatz. Foto: Wolfgang Gorsboth

Dieser kleine rote Nistkasten befindet sich noch auf einem Verkehrsschild am Schlossplatz. Foto: Wolfgang Gorsboth

11.03.2020

Keinen Sinn für „gesellschaftlich relevanten Blödsinn"

Weisung der Fachaufsichtstbehörde zur Entfernung von Nistkästen

Wittenberg (WiSo). Eine dreiseitige Weisung wurde  seitens des Landrates des Landkreises Wittenberg an den Oberbürgermeister der Lutherstadt Wittenberg übergeben. Der Fachdienstleiter Ordnung und Straßenverkehr Herr Holger Zubke überbrachte die wichtige Botschaft gleich persönlich.

Inhalt dieser dringlichen Mitteilung ist die „Weisung der Fachaufsichtstbehörde zur Entfernung von Nistkästen über Verkehrszeichen in der Lutherstadt Wittenberg Schlossstraße und Schlossplatz“. Beide Nistkästen müssen bis zum 13. März unter Beachtung der artenschutzrechtlichen Auflage entfernt werden. „Der Landkreis ist über den Vollzug zu unterrichten. Der sofortige Vollzug der fachaufsichtlichen Weisung zur Entfernung der Nistkästen wird angeordnet“. 

In über einer Din A4 Seite wird der Lutherstadt begründet, dass: 

1. Nistkästen nicht zu Verkehrszeichen gehören. 

2. Nistkästen (auf Grund der roten Farbe) den Verkehrsteilnehmer ablenken können. 

3. Vögel die Verkehrszeichen während des Brütens beschmutzen. 

4. An- und abfliegende Vögel Verkehrsteilnehmer ablenken. 

5. Es aber auf die tatsächliche Nutzung des Vogels nicht ankommt, da die abstrakte Gefahr bereits die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs beeinträchtigt. 

Sollte die Entfernung der Nistkästen nicht vollzogen worden sein, wird der Landkreis von seinem Selbsteintrittsrecht Gebrauch machen und die Kästen auf Kosten der Stadt entfernen. 

Dazu Oberbürgermeister Torsten Zugehör: 

„Die Entfernung der Nistkästen haben wir uns bereits selbst auferlegt und werden das auch veranlassen. Doch weiß der Kuckuck, hat der Landkreis nicht wichtigere Aufgaben zu erledigen und was machen wir denn jetzt mit den anderen 3 Nistkästen? 

Hintergrund der anonymen Vogelhaus-Aktion:

Kunst oder praktizierter Vogelschutz – oder beides? Die von Unbekannten in der Wittenberger Altstadt auf mehreren Verkehrsschildern montierten Nistkästen haben für Spekulationen gesorgt. Während die Wittenberger und Gäste der Stadt die Aktion positiv bewerten und die Stadtverwaltung entspannt bleibt, denken die verantwortlichen Bürokraten in der Kreisverwaltung bereits über eine Entfernung nach, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. 

Der von Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) in einer Fernsehsendung des MDR geäußerten Bitte sind nun die Initiatoren der originellen Idee nachgekommen und haben sich in einem „Bekennerschreiben“ geoutet, „verschickt aus einem verdunkelten Internetcafé in der hintersten Ecke unserer Republik“, wie es in dem an den OB adressierten Brief heißt, dem zum Beweis seiner Echtheit ein Foto aus der Vorbereitung der Aktion beigefügt ist. Zugehör, der den Brief gegen Ende der Stadtratssitzung am Mittwochabend mit sichtlicher Freude verlas, dankte den Verfassern und lobte den Inhalt als „gute Botschaft“. Ihre Anonymität gaben die Verfasser im Brief indes nicht preis. 

Zeitgleich haben die Initiatoren auch in einem ländlichen Kreis in Thüringen und in der Hauptstadt Berlin diese Aktion durchgeführt, dort habe es jedoch kein nennenswertes Feedback gegeben: „Einzig in Wittenberg hat die Idee gezündet und sich medial als Ursprungsort einen Namen gemacht“, schreiben die Initiatoren, die sich selbst als „eine Gruppe industriell geprägter Akademiker mit Kapazitäten im Kopf für gesellschaftlich relevanten Blödsinn“ bezeichnen. 

Man verfolge die Idee, „Dinge anders zu nutzen, als die Menschheit es im täglichen Umgang kennt“. Dabei gehe es darum, nützliche Dinge mit anderen nützlichen Dingen zu verbinden, ohne dabei etwas zerstören zu wollen. Die von den Pfeilern der Verkehrsschilder entfernten Abdeckkappen liegen im Nistkasten, so dass den Akteuren nicht einmal Diebstahl unterstellt werden kann. Dass das Montieren der Nistkästen im öffentlichen Raum eine Konfrontation mit verschiedenen Rechtsansichten auslösen werde, sei ihnen im Vorfeld bewusst gewesen: „Wir haben mit Spannung die Reaktionen erwartet und sind über den Umgang der Stadt Wittenberg mit der neuen Situation begeistert.“ 

Weiter schreiben die Initiatoren: „Wir denken, dass sich Wittenberg damit in einer hervorragenden Ausgangsposition für neue Lösungsansätze bei urbanen Herausforderungen unserer Zeit befindet.“ Dem Rat, die Nistkästen-Aktion „als Signal zu erkennen, über den Tellerrand zu schauen“, folgt die Feststellung, dass solche neuen Ansätze auch mit Blick auf die Landesgartenschau 2026 gefragt seien.





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