In der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek im Wittenberger Schloss wurden Fragmente besonders seltener mittelalterlicher Handschriften entdeckt: Hier ein Detail aus einem Graduale um 1490. Foto: RFB

In der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek im Wittenberger Schloss wurden Fragmente besonders seltener mittelalterlicher Handschriften entdeckt: Hier ein Detail aus einem Graduale um 1490. Foto: RFB

06.03.2020

Ausstellung zeigt mittelalterliche Handschriftenfragmente

Neuentdeckungen aus dem 13. Jahrhundert im Schloss

Wittenberg (WiSo). „Wiederverwendet. Wiederentdeckt. Mittelalterliche Handschriftenfragmente als Bucheinbände“ ist der Titel der neuen Kabinettausstellung, die die Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek bis zum 20. Mai im Schloss zeigt. 

In der Ausstellung werden erstmals zwei Handschriftenfragmente des 13. Jahrhunderts zu sehen sein, die erst 2019 wiederentdeckt worden sind. Daneben werden weitere wertvolle Fragmente aus dem Mittelalter präsentiert und über die Überlieferung und Restaurierung solcher Stücke informiert. 

Bei einem der 2019 wiederentdeckten Handschriftenfragmente handelt es sich um ein Blatt des Nikodemus-Evangeliums, das Heinrich von Hesler ins Deutsche übertragen hat. Das Fragment wird auf die Zeit um 1215 bis 1225 datiert und ist damit deutlich älter als alle bislang bekannten Textzeugen. Das apokryphe Passionsevangelium besaß im Mittelalter große Bedeutung und entfaltete bis in die frühe Neuzeit hinein eine reiche Wirkungsgeschichte in der mittelalterlichen Kunst und Literatur. 

Das zweite wiederentdeckte Fragment bietet einen Teil des sogenannten St. Trudperter Hohelieds, einer Auslegung des biblischen „Hohelied Salomos“. Das Fragment stammt aus einer Handschrift, die im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts entstand, womit es zu den frühesten Textzeugen dieses Werkes gehört. Beide Fragmente wurden in Bucheinbänden von Drucken des 17. Jahrhunderts gefunden. Da geistliche Dichtung des 12. und 13. Jahrhunderts in deutscher Sprache sehr selten überliefert ist, bezeichnen Experten beide Wittenberger Fragmentfunde als Sensation, weil sie wichtige neue Quellen für die altgermanistische und kulturwissenschaftliche Forschung darstellen. 

Die weiteren Stücke stammen aus dem 9. bis 15. Jahrhundert. Einige der ausgestellten Fragmente gehören zu Handschriften medizinisch-pharmazeutischen, juristischen und geschichtlichen Inhalts, zumeist aber waren sie Teil liturgischer Handschriften wie Missalen und Gradualen. Auch ein Brevier (Buch für Stundengebete) aus der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts befindet sich darunter. Ein Blatt eines lateinischen Psalters mit Interlinearübersetzung ins Altsächsische stammt aus dem 10. Jahrhundert. Diese beiden Stücke gehören zu den ältesten Schriftzeugnissen, die überhaupt in Wittenberg aufbewahrt werden.  

Hinweis 

Die Ausstellung kann bis 20. Mai 2020 während der Öffnungszeiten in den Räumen der Forschungsbibliothek im Wittenberger Schloss besichtigt werden, der Eintritt ist frei. 

Führungen werden vom Kurator der Ausstellung, Pfarrer Matthias Piontek und dem Leiter der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek, Dr. Matthias Meinhardt, an folgenden Terminen angeboten: 20., 27. März und 3. April, jeweils um 14 Uhr, sowie am 11. März um 18 Uhr. 

Gerne können auch Sonderführungen unter der Rufnummer 03491/50 69-200 oder E-Mail: vereinbart werden.




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