Johannes Winkelmann stellte den Entwurf für ein neues Selbstverständnis des Bündnisses „Wittenberg weltoffen“ vor. Foto: Archiv / Wolfgang Marchewka

Johannes Winkelmann stellte den Entwurf für ein neues Selbstverständnis des Bündnisses „Wittenberg weltoffen“ vor. Foto: Archiv / Wolfgang Marchewka

26.02.2020

Bündnis „Wittenberg weltoffen“ setzt neue Schwerpunkte für 2020

Für respektvolles Miteinander, gegen Demokratiefeindlichkeit

Wittenberg (wg). „Demokratiefeindlichkeit und Hass treten wir konsequent entgegen und beziehen Stellung – im Alltag und dort, wo wir uns engagieren. Wir stehen für ein weltoffenes, demokratisches Wittenberg“, heißt es in einem Entwurf für ein neues Selbstverständnis des Bündnisses „Wittenberg weltoffen“, welches im Mehr-Generationen-Haus von Johannes Winkelmann, pensionierter Geschäftsführer der Wittenberg Marketing GmbH und von Anfang an Mitstreiter des Bündnisses, vorgestellt wurde.

Erarbeitet wurde der Textvorschlag von einer von vier Arbeitsgruppen, die sich im Rahmen der Zukunftswerkstatt gegründet hatten (der Wittenberger Sonntag berichtete). Das bisherige Selbstverständnis wurde im Herbst 2015 formuliert, damals hieß es unter anderem: „ Wir wenden uns gegen Anfeindungen gegenüber Asylsuchenden und Kriegsflüchtlingen. Wir übernehmen Verantwortung für Menschen in Not...“. 

Standen am Anfang Aufnahme und Unterbringung der viele Geflüchteten im Fokus, so geht es jetzt vor allem um das „respektvolle Zusammenleben“ und ein „kulturvolles Miteinander“. Alle Menschen müssten unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder Religion in Wittenberg gleichberechtigt zusammenleben können und hier eine neue Heimat finden, ob vorübergehend oder dauerhaft. Weiter heißt es, dass sich das Bündnis einsetze „für Demokratie und Toleranz in einer pluralen Gesellschaft, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.“ Das neue Selbstverständnis soll im Frühjahr beschlossen werden. 

Die Arbeitsgruppe Social Media/Hate Speech will die digitale Kommunikation nicht dem rechtsextremen Spektrum überlassen, denn wie sehr das Internet zur Plattform aggressiven Hasses epidemischen Ausmaßes geworden ist, spüren nicht nur jene, die sich für Integration einsetzen, sondern auch junge Wittenberger, die sich für „Fridays for Future“ engagieren. „Viele unserer älteren Bündnis-Mitstreiter sind in den Social Media nicht präsent, wissen auch nicht, wie diese funktionieren“, berichtete Tobias Thiel, amtierender Direktor der Evangelischen Akademie und ebenfalls von Anfang an im Bündnis aktiv. 

Ein Veranstaltung im Sommer soll über Hass im Netz und über Fake-News informieren und dabei auch zeigen, wie die rechte Szene gezielt mit Trolling das Internet kapert, um den falschen Eindruck zu verbreiten, Ausländerhass, Antisemitismus und andere rechtsextreme Einstellungen entsprächen widerspiegelten die Meinung der Mehrheitsgesellschaft. „Trolle sind bewusste Hetzer, die das Netz kapern, um normale User zu vertreiben und den öffentlichen Diskurs zu dominieren“, erklärte Thiel. 

In einer zweiten Veranstaltung müsse thematisiert werden, wie man auch auf regionaler Ebene rechtsextremen Trollen etwas entgegensetzen könne, damit diese im Netz nicht das letzte Wort haben. Thiel verwies auf die Facebook-Gruppe „#ichbinhier“, die von Prominenten wie der Journalistin Dunja Hayali unterstützt wird und die Hasskommentare im Netz identifiziert und darauf mit einer sogenannten Counterspeech reagiert, um ein sachliches Gegengewicht zu schaffen. 

 Konferenz für Demokratie 

In der Arbeitsgruppe Veranstaltungen wird über neue Formate nachgedacht, in der vor allem gemeinschaftsstiftende Aktivitäten im Mittelpunkt stehen wie zum Beispiel regelmäßiges Picknick ab Mai am Spielplatz/Luthergarten in der Andreasbreite oder alternativ im Neubau-Quartier. Noch vor Gründung des Bündnisses im November 2015 gab es ein solches Picknick im Volkspark mit sehr guter Resonanz. 

Die Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin zeigt vom 3. September bis 4. November die Wanderausstellung „Du hast Recht(e). Das Mobile Lernlabor“ der Bildungsstätte Anne Frank, dazu wird es ein umfassendes Begleitprogramm geben. Gemeinsam mit dem Bündnis und der Evangelischen Akademie möchte Gedenkstättenleiterin Melanie Engler in der Lutherstadt eine zentrale Veranstaltung mit dem Arbeitstitel „Demokratiekonferenz“ durchführen, um „ein Bewusstsein für die Bedeutsamkeit von Vielfalt, Pluralität und Teilhabe zu schaffen.“ 

Im September soll es zum Weltfriedenstag wieder eine Fahrradtour mit Exkursionen zu Orten der Erinnerungen geben wie dem Ausländerfriedhof in Apollensdorf, dem Denkmal zur Begegnung der sowjetischen und US-amerikanischen Truppen an der Elbe und das Mahnmal des Strafgefangenenlagers, mit Start am WASAG Informations- und Dokumentationszentrum in Apollensdorf-Nord. Außerdem will sich das Bündnis am „Lutherstraßenfest“ am 29. August beteiligen, in Kooperation mit dem Studiokino der Cranach-Stiftung Filme zum Thema Flucht und Vertreibung zeigen und Malaktionen für ein buntes und weltoffenes Wittenberg im öffentlichen Raum durchführen. 

Fördermittel 

Derzeit sind weder die interne Koordinierungsstelle beim Landkreis Wittenberg noch die externe bei einem freien Träger besetzt, so dass ungewiss ist, ob aus dem Bundesprogramm „Partnerschaft für Demokratie“ in 2020 Fördermittel für Projekte des Bündnisses zur Verfügung stehen. Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (LAGFA) des Landes Sachsen-Anhalt stellt Mittel aus dem Programm „Nachbar sein“ für Projekte zur Verfügung, die der Integration und dem gesellschaftlichen Miteinander dienen, Träger und Partner könnte der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt sein. 

Hinweis 

Nächstes Treffen des Bündnisses „Wittenberg weltoffen“ ist am 31. März um 18 Uhr im Mehr-Generationen-Haus in der Sternstraße 14.





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