Constanze Zepperitz, Leiterin der Kurgärtnerei, ist Diplom-Ingenieurin für Garten- und Landschaftspflege. Foto: Wolfgang Gorsboth

Constanze Zepperitz, Leiterin der Kurgärtnerei, ist Diplom-Ingenieurin für Garten- und Landschaftspflege. Foto: Wolfgang Gorsboth

16.02.2020

Hitze und Trockenheit sorgen für neue Herausforderungen

Klimawandel bringt den Kurpark in Gefahr

Bad Schmiedeberg (wg). Die Auswirkungen des Klimawandels mit steigenden Temperaturen, markanten jahreszeitliche Verschiebungen und verstärkt auftretenden Extremereignissen wie Hitze- und Trockenperioden sind auch im historischen Kurpark angekommen. „Wir haben zwei sehr trockene Jahre hinter uns, trotz intensiver Bewässerung gibt es erste ernstzunehmende Schäden“, erklärt Constanze Zepperitz, Leiterin der Kurgärtnerei, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. 

Nicht nur Fichten und Kiefern, auch Buchen seien an ihre Grenzen gestoßen und zum Teil abgängig, acht Bäume habe man fällen müssen. „Zuerst sterben die Spitzen ab, wir setzen die Bäume dann runter, um sie zu retten, doch manchmal gehen die Bäume in wenigen Wochen komplett ein“, so Zepperitz, zumal die geschwächten Bäume schnell zu Opfern von Schädlingen und Krankheiten würden. 

Die Böden seien ausgetrocknet, ein großes Problem für die Vegetation. Selbst wenn der Oberboden derzeit relativ gut mit Wasser gesättigt seien, der tiefe Boden leide weiter unter der sogenannten hydrologischen Dürre, das sei selbst für tief wurzelnde Bäume problematisch „Auch der Dezember 2019 und der Januar 2020 waren viel zu mild und zu trocken“, warnt Zepperitz, „wenn es im Frühjahr zeitig warm wird, und der Oberboden austrocknet, müssen die Pflanzen das Wasser aus dem Unterboden holen, doch da fehlt es immer noch.“ 

Mehr als 5.500 Meter Bewässerungsanlagen wurden im Kurpark verlegt und angesichts der Dürre wird stetig nachgerüstet, um flächendeckend Bäume, Sträucher und Blumen bewässern zu können. Wie die Lutherstadt Wittenberg hat auch die Kurgärtnerei „Treegator“ genannte Bewässerungssäcke für Bäume gekauft: Durch die Perforierung am Boden des Sackes läuft das Wasser langsam und punktgenau zu den Wurzeln und wird länger im Boden gespeichert. 

„Wir haben vom Landkreis Wittenberg zur Rettung unseres historischen Kurparks eine Ausnahmegenehmigung bekommen, das Drainagewasser aus den Kliniken und das Wasser aus dem Schwanenteich zur Bewässerung der Vegetation nutzen zu können“, berichtet Kurdirektor Deddo Lehmann, „sonst wären die Schäden an den Bäumen, Sträucher und Blumen größer gewesen.“ 

Wie sich Trockenheit und Dürre der Jahre 2018 und 2019 letztlich auf den historischen Baumbestand im Kurpark auswirken, wird erst in diesem Jahr und später abzuschätzen sein. Entspannung ist nicht in Sicht: Die Wettertrends sagen voraus, dass das Frühjahr 2020 zu warm und zu trocken sein wird, sommerliche Temperaturen könnten bereits im April eintreten. „Wir müssen deshalb unseren Baumbestand auf den Klimawandel einstellen“, betont Zepperitz, „und werden verstärkt auf Baumarten wie Tulpenbaum, Robinie und Schnurbaum setzen, die für das Klima der Zukunft geeignet erscheinen.“ Das bedeute, dass perspektivisch das Landschaftsbild prägende Bäume verschwinden könnten. 

20. Geburtstag der „Gartenträume“ 

50 Historische Parks gehören zu den „Gartenträumen in Sachsen-Anhalt“, aus dem Kreis Wittenberg wurden der Kurpark Bad Schmiedeberg, Schloss und Schlosspark Pretzsch, der Sieglitzer Berg in Vockerode, Schloss und Schlossgarten Oranienbaum sowie die Wörlitzer Anlagen in das denkmalpflegerisch-touristische Landesnetzwerk aufgenommen. Mit dem „Frühlingserwachen“ startet am 20. und 21. März in Wörlitz die Geburtstagssaison. 

Am 19. Juni wird im Kurpark das Rosenfest gefeiert und am 4. Juli macht der MDR-Musiksommer Station in der Kurstadt: „Wochenend und Sonnenschein“, der berühmte Hit der Comedian Harmonists gibt das Motto vor, das sich der MDR-Kinderchor und sein künstlerischer Leiter Alexander Schmidt für dieses Konzert ausgesucht haben. Und am 19. Juli wird beim Picknicktag gemeinsam im Kurpark geschlemmt. 

Bis dahin werden noch etliche Wege mit wassergebundener Decke im Kurpark erneuert, diese sind zum Teil 15 Jahre und älter und für Fußgänger kaum mehr nutzbar. „Wir verwenden als Deckschicht Sabalith, welches länger haltbar und optisch attraktiv ist“, so Zepperitz.




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