13.02.2020

Wittenberger Sonntag liest die Westdeutsche Zeitung

Päpstliches Schreiben "Querida Amazonia": Klarer und nebulöser Papst

Düsseldorf (ots) Auch wenn unter den nach Reformen dürstenden deutschen Katholiken vor allem das Wort "Enttäuschung" die Runde machte, Franziskus bleibt sich in seinem fast hundertseitigen nachsynodalen Schreiben "Querida Amazonia" an vielen Stellen treu. Scharf und klar, wo es um sozialpolitische Analysen und Standpunkte geht. Blumig und nebulös, wo es um bestimmte katholische Grundfeste geht, an denen die einen rütteln und die die anderen auf Ewigkeiten einbetonieren wollen. Mehr, das liegt jetzt immer deutlicher auf der Hand, wird von ihm nicht mehr zu erwarten sein. 

Es gibt durchaus Passagen in der päpstlichen Nachbetrachtung zu den Problemen der neun Länder im Amazonasgebiet, die beeindrucken: wie er den dort räubernden Unternehmen ihre "Ungerechtigkeit" und "Verbrechen" vorhält; wie er die "Versklavung" und das "Elend" der indigenen Bevölkerung anprangert; wie er schließlich auch der Inkulturation das Wort redet, also dem Bemühen, in Glaubensfragen stärker die kulturellen Eigenheiten vor Ort zu berücksichtigen. Der Eurozentrismus der römischen Kurie hat in dem argentinischen Papst keinen Fürsprecher. 

Dass Franziskus das Reizthema Zölibat trotz des eklatanten Priestermangels in Amazonien und vielen anderen Ländern einfach wegschweigt, mag man vielleicht noch als Beleg verstehen, dass auch der Papst nicht allmächtig ist, sondern verzweifelt bemüht, die Fliehkräfte einer Weltkirche zu bändigen. Seine Argumentation gegen das Weiheamt für Frauen ist nun aber wiederum so krude, dass man sich wünscht, er hätte auch dazu besser geschwiegen. 

Der Synodale Weg jedenfalls, den die deutschen Katholiken gerade erst mit viel Aufwand eingeschlagen haben, um ihre Lehren aus dem Missbrauchsskandal zu ziehen, kann auf viel hoffen - auf Rückhalt aus Rom aber sicher nicht.





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