Thomas Schmid vor zwei von ihm angefertigten Porträts – das linke zeigt Curtis aus den USA und das rechte Rami aus Syrien. Foto: Wolfgang Gorsboth

Thomas Schmid vor zwei von ihm angefertigten Porträts – das linke zeigt Curtis aus den USA und das rechte Rami aus Syrien.
 Foto: Wolfgang Gorsboth

10.02.2020

Sonderausstellung im Cranach-Haus zeigt Gemälde, Zeichnungen und Holzschnitte

Thomas Schmid gewährt „Einblicke“ in sein Kunstschaffen

Wittenberg (wg). „Wir wissen alle, dass Kunst nicht Wahrheit ist. Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit begreifen lehrt, wenigstens die Wahrheit, die wir als Menschen begreifen können.“ Dieses berühmte Zitat von Pablo Picasso stellte Thomas Schmid dem Presserundgang durch seine Ausstellung im Cranach-Haus, Markt 4, voran. „Auch meine Bilder sind kein Abbild der Realität, die Landschaftsgemälde keine Naturstudien“, betonte Schmid, „vielmehr handelt es sich um Vereinfachungen und Verdichtungen auf das Wesentliche, indem das Abbild zum Sinnbild wird.“

Mit seinen Bildern versuche er, hinter das eigentlich Sichtbare zu blicken. Klare Konturen und intensive Farben bestimmen die Stadt- und Landschaftsbilder sowie Figuren und Stillleben, wobei der Blick des Künstlers stets sachlich und distanziert wirkt. Schmids bevorzugte Technik ist die Acrylmalerei, seit einiger Zeit widmet er sich auch dem Holzschnitt. „Seine Arbeiten sind durch die Neue Sachlichkeit und den Spätexpressionismus beeinflusst“, erklärte Kunsthistorikerin Dr. Marlies Schmidt. Ihre Kraft und ihren Optimismus bezögen die Gemälde aus den starke Farben und ungewöhnlichen Perspektiven. 

Unter dem Titel „Einblicke“ zeigt Schmid 30 Gemälde, Zeichnungen, Holzschnitte und Skizzen, die meisten stammen aus den Jahren zwischen 2010 und 2019, denn der Wittenberger Künstler will den Ausstellungsbesuchern einen Einblick in seine jüngste Schaffensperiode gewähren. Einzige Ausnahme sind die 1982 entstandenen sechs Studien in Tempera auf Papier, die den Cranach-Hof, Markt 4, zeigen. 

„Ich hatte damals mein Atelier im Haus Markt 3“, berichtete Schmid, die Wohnungen seien auf Grund des maroden Zustands nicht mehr vermietbar gewesen. Der Zugang zum Atelier erfolgte über das Cranach-Haus, der Übergang ins Nachbargebäude just dort, wo jetzt die Sonderausstellung „Einblicke“ zu sehen ist. Vom Atelierfenster aus schaute Schmid auf das im Verfall begriffene Haus des Renaissance-Malers: „Der morbide Charme der Fassaden hatte für mich großen malerischen Reiz.“ Den beeindruckenden Architektur-Nahsichten komme heute ein hoher zeitgeschichtlicher Wert zu.

An die Gründung der Bürgerinitiative zur Rettung der Cranach-Höfe 1989 im Wohnzimmer von Eva Löber, der Direktorin der Cranach-Stiftung, kann sich Schmid noch gut erinnern. Dem daraus entstandenen Verein hält der Künstler bis heute die Treue, die Mitgliedsnummer 5 weist ihn als Mitstreiter der ersten Stunde aus. Den Kurs „Wege zur Kunst“ hat er 2002 an den Malschule der Cranach-Stiftung ins Leben gerufen und als Dozent 15 Jahre lang geleitet: „Es ist Zeit für neuen Wind“, begründete er die Übergabe des Staffelstabs an Siegfried Appelt. Der Malschule bleibe er jedoch erhalten. 

Zur Person 

Thomas Schmid, 1952 in Leipzig geboren, zog 1974 nach dem Studium der Berufspädagogik an der TU Dresden nach Wittenberg, wo er bis 2012 als Berufsschullehrer arbeitete. Er war Mitglied im Malzirkel des Stickstoffwerkes Piesteritz, wo er sich unter Anleitung der Brüder Manfred und Karlheinz Wenzel mit den Grundlagen der Malerei sowie mit Kunstgeschichte auseinandersetzte. 1994 wurde er in den Berufsverband der Bildenden Künstler Sachsen-Anhalt aufgenommen. 

Hinweis 

Die Ausstellung „Einblicke“ ist bis zum 22. März 2020 zu sehen, Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr, Sonntag von 13 bis 17 Uhr. Einen öffentlichen Ausstellungsrundgang mit Thomas Schmid gibt es am 25. Februar um 16.30 Uhr.




Video

Oberbürgermeister Zugehör

mehr Videos

Videos Stimmen aus der Region

Oberbürgermeister Zugehör

Videos Kultur

Schlosskirche Wittenberg Sarah Herzer an der Orgel
Schlosskirche
Alaris Schmetterlingspark
Kommunaler Bildungsbericht im Kreistag vorgestellt
Kreistag beschließt mehr Geld für die Sporthalle im Volkspark


FIW mbH & Co. KG, Wittenberger Sonntag/Freizeit Magazin, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: