Vizelandrat Dr. Jörg Hartmann und Theresia Augsten-Thoms, Abteilungsleiterin Besondere Soziale Dienste. Foto: Wolfgang Gorsboth

Vizelandrat Dr. Jörg Hartmann und Theresia Augsten-Thoms, Abteilungsleiterin Besondere Soziale Dienste. Foto: Wolfgang Gorsboth

03.02.2020

Kinder aus Problemfamilien sollen in liebevollen Pflegefamilien aufwachsen

Jörg Hartmann: „Wir sind in Sachsen-Anhalt Vorreiter!“

Wittenberg (wg). „Wir haben unser erstes Ziel erreicht, Kinder unter sechs Jahren, die wegen gravierender Probleme nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern leben können, in Pflegefamilien unterzubringen“, resümiert Vizelandrat Dr. Jörg Hartmann (CDU) im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Nun wolle man in Übereinstimmung mit dem Kreistag dieses Vorhaben auf alle Kinder unter 12 Jahren ausweiten. 

„Wenn die Hilfen zur Erziehung für Problemfamilien nicht mehr ausreichen, sind die kleinen Kinder in einer geeigneten Pflegefamilie besser untergebracht, als im Heim“, erklärt Hartmann. Die Entscheidung pro Pflegefamilie mag kurzfristig mit Mehrausgaben verbunden sein, jedoch könne die im Interesse des Kindswohls bessere Variante mittelfristig sogar die preiswertere sein: Kostet eine Heimunterbringung pro Kind und Jahr circa 40.000 Euro, werde für die Vollzeitpflege in einer Familie rund 12.000 Euro aufgewendet, wobei sich der Kreis Wittenberg bisher als einziger in Sachsen-Anhalt an die Empfehlungen des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge orientiert und höhere Zuschüsse für die Kosten der Erziehung und materiellen Aufwendungen bezahlt hat, als das Land bislang erstattete.

„Inzwischen orientiert sich auch das Land an diese Richtsätze“, sagt Hartmann, „unser Ansatz, Pflegefamilien bestmöglich zu unterstützen, ist also richtig, wir sind hier Vorreiter.“ Seit August 2019 wendet das Jugendamt ein „Mehrbedarfs-Tool": Für Pflegekinder, die aufgrund von gesundheitlichen Beeinträchtigungen besonderer Unterstützung bedürfen, können die Pflegeeltern bis zum dreifachen Erziehungsbetrag beantragen.

 „Dieses Tool ist ein Novum, das andere Landkreise nicht haben“, bestätigt Theresia Augsten-Thoms, Abteilungsleiterin Besondere Soziale Dienste, „zusätzlich werden sowohl der Erziehungsbetrag als auch die unterhaltssichernden Leistungen ständig der realen Kostenentwicklung angepasst.“ Eng arbeite man mit dem Verein der Pflege- und Adoptivfamilien Anhalt-Wittenberg zusammen, alle Mitarbeiterinnen ihrer Abteilung seien Mitglieder dieses Vereins, der regelmäßig im Jugendhilfeausschuss über Probleme und Herausforderungen informiert.

Damit sich ein Kind trotz der erlebten Belastungen in die Pflegefamilie einleben kann, sind viele Anstrengungen nötig. „Wir suchen für das Kind die richtige Familie und nicht umgekehrt“, betont Augsten-Thoms, „dabei sind auch die Wünsche der Herkunftsfamilie zu berücksichtigen. Dass die Pflegeltern mit den leiblichen Eltern zusammenarbeiten, ist gesetzlich vorgeschrieben.“ So müsse geprüft werden, ob zu einem späteren Zeitpunkt eine Rückkehr des Kindes in seine ursprüngliche Familie möglich sei, die Erfahrung zeige, dass dies in den meisten Fällen nicht angezeigt sei. 

„Die passende Pflegefamilie zu finden, ist nicht einfach, denn die Fallzahlen nehmen zu“, berichtet die Abteilungsleiterin. Manche Eltern seien alkohol- oder drogenabhängig und schafften es kaum, für sich selbst zu sorgen, andere seien mit der Erziehung völlig überfordert und benötigten die Hilfe des Jugendamtes. 

„Ob eine Familie als Pflegefamilie geeignet ist, wird bei uns im Amt geprüft“, so Augsten-Thomas, „anschließend übernimmt das Fachzentrum für Pflegekinderwesen Sachsen-Anhalt vor Ort die Schulung, die erfolgreiche Teilnahme an diesen Seminaren ist Pflicht.“ Regelmäßig finden im Jugendamt sogenannte Hilfeplan-Gespräche mit den Pflegeeltern und leiblichen Eltern statt, viermal im Jahr bietet das Fachzentrum Supervisionen an und Jugendamt und Verein laden regelmäßig zu Fortbildungen ein, die Kosten werden vom Kreis übernommen. 

Aktuell gibt es im Landkreis Wittenberg 119 Pflegestellen, die auf 105 Familien für die Vollzeitpflege und 14 Familien für die Bereitschaftspflege entfallen. Letztere wird benötigt, wenn zum Beispiel die alleinerziehende Mutter kurzfristig in die Klinik muss oder wenn von Amtswegen eine Inobhutnahme angeordnet wird. In der Bereitschaftspflege stehen 23 Plätze zur Verfügung, sie dienen vor allem als Notpuffer, aktuell sind 11 Kinder in einer Bereitschaftspflege- und 123 in einer Vollzeitpflegefamilie untergebracht. 

Hinweis

Der Landkreis sucht Familien für die Vollzeit- und Bereitschaftspflege, ebenso für Adoptionen. Interessenten melden sich bei Theresia Augsten-Thoms, Tel.: 03491/479-230, e-Mail:

In Vorbereitung ist ein Verbund mit den Nachbarlandkreisen Anhalt-Bitterfeld, Jerichower Land sowie die Stadt Dessau-Roßlau zur Gründung einer gemeinsamen Adoptions-Vermittlungsstelle, um künftig gezielter und effektiver zur Adoption freigegebene Kinder und Adoptiveltern zusammenzubringen.




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