25.01.2020

Wittenberger Sonntag liest die Rheinische Post

Tempo 130: Warum nicht?

Düsseldorf (ots) Ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen wäre ein Eingriff in individuelle Freiheitsrechte: Wer das sagt, äußert nicht eine Meinung, sondern beschreibt ein Faktum. Die Frage, die jetzt - wieder - zu diskutieren ist, lautet: Gäbe es dafür ausreichende Gründe? 

Neu ist, dass der ADAC sich erstmals nicht grundsätzlich dagegen ausspricht. Vernünftige Gründe für unbegrenztes "Heizen" gab es ohnehin immer weniger. Wann kann man denn deutlich schneller als 130 fahren? Auf vielen Abschnitten gilt längst ein Tempolimit, gerade in NRW; auf anderen bestimmen Staus den Verkehrsfluss. Auf Langstrecken ist ein Durchschnitt von 100 bis 120 Kilometer pro Stunde selten zu toppen, nur nachts geht es schneller. "Freie Fahrt für freie Bürger", das war einmal.

Und ist es denn wirklich ein Ausdruck von Freiheit, ein paar Kilometer mit 200 oder 250 über die Autobahn zu knallen? Selbst Menschen, die Spaß daran haben und Autos mögen, sehen solche Vollgasetappen als eher unvernünftig an. Denn Verbrauch und Umweltbelastung steigen, erst recht, wenn man immer wieder bremst und beschleunigt. Die Folgen von Unfällen sind schwerwiegender, es geht also um Menschenleben. Und das Miteinander von schnellen und langsamen Fahrzeugen führt gelegentlich zu einer Aggressivität am Steuer, für die sich bei aller Freude am Fahren kein Verständnis aufbringen lässt. 

Unserer Gesellschaft täte mehr Gelassenheit gut, auch auf der Autobahn. Wenn jetzt die Bleifuß-Lobby einlenkt, könnte ein neuer Tempolimit-Vorstoß eine politische Mehrheit finden. Knapp zwei Jahre vor der nächsten Bundestagswahl, bei der ein schwarz-grünes Bündnis gute Chancen haben dürfte, mag die Zeit gekommen sein. Und warum auch nicht? Die Vernunft spricht dafür, die Freiheit würde kaum eingeschränkt.





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