Jutta Brinkmann (r.), Vorstandsvorsitzender der Stiftung Christliche Kunst Wittenberg und die Kunsthistorikerin Dr. Ulrike Brinkmann bereiten im Schloss die neue Sonderausstellung mit Arbeiten aus dem religiösen Werk von Paul Sinkwitz vor. Foto: Wolfgang Gorsboth

Jutta Brinkmann (r.), Vorstandsvorsitzender der Stiftung Christliche Kunst Wittenberg und die Kunsthistorikerin Dr. Ulrike Brinkmann bereiten im Schloss die neue Sonderausstellung mit Arbeiten aus dem religiösen Werk von Paul Sinkwitz vor. Foto: Wolfgang Gorsboth

16.01.2020

Retrospektive des religiösen Gesamtwerkes von Paul Sinkwitz

Kunst zur Ehre Gottes im Wittenberger Schloss

Wittenberg (wg). Die Stiftung Christliche Kunst zeigt im Schloss unter dem Titel „Credo. Paul Sinkewitz - Das religiöse Werk" einen Querschnitt aus dem umfangreichen Nachlass, den Bettina Sinkwitz-Schau, Tochter des Künstlers, der Stiftung im Sommer 2018 überlassen hatte. Die Sonderschau ist bis zum 29. März 2020 zu sehen. 

Das religiöse Nachlass von Paul Sinkwitz (1899-1981) umfasst insgesamt 130 grafische Blätter, Zeichnungen, Schriftblätter, Entwürfe für Wand- und Fensterbilder in Kirchen sowie Druckstöcke. „Aus diesem umfangreichen Oeuvre zeigen wir eine Retrospektive des religiösen Werkes“, erklärt Jutta Brinkmann, Vorstandsvorsitzende der Stiftung, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. 

Obwohl Sinkwitz zu den bedeutendsten Vertretern der Werkkunst zählte und ein vielseitiger Maler und Grafiker war, geriet er wie so viele Künstler seiner Generation, die im Nationalsozialismus politisch verfolgt wurden und nach dem Zweiten Weltkrieg von Ost- nach Westdeutschland gingen, in Vergessenheit. In der Oberlausitz, wo Sinkwitz früh das harte Leben der Weber kennenlernte, wurde seine tiefe Frömmigkeit geprägt, im Ersten Weltkrieg seine pazifistische Grundhaltung. 

„Einen Großteil seines Lebens verbrachte Sinkwitz in unruhigen und von Umbrüchen geprägten Zeiten“, berichtet die Kunsthistorikerin Dr. Ulrike Brinkmann. Wie viele Künstler seiner Generation habe er in der Passion Christi die Projektionsfläche für das persönlich Erlebte gefunden. Biblische Themen beanspruchen in seinem Werk eine besondere Bedeutung, das betrifft sowohl grafische Einzelblätter als auch illustrative Zyklen wie die Perikopen-Bilder zu den Sonntagsevangelien. 

Die Arbeiten sind von Innigkeit und einer eindringlichen, klaren Darstellung geprägt, indem er Erzählerisches ausspart und sich auf das Wesentliche, das Sinnbildliche konzentriert, entfalten die Bilder eine besondere Wirkung. Insbesondere die kraftvoll schlichte Sprache des Holzschnitts weist ihn als einen handwerklich versierten Könner aus, der sich einer großen Tradition verpflichtet fühlt. Die Wirkung der Arbeiten besteht im Einklang von Thema und Technik, Inhalt und Form. 

„Das Religiöse durchdringt bei Sinkwitz alle Lebensbereiche“, betont Ulrike Brinkmann. In der NS-Zeit war er Mitglied der Bekennenden Kirche und setzte sich für politisch und rassistisch Verfolgte ein, wurde deshalb denunziert und aus dem Lehrbetrieb an der Staatlichen Akademie für Kunstgewebe Dresden zwangsentfernt. In der noch jungen DDR setzte der Künstler die Grafik bewusst als Mittel der christlichen Verkündigung ein und sah sich zunehmend Behinderungen ausgesetzt, so dass er 1955 einem Ruf nach Stuttgart folgte und an der Höheren Fach- und Meisterschule einen Lehrauftrag für Schrift, Grafik und bildhaftes Gestalten übernahm. 

„Nach seinem Umzug nach Stuttgart und der persönlichen Begegnung mit HAP Grieshaber wird Sinkwitz’ Grafik freier und flächiger“, erklärt Ulrike Brinkmann. In jene Zeit fallen auch große Aufträge für Wand- und Fenstergestaltungen christlicher Einrichtungen. Das 1960 für die Diakonissenhauskirche Dresden geschaffene Wandbild „Das Heilige Abendmahl“ zählt in seiner ungewöhnlichen Komposition und der reduzierten Formsprache zu den Hauptwerken im religiösen Schaffen von Sinkwitz. In der Ausstellung sind auch Schriftblätter zu sehen, so entwarf der Grafiker die Schriftfonts Sinkwitz-Gotisch und Sinkwitz-Bastard. 

1956 begann sein gerichtlicher Kampf um die Rehabilitierung und Wiedereinstellung als Professor, der 1964 schließlich zum Erfolg führte. 1980 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, verstarb Sinkwitz nach einem Schlaganfall 1981 in Bad Tölz. 

Außer dem religiösen Nachlass von Paul Sinkwitz wurden der Stiftung auch Arbeiten des jüdischen Malers und Grafikers Ernst Kaufmann (1882-1964) aus Leipzig zugeeignet. In diesem Jahr wird die Stiftung wieder einen Kunstpreis vergeben und in 2021 einen Künstlerwettbewerb in Kooperation mit einer Kunsthochschule ausloben. 

Hinweis

Die Sinkwitz-Ausstellung ist täglich von 10 bis 16 Uhr, sonntags von 12 bis 16 Uhr zu sehen. Die Sonderschau ist auf zwei Räume beschränkt, in den anderen zeigt die Stiftung wieder Highlights aus ihrer Sammlung, darunter Werke von Picasso, Chagall, Dix, Beuys und Kollwitz.




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