14.01.2020

Wittenberger Sonntag liest die Berliner Morgenpost

Berlin braucht keine Loveparade

Berlin (ots) Gentrifizierung ist ein absurder Vorgang. Jemand bringt Kreativität und Leben in eine heruntergekommene Gegend. Auf der Verwahrlosung entsteht etwas Neues, es hat Erfolg - und der birgt gleichzeitig den kommenden Niedergang. Denn Erfolg macht attraktiv, immer mehr Menschen wollen daran teilhaben. Und Geld verdienen. Aus dem Trend wird ein Massenphänomen, Kommerz, Uninteressantes. Das Leben und die Kreativität ziehen weiter. 

Was der Prenzlauer Berg für die Berliner Szeneviertel war, war die Loveparade für die Clubszene: die Wiege der Gentrifizierung. Absurder wird es nur, wenn der Gründer der Loveparade 30 Jahre später gegen die Verdrängung in der Clubszene kämpft, indem er die Loveparade zurückholt. Und das auch noch zehn Jahre nachdem es bei der hypertrophen Nachfolgeveranstaltung der Loveparade in Duisburg zu einer tödlichen Massenpanik kam. 

Dr. Motte in allen Ehren. Er hat recht, wenn er bei der Präsentation seines Vorhabens vom guten Image schwärmt, das seine Technoszene Berlin verpasst hast. Er hat auch recht, wenn er beklagt, dass immer mehr Clubs wegen Lärmschutzauflagen und steigender Mieten verdrängt werden. Aber eine neue Loveparade als Rettung? Ernsthaft? In der Spätphase des legendären Raves flossen im Tiergarten Alkohol, Urin und sonstige Körperflüssigkeiten in derartigen Strömen, dass alle nur noch froh waren, wenn der allsommerliche Spuk vorbei war - und die Loveparade aus Berlin verschwand. Das Image der überbordenden Massenveranstaltung wird die Loveparade auch per Fundraising nicht mehr los. Auch die Erinnerung an die 21 Toten von Duisburg nicht. Die Loveparade ist zurecht eine wichtiger Teil der Berliner Geschichte. Aber das sollte sie auch bleiben.




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