Mario Lindemann im Gehege der in Madagaskar beheimateten Kattas. Fotos: Wolfgang Gorsboth

Mario Lindemann im Gehege der in Madagaskar beheimateten Kattas. Fotos: Wolfgang Gorsboth

13.01.2020

Tierische Attraktionen und beachtliche Zuchterfolge im kleinsten Zoo

Tierparkleiter Mario Lindemann verabschiedet sich schweren Herzens

Wittenberg (wg). „Der Abschied fällt mir schwer“, sagt Mario Lindemann im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag: 23 Jahre lang hat der gebürtige Naumburger den Wittenberger Tierpark mit Leidenschaft geleitet und den laut Eigenwerbung „kleinsten Zoo Sachsen-Anhalts“ dank erfolgreicher Zuchten seltener Tierarten über die Grenzen des Bundeslandes hinaus bekannt gemacht. 

Aufgrund einer lebensbedrohlichen Allergie, gegen die zuletzt auch Spritzen nicht mehr halfen, darf der 58-Jährige nicht mehr mit Tieren arbeiten, er ist berufsunfähig. Die Leitung übernommen hat als langjähriger und erfahrener Mitarbeiter Matthias Seifert. 

Unter Lindemanns Leitung entwickelte sich der Tierpark zu einem Schmuckstück, der von Einheimischen und Touristen gleichermaßen honoriert wird. „So erfreulich der Besucherzuspruch auch ist, Zoos dienen heute in erster Linie der Arterhaltung“, betont Lindemann, „und dass wir als kleine Einrichtung Bestandteil dieser wertvollen Arbeit sein dürfen, erfüllt uns mit Stolz und Freude.“ Für viele Tierarten seien Zoos das letzte Refugium, eine Art Arche Noah. 

Im Wittenberger Zoo liegt der Schwerpunkt auf den in Süd- und Mittelamerika beheimateten Krallenaffenarten sowie dem europäischen Nerz. „Für die Flora und Fauna war Brasilien ein Garten Eden, aber unter Präsident Bolsonaro hat der Kahlschlag im Regenwald dramatische Ausmaße angenommen“, kritisiert Lindemann und fügt ein weiteres Negativbeispiel an – die gigantischen Ölpalmen-Plantagen in Indonesien. „Da wird in Größenordnungen Regenwald gerodet, um Ölpalmen anzubauen, damit die Menschen in Europa für ihr gutes Gewissen sogenannten Biosprit tanken können, doch dieser E 10-Kraftstoff beschleunigt das Artensterben.“ 

Dass sich die Primaten im Tierpark erfolgreich vermehren, hat mit den guten Haltungsbedingungen zu tun, die auch von Fachleuten und Besuchern gelobt werden. „Mit Goldkopflöwenäffchen, Lisztaffen, Springtamarine, Kaiserschnurrbarttamarine, Rotbauchtamarine, Weißgesichtseidenäffchen, Totenkopfaffen, Brazza-Meerkatzen, Schweinsaffen und Kattas verfügen wir über eine sehr interessant zusammengesetzte Primaten-Abteilung“, freut sich Lindemann und erinnert dankbar an die Spende von Lothar Brode, dem verstorbenen großzügigen Ex-Wittenberger: Insgesamt eine Million Euro stellte er zur Verfügung, mit dem Geld konnte auch das neue und mit dem Tierschutzpreis des Landes ausgezeichnete Krallenaffenhaus und die neue Anlage für Klippschliefer errichtet werden. An Lothar Brode und Ehefrau Margot erinnert eine Tafel am Klippschlifer-Gehege: „Ohne diese großzügige Spende hätte unser Tierpark sich niemals so erfolgreich entwickeln können“, betont Lindemann. 

Mit den Neubauten wurden auch neue Formen der Vergesellschaftung erprobt: Bei den Totenkopfaffen zog ein Schwarzrückenaguti-Pärchen ein, die Nagetiere harmonieren sehr gut mit den kleinen intelligenten Äffchen. Derzeit gibt es nur drei Zoos in Deutschland, die Schwarzrückenagutis halten, umso erfreulicher ist die Tatsache, dass es in Wittenberg Nachwuchs gab. Die Kaiserschnurrbarttamarine wurden mit Wildmeerschweinchen und die Klippschliefer mit Borstenhörnchen vergesellschaftet. „Von Vergesellschaftungen profitiert der Alltag der Tiere aufgrund von mehr Abwechslung und die Anlagen werden für unsere Besucher interessanter“, so Lindemann. 

Rasante Entwicklung 

Als Lindemann am 15. August 1996 Leiter wurde, war der Fortbestand des 1928 gegründeten Tierparks keineswegs gesichert: Wegen Vandalismus mussten die Außengehege in den Wallanlagen geschlossen werden und Gutachter empfahlen damals der verschuldeten Stadt, sich vom Tierpark als einer freiwilligen Leistung zu verabschieden. 1996 gründete sich der Förderkreis Tierpark, der sich 1999 in Förderverein „Tierpark Wittenberg“ e.V. umbenannte und von der Stadt den Zoo übertragen bekam. Von Anfang an dabei war Tierarzt Dr. Peter Nopper, der den Verein bis heute umsichtig leitet. 

„Mit der Ausgliederung aus der Stadt und der Übernahme durch den Förderverein war die Zukunft gesichert, gleichzeitig entwickelte sich der bis dato vielen Wittenbergern gar nicht bekannte Tierpark von einem hässlichen Entlein zu einem stolzen Vogel“, resümiert der ehemalige Tierparkleiter. Von den Schweins- und Rhesusaffen abgesehen habe es damals fast nur einheimische Tierarten gegeben, wo sich heute die Volieren befänden, stand früher ein kleines Ahornwäldchen. 

„Auf dieser kleinen Fläche nur heimische Tierarten zu halten, war wenig sinnvoll, weil die meisten davon dämmerungs- bzw. nachtaktiv und deshalb wenig attraktiv für Besucher waren“, sagt Lindemann. Dann ging es Schlag auf Schlag: Das 1962 errichtete Aquarium wurde 1995/96 in das erste Kaltwasser-Aquarium des Landes Sachsen-Anhalt umgestaltet, 1999 der Grundstein für das neue Sozialgebäude mit dem angeschlossenen Affenhaus gelegt, es entstanden der Streichelzoo und neue Volieren, der Schildkrötenteich und 2004/05 die Erdmännchen-Anlage. 2011/12 wurde das Aquarium umgebaut, seitdem können dort Besucher die Fischarten der Elbe von der Quelle bis zur Mündung in die Nordsee beobachten. 

Unterstützung von Tierpaten 

Seit 1997 werden Tierpatenschaften vergeben, einige Tierfreunde sind von Anfang an dabei: „Diese Patenschaften sind für uns eine große Unterstützung und sie zeigen, dass sich die Wittenberger mit ihrem Tierpark identifizieren.“ Bei einigen Tierarten wie den Erdmännchen und den Affen gebe es immer wieder Wartelisten, letztlich fänden sich aber für alle Paten Tiere.




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