Siegfried Jahn, Sprecher der Bürgerinitiative „Pro Wald“

Siegfried Jahn, Sprecher der Bürgerinitiative „Pro Wald“

29.12.2019

„Pro Wald“-Sprecher Siegfried Jahn: Wälder dienen dem Allgemeinwohl

Der Wald spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel

Wittenberg (wg). „Maßlos enttäuscht und schockiert“, ist Siegfried Jahn, Sprecher der Bürgerinitiative „Pro Wald“, vom Klimagipfel in Madrid: „Trotz zweitägiger Verlängerung gab es keine konkreten Ergebnisse, die erzielten Kompromisse auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner werden die Probleme nicht lösen, die Maßlosigkeit im Verbrauch der natürlichen Ressourcen geht weiter, weil der Profit wichtiger ist als die Sicherung der Lebensbedingungen für künftige Generationen.“

Dass die Europäische Union den Klimanotstand ausgerufen habe, sei indes zu begrüßen: „Unser Klima ist bedroht, der Zustand unserer Wälder katastrophal.“ Die weltweiten Kohlendioxid-Emissionen hätten sich in diesem Jahrzehnt bereit verdoppelt und seien damit doppelt so schnell gestiegen wie in den 1990er Jahren. Die Konsequenz: Die Erdatmosphäre heizt sich aufgrund des Treibhauseffektes immer weiter auf.

„Der Klimawandel trifft uns schlimmer und schneller als wir angenommen haben“, sagt Jahn. Bereits heute schon seien rund 200 Millionen Menschen weltweit von den Folgen wie Flutwellen, Großbrände, Wirbelstürme und Dürrekatastrophen betroffen. Die Maßlosigkeit, mit welcher der Mensch die Natur plündere, müsse ein Ende haben. Eine Schlüsselfunktion im Kampf gegen den Klimawandel komme den Wäldern zu: „Die Wälder der Erde enthalten ungefähr soviel Kohlenstoff wie die Atmosphäre und stellen damit einen wichtigen Speicher im globalen Kohlenstoffhaushalt dar.“ Dieses Gleichgewicht werde gestört - durch die Freisetzung von jährlich sechs Milliarden Tonnen Kohlenstoff durch die Verbrennung fossiler Energieträger, dazu kommen weitere zwei Milliarden Tonnen durch die weltweite Zerstörung der Wälder.

„Nicht nur Regenwälder werden abgeholzt, auch bei uns ist der Holzhunger größer, als unsere heimischen Wälder liefern können“, kritisiert Jahn die industriemäßige Bewirtschaftung der Forste, die genau das Gegenteil von Nachhaltigkeit sei, weil große Holzkonzerne den Ton angeben: „Es geht ums Geld und nicht um die vielfältigen Funktionen des Waldes, zu denen der Kampf gegen Artensterben und Klimawandel sowie der Grundwasserschutz gehören.“ Der Wald diene dem Gemeinwohl und im Grundgesetz sei verankert, dass Eigentum verpflichtet, deshalb sei der Wald mehr als nur ein Wirtschaftsgut. 

Von Deutschland wünscht sich Jahn eine Vorbildrolle: „Es gibt seitens der Bundesregierung leider bis jetzt kein klares Bekenntnis zum Erhalt der Wälder, es gibt kein eigenes Ministerium für Forstwirtschaft und es gibt immer noch kein neues Waldgesetz.“ Der Bundeswehreinsatz im sachsen-anhaltischen Teil des Harzes sei nur ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen, ihn auf öffentlichen Wald zu beschränken zudem ein Fehler, denn man dürfe in dieser schlimmen Situation private Waldbesitzer nicht im Stich lassen.

Immerhin gebe es mehr private Wälder als Landeswald, unter den Eigentümern befänden sich viel tausend Kleinwaldbesitzer, die für Aufforstungen keine Kredite aufnehmen könnten. Deshalb plädiert Jahn dafür, den Privatwaldbesitzern sowie dem kommunalen Wald für Laubwald 150 Euro und für Nadelwald 100 Euro pro Hektar und Jahr zu zahlen. Außerdem fordert Jahn, die Gewässerunterhaltungskosten für den Privatwald endlich zu streichen.

„Auch alle kahlgeschlagenenund minderbestockten Flächen unter 0,6 Hektar sowie alle möglichen Freiflächen müssen erfasst und mit standortgerechten Bäumen aufgeforstet werden“, fordert der BI-Sprecher. Die dem Wald bereits entnommen Flächen sollen ihm durch das Anlegen von „Klimaschutzwäldern“ zurückgegeben werden. Ausdrücklich plädiert Jahn für regenerative Energien wie Windkraft, aber: „Waldböden sind nicht nur eine Kohlendioxidsenke, sie binden auch atmosphärischen Methan, deshalb sollte die Verdichtung von Waldböden durch schwere Technik wie Harvester sowie durch Windkrafträder grundsätzlich unterbleiben.“

Der von Agrarministerin Julia Klöckner vorgelegte 13-Punkte-Plan zur Rettung des Waldes sei ein erster Ansatz, aber den Lippenbekenntnissen müssten auch Taten folgen: „Als erstes brauchen wir eine politische Stärkung einer auf Nachhaltigkeit angelegten Forstwirtschaft und zweitens schnell und umfassend konkreter Festlegungen in einem neuen Waldgesetz.“ Die entscheidende Funktion des Waldes sei nicht mehr der Ertrag, sondern seine Klimawirkung, deshalb müsse die Waldfläche durch (Erst-)Aufforstungen vergrößert, Bäume dürften erst zum Zeitpunkt ihres maximalen Zuwachses gefällt und ihr Holz sollte vorrangig wegen der Kohlendioxid-Speicherung zu langlebigen Produkten wie Bauholz und Möbel verarbeitet, nicht aber verbrannt werden.





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