KVHS-Direktor Thomas Sagner mit dem neuen Programmheft im Sprachkabinett: links eine herkömmliche, rechts eine moderne elektronische Wandtafel (Ausschnitt). Foto: Wolfgang Gorsboth

KVHS-Direktor Thomas Sagner mit dem neuen Programmheft im Sprachkabinett: links eine herkömmliche, rechts eine moderne elektronische Wandtafel (Ausschnitt). Foto: Wolfgang Gorsboth

29.12.2019

Neue Vorhaben im Frühjahrssemester: Lernwerkstatt und Sprachkurse

Lebenslanges Lernen hat in der KVHS Wittenberg viele Facetten

Wittenberg (wg). Vor 100 Jahren, im Oktober 2019, wurde die Wittenberger Volkshochschule gegründet und schon damals gab es Kurse für Lesen, Schreiben und Rechnen, die sich gezielt an Erwachsene richteten. Und diese Kurse sind seit 2016 wieder ein zentraler Baustein in der Arbeit der Kreisvolkshochschule (KVHS). „Knapp zehn Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind funktionale Analphabeten“, erklärt KVHS-Direktor Thomas Sagner im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, im Landkreis seien circa 11.000 Menschen betroffen, in Sachsen-Anhalt rund 200.000.

Angeboten werden im Frühjahrssemester 2020 zwei Kurse für acht bis 14 Teilnehmer, die Teilnahme ist aufgrund der ESF-Förderung entgeltfrei. Zielgruppe sind Menschen, die beim Lesen und Schreiben selbst einfacher Texte scheitern, womit sie weder den Anforderungen des Arbeitmarktes noch der Gesellschaft gerecht werden, entsprechend hoch ist die Schamgrenze, sich als funktionaler Analphabet zu outen. „Das Bildungsministerium des Landes plant die Einführung von Grundbildungs-Zentren, die Kriterien werden derzeit erarbeitet“, so Sagner, die KVHS wolle sich in 2021 bewerben. 

Die KVHS will ihre Grundbildungsangebote ausweiten, der Zugang soll niederschwellig sein, in 2020 wird eine Lernwerkstatt eingerichtet: „Jeder Interessierte kann ohne feste Kursbindung zu uns kommen“, berichtet Sagner, „und das Lernen für sich neu entdecken, dabei eigene Ziele und ein eigenes Tempo entwickeln.“ Die Teilnehmer werden individuell beraten und pädagogisch begleitet, auch und das Arbeiten am PC ist möglich.

„Die Digitalisierung durchdringt immer mehr Arbeits- und Lebensbereiche“, erläutert Sagner. Dadurch würden die Anforderungen steigen, die notwendigen Fort- und Weiterbildungen könnten aber nur jene bewältigen, die das Lesen und Schreiben beherrschen. Für Ausbilder in den Betrieben sowie Sozialarbeitern gibt es spezielle Kurse. 

Im Sprachunterricht kommen sechs neue elektronische Wandtafeln zum Einsatz, mit diesen kann der Kursleiter direkt in die Lehrbücher gehen und mit Bildern untersetzte Hörbeispiele aufrufen. Zur Unterstützung individueller Lernprozesse bieten digitale Medien ein großes Potenzial, welches auch die KVHS nutzen will. Wer zum Beispiel aufgrund von Schichtarbeit nicht regelmäßig Kurstermine wahrnehmen kann, verbindet digitales Lernen via Internet mit analogem Lernen vor Ort: Verpasste Kurseinheiten werden zeitversetzt zu Hause am PC nachgeholt. 

„Die Angebote im Integrationsbereich haben wir mangels Nachfrage reduziert“, sagt Sagner. Weil die KVHS zielgruppen- und bedarsforientiert arbeitet, wird sie künftig auf Nachfrage von Wirtschaftunternehmen, die ausländische Arbeitkräfte beschäftigen, gezielt Sprachkurse für die innerbetriebliche Kommunikation und den Kundenkontakt anbieten: „Diese Mitarbeiter sind hochqualifiziert und motiviert, haben aber Sprachbarrieren.“

Im Frühjahrssemester folgen Deutschkurse für Absolventen der B1-Prüfung, die noch mehr sprachliche Sicherheit erwerben möchten. Eine weitere Zielgruppe sind Geflüchtete, die sich im Asylverfahren befinden, aber nur geringe Ausichten haben anerkannt zu werden. Werden sie es, wollen sie Deutsch lernen und arbeiten. 

Ein Drittel der Teilnehmer an Sprach- und Integrationskursen sind EU-Bürger, darunter Engländer, die wegen des Brexits die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen wollen. 

„Wir haben von Menschen mit Migrationshintergrund sehr viel gelernt“, resümiert der KVHS-Direktor, „unabhängig von Nation oder Religion ist das Verbindende größer als das Trennende.“ In den Kursen herrschte eine intensive Lernatmosphäre, Konflikte habe es nicht gegeben, und: „Unsere Kursteilnehmer waren integrationsbereit und arbeitswillig.“ Das zeige sich in der verstärkten Nachfrage im Bereich Beruf/EDV.  

Pro Jahr gibt es etwa 450 Kurse mit mehr als 10.000 Unterrichtseinheiten, bewältigt werden muss die Arbeit von den drei Fachbereichsleiterinnen Annette Wattrodt (Gesellschaft, Sprachen), Irka Schmidt (Beruf/EdV, Grundbildung/Spezial) sowie Birgit Präger (Gesundheit, Kultur). Die drei Fachbereichsleiterinnen haben nicht nur die Bedürfnisse der Kursteilnehmer im Blick, sondern sollen auch qualifizierte und motivierte Dozenten akquirieren. Dass dies bisher gelungen ist, beweist die Zertifizierung der KVHS durch den TÜV Süd, die dem Bildungsträger hohe Qualität und Kundenorientierung mit der Note 1 bescheinigt. Außerdem arbeitet die KVHS nach dem Lernorientierten Qualitätsmodell (LQW) in der Weiterbildung. 

Hinweis: 

Das Frühjahrssemester beginnt am 20. Januar, Anmeldungen werden jetzt angenommen – persönlich im KVHS-Besucherservice Falkstraße 83, oder in den Bürgerbüros des Landkreises in Wittenberg, Jessen und Gräfenhainichen, per Post mit der Anmeldekarte aus dem neuen Programmheft sowie Online unter www.kvhs.bzl-wb.de oder per vhsApp.





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