Stephan Zöllner und Ulrike Grunwald schließen am 31. Dezember 2019 die Bethel-Repräsentanz in der Collegienstraße, die sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt hatte. Foto: Wolfgang Gorsboth

Stephan Zöllner und Ulrike Grunwald schließen am 31. Dezember 2019 die Bethel-Repräsentanz in der Collegienstraße, die sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt hatte. Foto: Wolfgang Gorsboth

27.12.2019

Entstandene Netzwerke werden gepflegt - weitere Treffen geplant

Die Bethel-Repräsentanz schließt - aber kein Abgesang auf Wittenberg

Wittenberg (wg). Am 31. Dezember schließt das Lobetaler Kultur- und Begegnungszentrum in der Collegienstraße 41/42, welches am 1. August 2016 seine Pforten als Bethel-Begnungszentrum eröffnet hatte. Dessen Leiter Stephan Zöllner und Ulrike Grunwald stellen klar: „Die Schließung bedeutet zwar einen Cut, aber keinen Abgesang auf die Lutherstadt, denn die entstanden Netzwerke wollen wir weiter pflegen." 

„Es war etwas Besonderes, in der Lutherstadt zu arbeiten“, blickt Zöllner im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag auf dreieinhalb intensive Jahre zurück. Die „Wittenberger Gespräche“ und die Reihe „DenkMalStadt“ hätten zahlreiche Akteure zusammengebracht und eine neue Kultur des Dialogs geschaffen. 

Große Themen der Sozialpolitik standen dabei ebenso auf der Tagesordnung wie die Probleme zwischen Stadt und Fläche. „Da die Elbe die Stadt vom südlichen Landkreis Wittenberg trennt und nur eine Brücke im Kreis über den Fluss führt, ergeben sich schon durch die schwierige Routenplanung im Bereich der ambulanten Dienste große Versorgungslücken“, erklärt Zöllner.

Die von Bodelschwinghschen Stiftungen mit Sitz in Bielefeld-Bethel waren in die Lutherstadt gekommen, um zwei Jubiläen zu feiern: 500 Jahre Reformation und 150 Jahre Bethel. Während andere evangelische Einrichtungen die Stadt nach 2017 wieder verließen, blieb die Begegnungsstätte, widmete sich der Netzwerkarbeit und etablierte die Reihe „Wittenberger Gespräche“, die mehr als 20 Auflagen erfuhr, wobei hochkarätige Referenten aus Bethel-Einrichtungen ebenso Impulse gaben wie lokale Akteure. 

Besucher der Begegnungsstätte äußerten Wünsche und Anregungen, aber auch Sorgen wie zum Beispiel mangelnde Qualität und Zuwendung in der Altenpflege als Konsequenz des Pflegenotstandes. 

Häufig wurden Fragen zur Behandlung von Epilepsie gestellt, da es in der Region Versorgungslücken gibt. In Epilepsie, Psychiatrie und Demenz hat die Stiftung 150 Jahre Erfahrung, denn Bethel wurde 1867 als Einrichtung für Epilepsie-Kranke gegründet. 

„Immer wieder wurde der Wunsch an uns herangetragen, dass wir in der Stadt ein Gemeinschaftshaus eröffnen, in dem Junge und Alte, Behinderte und Nichtbehinderte zusammenleben“, berichtet Zöllner. Bethel wäre bereit gewesen, solche und andere Projekte in Kooperation mit örtlichen Trägern zu realisieren, doch die hätten keine Bereitschaft gezeigt. 

Das Seniorenzentrum in Bad Kösen wird deshalb vorerst die einzige Einrichtung Bethels in Sachsen-Anhalt bleiben. „Bethel wurde hier als westdeutscher Träger wahrgenommen, leider gibt es noch immer gedankliche Barrieren zwischen Ost und West“, berichtet Zöllner, „uns sind Ängste und Vorbehalte begegnet, die offenbar mit Erfahrungen der vergangenen drei Jahrzehnte zusammenhängen.“ 

Zöllner, der weiter in der Projektentwicklung bei Bethel arbeiten und in eigener Sache künftig als Organisationsentwickler freiberuflich tätig sein wird, möchte die Zeit aber nicht missen: „Trotz einiger Enttäuschungen haben wir Verbindungen für die Zukunft geschaffen.“ 

Kein völliger Rückzug, die Tür bleibt geöffnet: „Wir werden weiterhin Führungskräfteseminare und Workshops in der Lutherstadt anbieten und wir werden die in der Region entstandenen Kontakte pflegen.“ Bethel sei nach wie vor bereit, mit anderen Partnern Projekte zu realisieren. 

Hinweis 

Das nächste Treffen, zu dem Bethel am 21. Januar 2020 um 14 Uhr in den Malsaal der Cranach-Stiftung einlädt, wird diesmal von lokalen Akteuren organisiert, dabei geht es um drei Themenschwerpunkte: Alternative Lebens- und Wohnformen, professionelle Hilfe und Unterstützung, Begegnung, Gemeinschaft und Dialog. Am 21. Januar soll auch ein Terminplan für weitere Zusammenkünfte erstellt werden.




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