Im Amazon Logistics Center Winsen werden neue Waren in Müllboxen zur Vernichtung gebracht. Unbenutzte Bücher, elektronische Artikel, Textilien und andere Produkte werden von Amazon als Abfall definiert. Foto: Greenpeace

Im Amazon Logistics Center Winsen werden neue Waren in Müllboxen zur Vernichtung gebracht. Unbenutzte Bücher, elektronische Artikel, Textilien und andere Produkte werden von Amazon als Abfall definiert. Foto: Greenpeace

25.12.2019

Logistikzentrum Winsen vernichtet wöchentlich 20 Kubikmeter Lagerbestände

Greenpeace-Recherche: Amazon zerstört Neuwaren systematisch

Hamburg. Eine komplette LKW-Ladung originalverpackter und neuwertiger Waren schickt Amazon im niedersächsischen Winsen an der Luhe pro Woche zur Verschrottung. Das ergeben Recherchen von Greenpeace. Fotos und interne Dokumente, die Greenpeace vorliegen, zeigen eine Vielzahl an Produkten und belegen die Abholung durch eine Entsorgungsfirma. Ausgehend von den Erkenntnissen aus Winsen muss es sich deutschlandweit um Millionen von Artikeln handeln, die Amazon regelmäßig zerstört. 

„Es darf nicht sein, dass der Platz im Regal für den Onlinehändler anscheinend wertvoller ist als das Produkt, das drin liegt", sagt Viola Wohlgemuth, Konsum-Expertin von Greenpeace, „eine solche Verschwendung ist ein Klimaverbrechen, das wir uns in Zeiten der Klimakrise nicht mehr leisten können." 

Die Fotos zeigen unter anderem Halogen-Heizstrahler, Tonerkartuschen, Kunststoff-Trinkflaschen, originalverpackte Decken, Bettüberwürfe und Bücher. Alle Produkte sind nagelneu und nicht verderblich. Sie stammen aus Lagerbeständen von Drittanbietern und werden zerstört, um die Kosten für Lager oder Rücksendung zu vermeiden. 

Zwar erklärt Amazon öffentlich, die Menge der von ihnen entsorgten Produkte sei extrem klein, und verschrottet würde meist nur aus hygienischen Gründen oder aufgrund von Beschädigungen, konkrete Zahlen nennt der Konzern allerdings nicht. 

Doch die Greenpeace-Recherche belegt, dass besonders in der Vorweihnachtszeit riesige Mengen intakter Produkte ungenutzt in der Schrottpresse gelandet sind, und weil Amazon die Abläufe hochgradig standardisiert, sind die Handlungsweisen von Winsen auch auf andere Logistikzentren übertragbar. 

Greenpeace geht sogar davon aus, dass an anderen Standorten noch mehr Neuware zerstört wird, da vielerorts zu den Lagerbeständen noch Retourware hinzu kommt, die in Winsen nicht anfällt. 

„Amazon gibt sich nach außen gerne einen grünen Anstrich. Doch hier sehen wir die hässliche Realität eines Geschäftsmodells, das keinerlei Rücksicht auf die Ressourcen nimmt, solange es dem Profit dient", so Wohlgemuth. 

Greenpeace fordert von Amazon, die Vernichtung von Neuwaren - egal ob aus Retouren oder aus Lagerbeständen - umgehend einzustellen. Die Politik ist aufgefordert, das Spenden der Ware steuerlich zu begünstigen. Denn bisher fällt bei der Spende solcher Artikel Mehrwertsteuer an - was einen Anreiz zur Vernichtung schafft. Zudem muss mit der aktuellen Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes die Vernichtung von völlig neuwertigen Produkten verboten werden.





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