Fröhliche Menschen staunen über die Farbenpracht der Feuerwerke zum Jahreswechsel, doch sowohl der Umwelt als auch Menschen und Tieren drohen als Folge der Feiern erhebliche Schäden. Foto: Adobe Stock

Fröhliche Menschen staunen über die Farbenpracht der Feuerwerke zum Jahreswechsel, doch sowohl der Umwelt als auch Menschen und Tieren drohen als Folge der Feiern erhebliche Schäden. Foto: Adobe Stock

21.12.2019

Umweltbundesamt und Ärzte warnen vor gesundheitlichen Gefahren

Silvester als Albtraum für Menschen und Tiere

Wittenberg (wg/wm) Seit 1998 ist Jürgen Krause Vorsitzender des Tierheimvereins Wittenberg. Auch nach seiner Pensionierung blieb er Vorsitzender, weil die Arbeit mit Tieren für den inzwischen 77-Jährigen „eine Herzenssache“ geworden ist. Jetzt bereitet ihm ein Thema große Sorgen: Auch wenn für viele Menschen das Feuerwerk zu Silvester sehr viel Spaß bedeute, für die Tiere sei besonders die Knallerei gesundheitsgefährdender Stress: „Hunde und Katzen sind von den Krachern sehr betroffen, weil sie ein wesentlich feineres Gehör haben als wir Menschen“, erklärt Krause. Bei manchen Vierbeinern löse die Knallerei sogar Panik aus. 

„Hunde und Katzen sollten in der Silvesternacht in der Wohnung bleiben“, rät Krause, „optimal in einem Zimmer, das besonders lärmgeschützt ist.“ Um die Tiere so gut wie möglich vor der Knallerei abzuschirmen und um zu verhindern, dass sie panisch weglaufen, müssten die Fenster geschlossen bleiben. Und um die verängstigten Vierbeiner vor grellem Licht zu schützen, sei es ratsam, die Fenster mit Vorhängen, Rollläden oder Tüchern abzudunkeln. 

„Mein bester Rat lautet", sagt Krause, „um nicht nur die Tiere, sondern auch die Umwelt zu schützen: Keine Knaller und Böller entzünden." Und wer nicht wisse, wohin mit dem ersparten Geld, könne es für einen karitativen Zweck spenden. 

Dicke Luft zum Jahreswechsel 

Auch das in Dessau ansässige Umweltbundesamt warnt: „In der Silvesternacht steigt die Belastung mit gesundheitsschädlichem Feinstaub explosionsartig an." Denn am ersten Tag des neuen Jahres sei die Feinstaub-Konzentration vielerorts so hoch wie sonst im ganzen Jahr nicht. Bei den Feuerwerken würden allein in Deutschland etwa 4.500 Tonnen Feinstaub freigesetzt, das entspreche etwa 15,5 Prozent der jährlich im gesamten Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge. 

Doch der Feinstaub sei nicht nur ein Problem für die Umwelt: Das Einatmen gefährde die menschliche Gesundheit in mehreren Bereichen: „Die negativen Wirkungen reichen von vorübergehenden Beeinträchtigungen der Atemwege über einen erhöhten Medikamentenbedarf bei Asthmatikern bis hin zu Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen. Zudem erleiden in Deutschland in jedem Jahr zu Silvester etwa 8.000 Menschen durch Feuerwerkskörper Verletzungen des Innenohrs. Hinzu kämen noch Verbrennungen und auch blutige Verletzungen. 

Zum Fest zerfetzte Hände 

Der Amtsarzt in der Wittenberger Kreisverwaltung, Dr. Michael Hable, bestätigt die Aussagen des Umweltbundesamtes aus eigener beruflicher Erfahrung: „Ich habe schon schlimme Dinge erlebt, zum Beispiel abgerissene Finger und zerfetzte Hände, oft verursacht durch illegal aus Polen importierte und bei uns verbotene Kracher mit starker Sprengwirkung. Zusätzlich zu den vom Bundesumweltamt genannten Gefahren für die menschlichen Ohren und Atemwege kommen noch erhebliche materielle Schäden: Das Feuerwerk kann Brände auslösen und hinterlässt in jedem Jahr gigantische Müllberge. Mehrere Städte, darunter zum Beispiel Berlin, Dortmund, Düsseldorf, Hannover, Nürnberg, München und Wittenbergs Partnerstadt Göttingen haben das Silvesterfeuerwerk bereits in ihren Innenstädten auch aus Brandschutzgründen verboten. Ich bin Arzt und aus ärztlicher Sicht müsste die private Knallerei überall verboten werden!" 

X Auch wenn sich zahlreiche Deutsche gewöhnlich mit manchen Verboten schwertun, in einer repräsentativen Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts „Civey" sprachen sich 63,2 Prozent der Befragten für ein Verbot von Feuerwerkskörpern in Innenstädten aus. 

X Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Umweltbundesamtes unter https://www.umweltbundesamt.de/themen/dicke-luft-jahreswechsel 

X Für interessierte Bürgerinnen und Bürger hat das Umweltbundesamt eine kleine Broschüre produziert, die als PDF-Dokument kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden kann: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/jahreswechsel-wenn-die-luft-schneiden-ist





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