16.12.2019

Wittenberger Sonntag liest die Allgemeine Zeitung Mainz

Die wunderliche Bonpflicht ist nicht der Weisheit letzter Schluss

Mainz (ots) Manchmal muss man sich wundern. Etwa darüber, dass die Pflicht, einen Kassenbon auszuhändigen, im großen Stil Steuerbetrug an der Ladenkasse verhindern soll. Zehn Milliarden Euro sollen auf diese Weise pro Jahr durch die Lappen gehen. Das ist eine Menge Geld. Trotzdem: Die Pflicht zur Zettelausgabe ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Sie verursacht für viele Unternehmen immensen Aufwand, produziert Unmengen an Müll - und ist für den Konsumenten unsinnig. 

Vor drei Jahren wurde das Gesetz verabschiedet, erst jetzt, drei Wochen vor Start der Bonpflicht, gibt es aus dem Wirtschaftsministerium Proteste - auch darüber kann man sich wundern. Sind manche Entscheider so weit von der Realität entfernt? 

Drei Brötchen beim Bäcker, plus ein Croissant? Bitte schön: der Kassenbon! Dasselbe soll der Fall in der Apotheke sein, in der Kneipe, beim Metzger, dem Dönerladen oder beim Friseur. Der Konsument darf den Zettel liegen lassen - aber wem soll das helfen? 

Alleine zwei Millionen Kilometer an zusätzlichen Kassenbons befürchtet der deutsche Einzelhandel. Gleichzeitig soll es bis zur Einführung der neuen manipulationssicheren Kassen noch bis Herbst 2020 dauern, wobei diese doch schon dazu beitragen dürften, dass weniger geschummelt wird.

Überhaupt muss man die Steuerschlupflöcher einmal ins Verhältnis setzen: 125 Milliarden Euro insgesamt werden bei uns schätzungsweise pro Jahr hinterzogen. Gäbe es da nicht viel lohnendere Ziele, um Manipulation zu verhindern? Auch zusätzliche Betriebsprüfer würden sich vielfach lohnen - und das ganz ohne Bonsalat.




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