Joachim Zander, Vorsitzender des Geschichts- und Forschungsvereins Wasag Hautwerk Reinsdorf e.V., erläutert die geplanten Baumaßnahmen im Pförtnerhaus und der Ambulanz der ehemaligen Klinik. Foto: Wolfgang Gorsboth

Joachim Zander, Vorsitzender des Geschichts- und Forschungsvereins Wasag Hautwerk Reinsdorf e.V., erläutert die geplanten Baumaßnahmen im Pförtnerhaus und der Ambulanz der ehemaligen Klinik. Foto: Wolfgang Gorsboth

13.12.2019

Wasag-Verein erhielt Fördermittelbescheid in Höhe von 186.000 Euro

Dank guter Arbeit des ALFF: Wasag-Umbau ist in Sicht!

Wittenberg (wg). „Es hat lange gedauert, aber das Warten hat sich gelohnt“, erklärt Joachim Zander, Vorsitzender des Geschichts- und Forschungsvereins Wasag Hauptwerk Reinsdorf e.V., im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Der Fördermittelbescheid in Höhe von 186.000 Euro liegt vor, damit kann 2020 mit der Sanierung des ehemaligen Pförtnerhauses und der früheren Ambulanz des ehemaligen Krankenhauses Apollensdorf-Nord begonnen werden: Hier möchte der Verein ein Informations- und Dokumentationszentrum einrichten (der Wittenberger Sonntag berichtete). 

„Wir hatten den Antrag fristgerecht bis zum 1. März 2019 beim Landesverwaltungsamt eingereicht, doch dort kam es aus personellen Gründen zu erheblichen Verzögerungen“, bedauert Zander. Der Antrag wurde zur weiteren Bearbeitung an das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Anhalt weitergeleitet und diesem Amt bescheinigt Zander „eine richtig gute Arbeit“. 

„Eigentlich hätte unser Antrag spätestens vier Monate nach Antragstellung beschieden werden müssen, aufgrund der Verzögerung verschieben sich alle geplanten Bauleistungen auf das neue Jahr, bis Februar 2020 sollen die Ausschreibungen erfolgen“, kündigt Zander an. Den Winter wolle man für Eigenleistungen nutzen, wobei man tatkräftig von der Agrargenossenschaft Apollensdorf unterstützt werde, unter anderem sind Abrissarbeiten vorgesehen. 

Bis zum 30. September 2020 müssen die Baumaßnahmen nicht nur abgeschlossen, sondern auch abgerechnet sein. Zander ist optimistisch, den ehrgeizigen Zeitplan einhalten zu können, zumal die Baugenehmigung durch den Landkreis vorliegt, auch dank der guten Planungsleistungen der Bc Architekten und Ingenieure. „Viele Unternehmen haben uns ihre wertvolle Unterstützung zugesagt“, freut sich Zander. 

Im Herbst 2020 kann die eigentliche Arbeit beginnen: Der Aufbau einer multimedialen Ausstellung mit Originalexponaten und historischen Dokumenten zur Geschichte der Wasag im Zeitraum von der Gründung 1891 bis zur Demontage 1945. Dokumentiert werden soll nicht nur die Geschichte des Rüstungsbetriebs, sondern auch die Entwicklung der Lungenheilstätte „Robert Koch“ zum Krankenhaus Apollensdorf-Nord im Zeitfenster von 1953 bis zur Schließung 2005. 

Dabei will der Verein auch die Rolle des Rüstungskomplexes und der Zwangsarbeit im Dritten Reich thematisieren: „Wir sehen uns in der Pflicht, an die verheerenden Folgen der Kriegstreiberei in der NS-Zeit zu erinnern, dabei gilt unser besonderes Gedenken den Menschen und Zwangsarbeitern, die unter zum Teil unmenschlichen Bedingungen für die Kriegsführung missbraucht wurden und an den Folgen verstorben sind.“ So plant der Verein auch eine Neugestaltung des Ehrenfriedhofs der gestorbenen Zwangsarbeiter. 

Im Informations- und Dokumentationszentrum wird auch Platz sein für Vorträge, Workshops, Tagungen mit Historikern sowie für Projekttage mit Schulen. „Ein komplettes Forschungsarchiv mit allen zur Wasag noch verfügbaren Archivbeständen wird das Ganze vervollständigen“, erklärt Zander. „Was uns besonders freut, ist die Ankündigung von Prof. Dr. Johannes Preuss von der Gutenberg-Universität Mainz, dass er uns in Anerkennung unserer bisherigen Arbeit sein ganzes, über 35 Jahre intensiver Forschungsarbeit aufgebautes Wasag-Archiv übergeben wird.“ Preuss, der die Rüstungsaltlasten am Standort Reinsdorf detailliert untersucht und begutachtet habe, sei für den Verein der wertvollste Partner und Berater. 

Touristischer Geschichtslehrpfad

Mit dem „Touristischen Geschichtslehrpfad in Apollensdorf-Nord“ nimmt auch ein zweites Vorhaben konkret Gestalt an: „Wir erwarten in der kommenden Woche die Genehmigung seitens der Stadt, damit steht einer erfolgreichen Realisierung in 2020 nichts mehr im Wege.“ Der als Rundweg angelegte Lehrpfad soll die Entwicklung der Werkssiedlung Kolonie und Siedlung Reinsdorfwerke mit Hilfe von Informationstafeln anschaulich darstellen. 

Mit Hilfe der Bundesagentur für Arbeit und des Jobcenters konnte Zander zum 1. Dezember des Jahres unbefristet als Museumsleiter und Projektkoordinator angestellt werden. Der langjährige Verwaltungschef des Krankenhauses Apollensdorf-Nord hatte schon Anfang der 1990er Jahre die Idee, ein kleines Museum zur Wasag-Geschichte und der Lungenheilstätte aufzubauen, doch die negativen Entwicklungen rund um die Klinik bis zur Schließung legten alle Aktivitäten auf Eis. Erst seit 2011 befasst sich Zander wieder intensiv mit dem Projekt, in das unzählige Arbeitsstunden und rund 50.000 Euro ohne Förderung geflossen sind.





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