13.12.2019

Wittenberger Sonntag liest die Neue Westfälische

Sprachprüfungen werden zunehmend abgelehnt

Bielefeld (ots) Der Start in ein neues Leben in einem anderen Land mit einer fremden Sprache ist eine große Herausforderung. Viele Jugendliche, die diesen Weg gehen, starten ihr neues Leben in Deutschland als Schüler eines Berufskollegs. In internationalen Förderklassen werden sie maximal zwei Jahre auf den Weg in das deutsche Schulsystem vorbereitet. In der darauffolgenden Ausbildungsvorbereitung ist dann aber bereits häufig Schluss, wegen schlechter Leistungen in Englisch. Die ohnehin schon kurze Schullaufbahn endet mit dem Hauptschulabschluss nach Klasse 9. Und das, obwohl es als Ersatz für die Englisch-Note mit der Prüfung in der Muttersprache eine Möglichkeit im NRW-Schulgesetz gibt, die genau das in vielen Fällen verhindern könnte. 

Stattdessen werden so auch gute Schüler zu Bildungsverlierern, die im schlimmsten Fall jegliche Motivation verlieren, weil sie bereits als Jugendliche die Erfahrung machen, dass sie trotz guter Noten nicht vorwärtskommen. Denn mit einem Hauptschulabschluss nach Klasse 9 haben Bewerber kaum Chancen auf dem Lehrstellenmarkt. 

Der Abschluss entspricht offiziell zwar einer Berufsreife, doch die haben nur die wenigsten Absolventen. Die Folge: Wenn Bewerber Glück haben, finden sie eine Lehrstelle, scheitern aber dann häufig im ersten Block der Berufsschule, weil sie schlicht noch nicht reif sind und nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. Dieses Vorgehen verhindert Integration und schadet dem Sozialsystem; beides kann sich Deutschland nicht leisten. 

Das Beispiel der oftmals gut integrierten Russlanddeutschen, die in den 1980er- und 1990er-Jahren von den Prüfungen in ihrer Muttersprache als Ersatz für eine Englisch-Note profitiert haben, zeigt, wie wichtig diese Möglichkeit für die Betroffenen selbst und das Sozialsystem ist. Der Einsatz von Unternehmen, Schulen und der Flüchtlingshilfe ist nun genau der richtige Weg, um Druck auszuüben, um Bürokratie abzubauen und Integration zu ermöglichen.




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