Tobias Thiel, stellvertretender Direktor der Evangelischen Akademie, präsentiert das neue Jahresprogramm für 2020. Foto: Wolfgang Gorsboth

Tobias Thiel, stellvertretender Direktor der Evangelischen Akademie, präsentiert das neue Jahresprogramm für 2020. Foto: Wolfgang Gorsboth

11.12.2019

Klimawandel und Globalisierung werden an der Akademie verstärkt bearbeitet

Jahresprogramm 2020 der Evangelischen Akademie: Vertraut den neuen Wegen

Wittenberg (wg). „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“: Dieser Satz im Markus-Evangelium wurde von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen als Jahreslosung für 2020 ausgewählt und stellt das Glaubensdilemma vieler Christen in den Mittelpunkt. „Diese Jahreslosung zieht sich wie ein roter Faden durch das Programm 2020 der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt“, erklärt Tobias Thiel, stellvertretender Direktor und Studienleiter für gesellschaftspolitische Jugendbildung, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag.

Eine polarisierte Gesellschaft

Der Unglaube beziehe sich nicht nur auf religiöse, sondern immer mehr auch auf weltliche Themen, Klimawandel und die Komplexität globale Verflechtungen ließen immer mehr Menschen zweifeln. „Ungläubig sehen viele auch auf eine polarisierte Gesellschaft“, sagt Christoph Maier, der vom 1. März an neuer Direktor der Akademie sein wird. Viele flüchteten sich in altbekannte Konzepte, er hingegen halte es mit dem bekannten Kirchenlied „Vertraut den neuen Wegen“ als „Cantus firmus evangelischer Bildungsarbeit.“ 

„Klimawandel und Globalisierung werden an der Akademie verstärkt bearbeitet“, kündigt Thiel an. Seit Mitte 2019 wird der ökumenische Prozess „Umkehr zum Leben – den Wandel gestalten“ von Wittenberg aus von der Politikwissenschaftlerin und Publizistin Constanze H. Latussek koordiniert, sie unterstützt Träger dabei, kirchliche Beiträge zum Klimaschutz und zu einer sozial-ökologischen Transformation der Gesellschaft zu entwickeln.

Konfis und die Eine Welt

Miriam Meir leitet die Projektstelle „Konfis und die Eine Welt“, deren Ziel es ist, globales Lernen unter Nutzung digitaler Medien in der Arbeit mit Konfirmanden zu stärken. Im Zentrum stehen Begegnungen mit der Einen Welt und das Streben nach globaler Gerechtigkeit. „Wie kann Bildungsarbeit wirkmächtiger werden, wie kann die Akademie-Arbeit gesellschaftliche Prozesse anstoßen?“, darüber, so Thiel, werde man in 2020 verstärkt nachdenken. 

„Landwirtschaft im Klimawandel“ ist das Thema des Bauernfrühstücks am 29. Februar im Kirchlichen Forschungsheim, die Leitung hat Siegrun Höhne. Dank einer neuen Mess- und Analysetechnik des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist es möglich, Dürregefahren frühzeitig zu erkennen. Agrarmeteorologe Falk Böttcher vom DWD Leipzig stellt die neue Methodik vor und erläutert, mit welchen Auswirkungen des Klimawandels in der Land- und Forstwirtschaft Mitteldeutschlands gerechnet werden muss. 

Klimawandel – Wirtschaftwandel?

Die weltweit dominierende Wachstumsökologie ist kein Zukunftsmodell, das ist die These einer Tagung vom 25. bis 27. September mit dem Titel „Klimawandel – Wirtschaftwandel? Auf der Suche nach einer nachhaltigen Ökonomie“. Vom 20. bis 24. Juli steht eine Schreib- und Fotowerkstatt für Jugendliche im Alter von 16 bis 21. Jahren unter dem Motto „Letters for Future“: Gemeinsam mit der SWR-Journalistin Friederike Kroitzsch und der Fotografin Onna Buchholt entwickeln sie Beiträge, in denen die Jungen den „Alten“ ihre Meinung sagen können und die veröffentlicht werden. 

Um „Konflikte und Friedenswege in Osteuropa – Georgien, Ukraine und die Rolle der Kirchen“ geht es in einer Tagung vom 20. bis 22. März, die Tobias Thiel gemeinsam mit Peter Franke vom Bundesverband deutscher Ost-West-Gesellschaften und dem Diplomaten und Theologen Hans-Joachim Kiderlen leitet. Die Debatte darüber, wie in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion ein stabiler Frieden geschaffen werden kann, ist oft von Vereinfachungen geprägt, deshalb soll aus ukrainischer und georgischer Sicht auf die Konflikte mit Russland geschaut werden. 

Evas Versuchungen zur Theologie

Fortgesetzt werden „Evas Versuchungen zur Theologie“, dabei wird Dr. Eva Harasta, Studienleiterin für Theologie, Politik und Kultur, mithilfe von biblischen Figuren unterschiedliche Zugänge zur Beziehung zwischen Macht und Gerechtigkeit legen. Den Auftakt macht am 18. Februar „Salome oder: Der Tanz mit der Macht“, am 21. April folgt „Pontius Pilatus oder: Macht und Verhängnis“ und am 15. September widmet sie sich „Judith oder: Schönheit und Gewalt.“ 

Wittenberger Kanzelreden

Fortgesetzt werden in Kooperation mit der Stadtkirchengemeinde und der Cranach-Stiftung die „Wittenberger Kanzelreden“, die sich unter dem Motto „500 Jahre Zukunftsmusik – Martin Luthers Reformschriften frisch aufgelegt“ mit den vier Hauptschriften Luthers von 1520 befassen. Die erste Kanzelrede hält am 19. April der investigative Journalist Hans Leyendecker, ausgehend von Luthers Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation“ fragt er, wie heute ein kritisches Verhältnis zur Obrigkeit aussieht. 

Luthers wegweisende Schriften von 1520 sind auch Thema einer Tagung in Kooperation mit dem Forum Reformation e.V. vom 27. bis 29. März. Seine Gedanken dienen als Anstoß, heutige Antworten auf Grundfragen religiöser und politischer Existenz zu entwickeln. 

Viertes Elbe-Symposium

Das vierte Elbe-Symposium der Evangelischen Landeskirche Anhalts befasst sich am 21. Juni im Dessauer Kornhaus mit dem drastischen Wassermangel in den vergangenen Jahren und dessen Folgen für Fluss und Aue. So hat sich gezeigt, dass die Auenlandschaften gegen Trockenheit weit weniger widerstandsfähig sind, als angenommen wurde. Gemeinsam mit Politikern, Wissenschaftlern und Betroffenen aus Land- und Forstwirtschaft sowie der Stiftung Dessau-Wörlitzer Gartenreich und dem Tourismusverband Dessau-Anhalt-Wittenberg werden Szenarien für einen zukunftsfähigen Umgang mit der Elbe diskutiert. 

In Kooperation mit dem Campus Wittenberg e.V. und der Paul Gerhardt Diakonie-Akademie geht es am 17. Juni unter dem Motto „Männerschnupfen und andere Frauenkrankheiten“ um die Frage, welche Rolle das Geschlecht in der Medizin spielt. Wittenberger Profis aus verschieden medizinischen Fächern und aus dem Pflegebereich sprechen darüber, wie sich konkret Geschlechtsstereotypen negativ auf die Gesundheit auswirken und wie dies vermieden werden kann. 

Hinweis 

Das vollständige Jahresprogramm kann im Internet unter www.ev-akademie-wittenberg.de nachgelesen werden.




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