Museumsleiterin Dr. Christel Panzig im neu gestalteten Foyer des Hauses der Geschichte, das sich in der Adventszeit den Besuchern weihnachtlich dekoriert zeigt. Foto: Wolfgang Gorsboth

 Museumsleiterin Dr. Christel Panzig im neu gestalteten Foyer des Hauses der Geschichte, das sich in der Adventszeit den Besuchern weihnachtlich dekoriert zeigt. Foto: Wolfgang Gorsboth

08.12.2019

Pflug e.V. zeigt neue Ausstellung im Haus der Geschichte

Ostdeutsches Leben in Diktatur und Demokratie

Wittenberg (wg). „Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind...“: Unter diesem Zitat von Dietrich Bonhoeffer eröffnet Vize-Landrat Dr. Jörg Hartmann am 13. Dezember um 16 Uhr im Haus der Geschichte eine Ausstellung über ostdeutsches Leben in Diktatur und Demokratie. Gefördert wird die Exposition durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ 

Wie Hunderttausende in der damaligen DDR trugen auch Bürgerinnen und Bürger der Lutherstadt und des Landkreises Wittenberg in 1989 durch ihren offenen Protest zur politischen „Wende“ und zur Überwindung der SED-Diktatur bei. „Die Friedliche Revolution war das Ende eines diktatorischen Systems“, meint Dr. Christel Panzig, Leiterin des Hauses der Geschichte, „aber zugleich auch der Anfang eines Transformationsprozesses, der nicht nur die Umwandlung von der Plan- zur Marktwirtschaft beinhaltete, sondern alle Bereiche der Gesellschaft im Osten Deutschlands umfasste.“ 

Dieser Systemwechsel ging mit elementaren Einschnitten und sozialen Verwerfungen einher. Viele Ostdeutsche sahen vormals sicher geglaubte Lebensentwürfe und Berufsbiographien entwertet und mussten sich unter unsicheren Bedingungen neu orientieren. Zugleich standen sie vor der Aufgabe, sich in kürzester Zeit in die für sie fremden demokratischen Gesellschaftsstrukturen einzufügen. „Die neuen Freiheiten als Chance zu erkennen und wahrzunehmen, erforderte ein hohes Maß an fortdauernder Lern- und Anpassungsbereitschaft“, betont Panzig, „dazu gehört noch immer, sich zu den Werten der Demokratie zu bekennen und diese aktiv zu leben.“ 

Mit seiner neuen Ausstellung will der Pflug e.V. 30 Jahre gelebte Demokratie in Stadt und Kreis Wittenberg sichtbar machen. Anhand persönlicher Lebensgeschichten von zwölf Frauen und Männern aus der Region wird beleuchtet, welche Berufs- und Alltagserfahrungen sie in den Transformationsprozess eingebracht haben. Zugleich wird sichtbar gemacht, wie sie sich mit ihrer Kompetenz in den vergangenen 30 Jahren kreativ, kritisch und demokratisch den neuen Anforderungen unter den Bedingungen einer pluralistischen Demokratie gestellt haben. 

„Die Ausstellung soll dazu beitragen, unsere Geschichte dauerhaft aufzubewahren, der Verklärung von Geschichte entgegenzuwirken und den Dialog zwischen den Generationen zu befördern“, erläutert Panzig, „zum einen soll der Rückblick auf die Geschichte das Selbstwertgefühl der Akteure und damit auch unsere Demokratie stärken zum anderen einem Gefühl der Benachteiligung als Ostdeutsche, wie es von bestimmten rechtspopulistischen Kräften mit antidemokratischen Zielen geschürt wird, aktiv entgegenwirken.“ 

Bereits vor 20 Jahren hatte der Pflug e.V. das Thema aufgegriffen und 29 Personen interviewt, es gab eine Tagung und eine Publikation. „Damals waren die Erinnerungen an die Wendezeit noch sehr frisch“, sagt Panzig. Für die neue Ausstellung wurden im Sommer des Jahres 12 Bewohner aus Stadt und Landkreis befragt, diesmal lag der Schwerpunkt auf das, was in den vergangenen 30 Jahre erlebt und geleistet wurde. Einige der Befragten sind bereits im Ruhestand, aber immer noch ehrenamtlich aktiv. 

Die neue Ausstellung ist bis Ende Februar 2020 im Haus der Geschichte zu sehen.




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