Schulleiterin Anja Aichinger (2.v.r.), Schulsozialarbeiterin Juliane Nitschke, Schülersprecher Jonas Gramzow und Andreas Sauerländer, Fachschaftsleiter Sozialkunde (v.l.n.r.). Foto: Wolfgang Gorsboth

Schulleiterin Anja Aichinger (2.v.r.), Schulsozialarbeiterin Juliane Nitschke, Schülersprecher Jonas Gramzow und Andreas Sauerländer, Fachschaftsleiter Sozialkunde (v.l.n.r.). Foto: Wolfgang Gorsboth

02.12.2019

Schüler können bei Diskussionen und Problemlösungen mitwirken

LMG: Schule ist auch Lebens- und Erfahrungsraum für Demokratie

Wittenberg (wg). Demokratie ist weder naturgegeben noch selbstverständlich, wie auch das desaströse Wahlergebnis in Thüringen sowie der Terroranschlag in Halle gezeigt haben. Schüler kommen nicht als Demokraten auf die Welt, sie müssen Demokratie lernen und erleben, und dies auch in der Schule, wo sie sehr viel Zeit verbringen. „Beides zusammen ist wichtig“, betont Anja Aichinger, Schulleiterin des Luther-Melanchthon-Gymnasiums (LMG), im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, „das praktische Handeln im Rahmen von Schulprojekten kombiniert mit theoretischen Kenntnissen und inhaltlichen Reflexionen im Unterricht.“ 

Dazu müsse kein neues Fach eingerichtet werden, vielmehr müssten die Schüler im Schulalltag erleben, dass ihre Mitwirkung gefragt ist, dass sie Verantwortung tragen, dass sie aktiv an Diskussionen und Problemlösungen mitwirken können. Letzteres gewährleistet der Klassenrat, das demokratische Forum betreut Schulsozialarbeiterin Juliane Nitschke, die am LMG als „Respekt-Coach“ arbeitet. 

„Im Klassenrat werden ohne Lehrer Probleme diskutiert und gemeinsam Lösungen vereinbart“, erklärt Nitschke. Moderiert wird der Klassenrat vom Klassensprecher und seinem Stellvertreter, es gibt einen Protokollanten sowie einen Regel- und einen Zeitwächter, denn der Klassenrat ist eine demokratische Instanz mit Regeln. Am Ende des partizipativen Prozesses steht eine schriftliche Vereinbarung, die von allen Schülern unterschrieben wird. Ziel ist es, in jeder Klasse einen Klassenrat einzurichten. 

„Wir haben beginnend in der achten Klasse einen Democracy-Slam durchgeführt“, berichtet Nitschke. In diesem Jahr sei das Projekt fortgesetzt worden und eine Schülerin des LMG habe sogar auf der großen Bühne der Leipziger Buchmesse auftreten dürfen. „Aus dem Democracy Slam, bei dem Jugendliche die Möglichkeit haben, ihre Gedanken und Zukunftswünsche offen auszudrücken, hat sich der Wunsch entwickelt, sich intensiver mit Fragen des Klima- und Umweltschutzes auseinanderzusetzen“, sagt Nitschke. 

So erarbeiten die Schülerinnen und Schüler derzeit konkret zum Thema „Fair Trade“ einen Einkaufsführer für die Lutherstadt, der Geschäfte auflistet, in den Kunden regionale und nachhaltige sowie fair gehandelte (Bio-)Produkte kaufen können. Integriert ist das Projekt zum einen in den regulären Unterricht, zum anderen beginnt jetzt die Kleingruppenarbeit, die analog der üblichen Hausarbeiten eigenständig von den Schülern zu bewältigen ist. 

„In einer moderne Schule werden nicht einfach nur die Inhalte von Lehrbüchern abgearbeitet“, erläutert Schulleiterin Aichinger, „Wissen kann nicht mehr mit den Methoden vor 30 Jahren vermittelt werden, das Abitur bleibt am Gymnasium das hehre Ziel, um dieses zu erreichen, bedarf es auch der Kompetenzorientierung der Schüler.“ In diesem Sinne seien fachübergreifende Projekte, bei denen sich die Schüler in Teams eingeständig organisieren, gute Demokratieübungen. Erst Ende Oktober haben die Schüler des LMG in eigener Regie eine Benefizwoche organisiert und in 2020 steht im August das nächste Parkfest an, alle Schüler und Lehrer sind involviert. 

„Demokratie ist mehr als eine Herrschaftsform, die im Unterricht abstrakt erklärt wird, sie muss in der Schule konkret erlebbar sein“, sagt Andreas Sauerländer, der Lehrer für Sozialkunde und Geschichte ist am LMG Fachschaftsleiter für Sozialkunde. So sollen Schüler befähigt werden, eigene politische Vorstellungen zu entwickeln und moralisch zu vertreten. Dazu dienen Projekte der politischen Jugendbildung für die Klassen 9 bis 11 wie die Junior-Wahl, die am LMG immer vor Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen durchgeführt wird. 

Bei der Junior-Wahl geht es um das Üben und Erleben von Demokratie, die Schüler erhalten eine Wahlbenachrichtigung, das gesamte Verfahren einschließlich der Durchführung und dem Auszählen der Stimmen verläuft wie bei einer „echten“ Wahl. Anschließend wird das eigene Wahlergebnis mit dem der regulären Wahl verglichen und analysiert. Die Schüler können dabei auch eigene Parteien zu bestimmten Themen gründen. 

In einer demokratischen Wahl wurde Jonas Gramzow zum Schülersprecher des LMG gewählt, die Mitbestimmung ist eine Form der Schülerselbstorganisation. Jede Klasse entsendet per Wahl einen Vertreter in den Schülerrat, dieser wiederum acht Vertreter in die Gesamtkonferenz, der acht Elternvertreter sowie 16 Lehrer angehören. Die Schülervertreter haben in dem Gremium volles Stimmrecht. 

Dass Schulen in Sachen Demokratiebildung offenkundig bislang keine schlechte Arbeit geleistet haben, zeigt nach Ansicht Anja Aichingers die „Fridays for Future“-Bewegung: Die Kundgebungen zeugten von Demokratieverständnis und politischem Engagement der Jugendlichen, Demokratie lerne man am besten, indem man mitmacht.




Video

Oberbürgermeister Zugehör

mehr Videos

Videos Stimmen aus der Region

Oberbürgermeister Zugehör
Keine Angst – uns geht es gut
Kommunaler Bildungsbericht im Kreistag vorgestellt
Kreistag beschließt mehr Geld für die Sporthalle im Volkspark

Videos Politik

Bürgerforum Coswig
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 1
Sepp Müller stellt sich! GroKo und was nun? Teil 2

Videos Kultur

Neue Liedertour mit Karl Neukauf
75 Jahre Saxophone Joe
Alaris Schmetterlingspark.m4v
Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter
Jukebox im Clack Theater Wittenberg

Videos Auto

Volvo XC40 Winter-Testfahrten


FIW mbH & Co. KG, Wittenberger Sonntag/Freizeit Magazin, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: