Dr. Insa Christiane Hennen auf dem Cranach-Hof, Markt 4, rechts im Bild der aus dem Barock stammende südöstliche Seitenflügel des Selfisch-Hauses. Foto: Wolfgang Gorsboth

Dr. Insa Christiane Hennen auf dem Cranach-Hof, Markt 4, rechts im Bild der aus dem Barock stammende südöstliche Seitenflügel des Selfisch-Hauses. Foto: Wolfgang Gorsboth

02.12.2019

Insa Christiane Hennen schlägt neue Museumskonzeption vor

Museen: Die Kräfte bündeln und Kooperation verbessern

Wittenberg (wg). Die promovierte Kunsthistorikerin Insa Christiane Hennen plädiert für eine neue Museumskonzeption, die alle Wittenberger Museen enthält: „Wir benötigen Konzepte, die den Erhalt sowie die fach- und sachgerechte Erschließung aller Sammlungsbestände sicherstellen und deren öffentliche Zugänglichkeit gewährleisten.“ Die Eigenständigkeit jeder einzelnen Einrichtung mit ihren besonderen Stärken und Kompetenzen bleibe dabei unangetastet, aber statt um Konkurrenz müsse es künftig um Kooperation gehen. 

Ausgangspunkt ihrer Betrachtungen sei der „unbefriedigende Zustand" der Städtischen Sammlungen: „Teile der neuen Dauerausstellungen müssen überarbeitet werden, weil das von Dr. Beate Kusche 2014 erarbeitete Konzept nicht in der zu wünschenden Qualität umgesetzt worden ist." Lücken in der streiflichtartigen Überblicksausstellung müssten geschlossen und neue Schwerpunkte gesetzt werden. Dass es im Vorfeld eine intensive Bürgerbeteiligung gegeben habe, sei „im Prinzip" positiv, jedoch seien leider nur wenige Anregungen aufgenommen worden. 

„Außerdem müssen die Beziehungen zwischen Themen und Exponaten in der stadtgeschichtlichen Ausstellung im Zeughaus zu den Sehenswürdigkeiten in der Stadt besser sichtbar gemacht werden“, erläutert Hennen, „nur so erschließen sich den Besuchern historische und kulturelle Zusammenhänge.“ Zudem schlägt Hennen die Bildung eines wissenschaftlichen Beirates vor, welcher die Arbeit der Städtischen Sammlungen begleitet und die Einbeziehung des „Freundeskreises Julius-Riemer-Sammlungen.“ 

Alle Wittenberger Museen und Kulturenrichtungen – Lutherhaus, Melanchthonhaus, Cranach-Stiftung, Haus der Geschichte, Stiftung Christliche Kunst, futurea Science Center und die Städtischen Sammlungen – sollten künftig inhaltlich und organisatorisch intensiver zusammenarbeiten, auch über die Gründung eines „Netzwerks Museum“ könne nachgedacht werden. „In einigen Einrichtungen wie im Haus der Geschichte steht in naher Zukunft ein Generationenwechsel an, die Bestände müssen unbedingt gesichert werden, eine Zusammenarbeit mit den Städtischen Sammlungen bietet sich geradezu an“, betont Hennen.

 „Traumobjekt" Selfisch-Haus am Markt 

Überdies seien Raumprobleme zu lösen, zumal das ehemalige K-Gebäude neben dem Neuen Rathaus als Depot ungeeignet sei. Nicht nur die Städtischen Sammlungen benötigten ein zentrales Depot, ebenso der Pflug e.V. als Betreiber des Hauses der Geschichte. Derzeit seien die Bestände auf mehrere Objekte aufgeteilt, dies sei teuer und aufwändig. Deshalb sei zu prüfen, ob sich verschiedene Angebote nicht in einem Objekt konzentrieren ließen: „Aus meiner Sicht ein Traumobjekt wäre das Selfisch-Haus, Markt 3, das wertvollste Bürgerhaus in der Stadt.“ 

Das Gebäude, das der Verleger, Buchhändler und mehrfache Bürgermeister Samuel Selfisch 1560 erwarb, steht seit vielen Jahren leer und wird derzeit Stück für Stück restauriert, zuletzt gab es 200.000 Euro Fördermittel vom Land für den südöstlichen, an den Cranach-Hof angrenzenden Seitenflügel aus dem Barock (der Wittenberger Sonntag berichtete). „Vom Erdgeschoss abgesehen kommen wegen der wertvollen Wandmalereien in den anderen Etagen kommerzielle Nutzungen wie Wohnen zur Miete nicht in Frage“, erläutert Hennen, die sich im Rahmen des Forschungsprojektes „Ernestinisches Wittenberg“ ausführlich mit der Historie des Gebäude-Ensembles befasst hat. 

Das Objekt Markt 3 sei zwar nicht für ein Depot geeignet, wohl aber für Ausstellungen: So könne man zum Beispiel die Wohnkultur des 16. Jahrhunderts ebenso darstellen wie die des 20. Jahrhunderts und ein Gesamtkonzept entwickeln, welches zum benachbarten Kulturhof der Cranach-Stiftung passe. Auch die Stiftung Christliche Kunst, die mit ihrem Standort im Schloss nur bedingt zufrieden sei, würde sich gut im Ensemble einfügen: „Eine wertvolle Privatsammlung wie diese passt optimal in ein repräsentatives Bürgerhaus.“ Und die Nutzung vorhandener Gebäude sei immer besser, als Leerstand oder Neubau. 

Ausstellungsangebote weiter profilieren 

Wesentliches Ziel einer neuen Museumskonzeption sei es, die Ausstellungsangebote weiter zu profilieren, damit Touristen länger in der Stadt blieben. Alle Akteure seien in die Konzeption einzubinden, ebenso die Wittenberg Marketing GmbH. Einrichtungen mit großer Erfahrung in der Museumspädagogik wie die Stiftung Luthergedenkstätten sollten ihr Know-how anderen Institutionen wie den Städtischen Sammlungen zur Verfügung stellen. Generell seien Kooperationen zwischen den Einrichtungen unabhängig von der Trägerschaft auch im Sinne des gesellschaftlichen Zusammenhalts zu begrüßen.




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